02.10.2013

Der unauffällige Aufstieg des Pablo Zabaleta

Max Mustermann

Heute Abend erwartet Pablo Zabaleta eine der härtesten Aufgaben des Weltfußballs: Er soll Franck Ribéry zügeln. Citys Spieler des Jahres ist das durchaus zuzutrauen.

Text:
Paul Hofmann
Bild:
imago

Es ist eine dieser Ehren, die nicht den Briefkopf, wohl aber das Selbstvertrauen aufwerten. Eine dieser Ehren, die einem Spieler nicht auf den Gedenktafeln, wohl aber im kollektiven Gedächtnis des Vereins einen Platz sichern. Eine dieser Ehren, auf die der junge Argentinier mit dem schütteren Haar kaum spekuliert haben dürfte, als er vor fünf Jahren die katalanische Sonne gegen den Regen Nordenglands eintauschte.

Mit Pablo Zabaleta erhielt ein Akteur die Auszeichnung für Manchester Citys Spieler der Saison 2012/13, der auf den ersten Blick nicht recht in das Schema eines Fanlieblings passen mag. Allzu oft war und ist diese Zuneigung schillernden Offensivspielern vorbehalten. Einem wie Außenstürmer Mike Summerbee in den glorreichen Siebzigern beispielsweise. Einem wie dem Altenburger Sturmtank Uwe Rösler Mitte der neunziger Jahre. Oder einem Ausnahmekönner wie derzeit Sergio Agüero. Ein Außen ist Zabaleta. Ein Tank auch. Aber Ausnahmefähigkeiten?

Eiernd, überkonzentriert, konsterniert

Zabaleta verfügt nicht über die Schnelligkeit eines Samir Nasri, die Ballsicherheit eines David Silva oder den Namen eines Sergio Agüero. Pragmatiker würden einwenden, dass er dies als Rechtsverteidiger ohnehin nicht benötige. Dem Argentinier gehen allerdings auch die Zweikampfwerte eines Vincent Kompany und die Aura eines Yaya Touré ab. Er ist eine Art Max Mustermann in Citys Edelkader – einfach ein grundsolider Spieler.

Dabei ist er durchaus ein Athlet wie Touré, scheint aber zuweilen über den Rasen zu eiern. Teilweise macht er einen geradezu manisch überkonzentrierten Eindruck, stürzt sich dann aber in Situationen, die er selbst mit dem technischen Vermögen eines Silva nicht lösen könnte. Wenn er es bis an die Hacken seines Gegenspielers geschafft hat, muss er sich vor der Zweikampfbilanz eines Kompany nicht verstecken, im Eins-gegen-eins frontal zum Kontrahenten lässt er sich aber gern mal übertölpeln. Zabaleta ist keiner, der Nasris Blick für den freien Raum in der DNA hat. Im Hochgeschwindigkeits-Fußball des britischen Oberhauses, den sich sein Landsmann Agüero seit den ersten Tagen einverleibt zu haben scheint, »stößt er in guter Regelmäßigkeit an seine Grenzen«, wie die »Sun« einmal ungewohnt gutmütig analysierte. Dann steht er da, pumpt wie ein Rennpferd und schaut konsterniert drein.

 
 
 
 
 
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