Der unterschätzte Sami Khedira

Gott der kleinen Dinge

Der unterschätzte Sami KhediraImago
Heft #91 06/2009
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Er hatte einen Start in seiner Karriere als Fußballprofi, der fast unheimlich war. Am 1. Oktober 2006 wurde der damals 19 Jahre alte Sami Khedira erstmals in einem Bundesligaspiel eingesetzt, vier Wochen später erzielte er sein erstes Tor, im Januar 2007 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag und am 19. Mai 2007 machte er den Siegtreffer gegen Cottbus, der den Gewinn der Deutschen Meisterschaft für den VfB Stuttgart bedeutete. Er war inzwischen 20 Jahre alt, als er im August 2007 schließlich zur Nationalmannschaft geladen wurde.

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Doch kurz vor seinem Debüt als Nationalspieler verletzte Khedira sich und wartet seitdem auf die nächste Einladung. Als Karriereknick nach Raketenstart sollte man das aber nicht verstehen, sondern den defensiven Mittelfeldspieler weiterhin als einen Mann der Zukunft in seinem Klub und der Nationalmannschaft sehen.

Viel schwäbische Gründlichkeit

Es hat ihm gut getan, in dieser Saison mit einem zweiten defensiven Mittelfeldspieler an seiner Seite zu spielen. Das dürfte auch entscheidend dazu beigetragen haben, seine Torquote beträchtlich zu erhöhen, weil er sich auf dem Weg nach vorne abgesicherter fühlt. In der eigenen Mannschaft traf jedenfalls nur Mario Gomez häufiger, und mit sieben Treffern (Stand: 8. Mai) ist Khedira einer der torgefährlichsten Defensivspieler in der Bundesliga. Aus der Tiefe kommt er also, ist gut in der Luft, und er hat den Willen zum Torabschluss. Im U-21-Nationalteam ist er gesetzt und Bundestrainer Löw hat ihm signalisiert, dass er ihn im Auge behält. Das klingt ganz nach einem Profil, das dazu passt, der gedachte Ballack-Nachfolger zu werden. Zumal er eine ähnliche Haltung zum Spiel hat wie der Kapitän. Bei Khedira gibt es wenig mediterrane Leichtigkeit, die man angesichts eines tunesischen Vaters vielleicht erwarten könnte, sondern viel schwäbische Gründlichkeit. Er spielt nüchtern und stets als Mannschaftsspieler, er spreizt sich nicht als Individualist, sondern will die Maschinerie seines Teams in Gang halten. Das tut er in einen relativ weiten Aktionsbereich, dank der offensiven Spielweise des VfB Stuttgart ist er auch in Auswärtsspielen zu 57 Prozent in der gegnerischen Hälfte am Ball gewesen.

Ein weiterer Wert, der von Opta Sportdaten ermittelt wurde, ist noch erhellender. 93 Prozent von Khediras Pässen gingen über eine kurze Distanz. Das könnte man ihm als hasenfüßige Sicherheitsspiel auslegen, ist aber nur ein weiterer Ausdruck seiner Mannschaftsdienlichkeit. Denn oft genug setzen seine kurzen Zuspiele die Kombinationen in Gang oder halten sie in Bewegung.

Khedira ähnelt damit einem anderen oft übersehenen Meister des Kurzpasses, dem England-Profi Didi Hamann. Der war ebenfalls oft kaum zu sehen, aber für seine Teams ein Gott der kleinen Dinge. Was den erst 22-jährigen Khedira vor allem mit Spielern wie Ballack und Hamann verbindet, ist der

Umstand, dass seine Anwesenheit der eigenen Mannschaft nachweislich gut tut. Mit ihm auf dem Platz hat der VfB Stuttgart durchschnittlich 1,9 statt 1,2 Tore pro Spiel erzielt und 1,1 statt 1,8 Gegentreffer hinnehmen müssen. Das sind so erstaunliche wie beachtliche Werte, und in ihnen steckt das Potenzial für einen Most Valuable Player auf allen Ebenen, warum nicht auch der von National-
mannschaften.

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