Der Spielentscheider vom FC Bayern

Warum Arjen Robben so wichtig ist

Der beeindruckende Kurz-Auftritt von Arjen Robben im DFB-Pokal gegen Alemannia Aachen hat wieder einmal bewiesen: Nur mit dem Holländer sind die Bayern eine besondere Mannschaft. Und die Gegner kommen sich vor wie in einem Computerspiel. Der Spielentscheider vom FC Bayernimago

Früher, lange bevor täuschend echte Mafiosi und Frontsoldaten die PC-Bildschirme bevölkerten, gab es ein Computerspiel namens »Age of Empires«. Den Eltern wurde AOE als kluges Strategiespiel verkauft, in dem die Sprösslinge ihre knubbeligen Helden von der Steinzeit in die Moderne führen sollten. Das war in der Tat die Zielvorgabe, doch schaffte man das nur, indem man knüppelschwingende Horden durch die Jahrzehnte jagte, stets bereit das Nachbardorf in Schutt und Asche zu legen. Ein brutales, ein unbarmherziges Spiel. Ein wenig also, wie der aktuelle Fußball. Wer die nötige Tastenkombination wusste, der konnte sich bei »Age of Empires« allerdings einen massiven Vorteil verschaffen: »bigdaddy« lautete der Name eines schwarzen Fantasieautos, das, mit Raketen beladen und sauschnell, keinem Steinzeitmenschen oder Lanzenträger auch nur den Hauch einer Chance ließ. »Cheaten« nannte man das damals wie heute. Austricksen, sich einen klaren Vorteil verschaffen. Auch der FC Bayern hat den Cheatmodus entdeckt. Das Passwort lautet: »Arjen Robben«.

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72 Minuten musste der Münchener Anhang im Aachener Tivoli warten, dann erst aktivierte Bayern-Trainer Louis van Gaal seine stärkste Waffe. Arjen Robben stand nicht einmal drei Minuten auf dem Rasen, da fiel auch schon ein Tor. Thomas Müller traf zum 2:0. Robben hatte es vorbereitet. Am Ende durften die Bayern mit eher verhaltener Begeisterung einen satten 4:0-Erfolg feiern, 18 Minuten Arjen Robben reichten, um aus der unsicher durch die Partie stolpernde Bayern-Mannschaft einen souveränen Sieger zu machen. Dafür musste der nach langer Verletzung halbwegs zusammengeflickte Holländer gar nicht so viel tun. Ein paar Haken, zwei, drei schnelle Antritte, einige kluge Pässe, schon zerbröselte der Gegner aus Aachen in seine Einzelteile.

Es war – Cheatmodus: ein – als ob »Big Mama« ihre Raketen auf ein Grüppchen Strohhütten gefeuert hätte. Gegen Aachen war das gut zu beobachten: Es braucht keinen Sack voller Robbenscher Geniestreiche, um die gegnerische Mannschaft zu besiegen, seine pure Anwesenheit auf dem Platz reichte völlig aus, um den Gastgebern jeden Wind aus den Segeln zu nehmen. »Die Mannschaft hat noch Köttel in der Hose«, hatte Aachens stets wortgewandter Geschäftsführer Erik Meijer in der Pause berichtet, Robbens Einwechslung sorgte dann für kollektiven Dünnpfiff auf Seiten der Alemannen.

Ohne Arjen Robben ist der FC Bayern nur noch normal

Die Bayern und ihr Trainer Louis van Gaal wissen spätestens seit dem Pokalspiel, was sie an ihrem Flügelstürmer haben. Mit Robben ist der FC Bayern klarer Meisterschaftskandidat, an guten Tagen sogar reif genug, die besten Mannschaften Europas zu besiegen. Ohne Robben ist der Rekordmeister nur ein ganz normaler Fußball-Verein unter den fünf besten Mannschaften der Bundesliga.

Dabei ist das Spiel von Arjen Robben so einfach, jedenfalls dann, wenn man nicht gegen ihn verteidigen muss. Mit Vorliebe von der rechten Außenlinie in die Mitte marschierend, den Ball am linken Fuß klebend, tut Robben eigentlich immer das Gleiche. Weil er es aber so viel schneller und besser macht, als seine Kollegen, ist selbst das Berechenbare unberechenbar. Wenn Robben genügend Platz hat und genügend Power in den Beinen, dann ist das so, wie früher bei Aufschlägen von Goran Ivanisevic. Immer volle Pulle, immer in die gleiche Ecke – aber einfach nicht ordentlich zu verteidigen.

Eine Saison reichte Robben zur Weltklasse

Die Bayern tun gut daran, ihren feingliedrigen Offensivmann behutsam aufzubauen, denn schon jetzt sind sie die einzige Mannschaft, die wirklich von den Qualitäten Robbens profitiert. Ob in Eindhoven, beim FC Chelsea oder zuletzt bei Real Madrid – stets verhinderten langwidrige Verletzungen dauerhafte Spitzenleistungen von Arjen Robben. In München hielt sein Körper eine Saison lang tapfer durch, prompt schwang sich Robben zur absoluten Weltklasse auf. Hätten Bayern-Fans einen Wunsch frei, sie würden sich vermutlich Robbens Talent im Körper von Sepp Maier wünschen. Der spielte – bis auf exakt drei Ausnahmen – 14 Jahre lang am Stück. 442 Spiele ohne Pause sind ein Rekord für die Ewigkeit, unerreichbar für einen wie Robben.

14 Jahre Arjen Robben ohne Verletzungspause: Das wäre dann wie bei »Age of Empires«: Dort konnte man sich so viele Raketenautos in die Steinzeit bestellen, wie Sepp Maier Locken auf dem Kopf hat. Das Spiel hatte man ganz schnell gewonnen. Aber vor lauter Dominanz wurde einem doch sehr schnell langweilig.

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