Der Sonderheft-Teamcheck

Michael Ballack zum HSV

Unser Sonderheft gehört zur Saisonvorbereitung wie der Dorsch an Horst Hrubeschs Haken. Apropos Hamburg: Hier ist das Kapitel über die Norddeutschesten der Liga – als Vorgeschmack. Den Rest gibt's am Kiosk! Der Sonderheft-Teamcheck
Heft #93 Sonderheft 2009/10
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Gestatten, HSV!

Am 25. Mai 1983, an dem Tag als der HSV mit dem Gewinn des Landesmeisterpokals den größten Triumph seiner Geschichte feierte, gab es Oberlippenbärte, Nackenmatten und Schienbeine ohne Schienbeinschoner. Jerome Boateng und Dennis Aogo gab es noch nicht. Doch jedes Mal, wenn sie vor wichtigen Spielen ins Volksparkstadion einlaufen, scheint sich dieses Datum über sie zu legen wie ein bleierner Teppich. So auch letzte Saison: Wieder einmal war die Mannschaft eifrig dabei, sich von den Fesseln der Vergangenheit zu befreien, lange Zeit umwehte den Volkspark der Geruch von Aufbruch. Doch dann kamen Werder, eine Papierkugel und Hiobsbotschaften en gros. Zunächst verabschiedete sich Martin Jol nonchalant nach Amsterdam, dann rauschte Dietmar Beiersdorfer beleidigt ab und zuletzt stellte der Stadionsponsor, die HSH-Nordbank, fest, dass eigentlich gar kein Geld mehr da ist. Es blieb der Mann, den sie in der Nordkurve abfällig den »Imperator« nennen: Bernd Hoffmann. Der muss nun dafür sorgen, dass sich die zerstrittenen Gremien wieder mit leuchtenden Augen an den Händen fassen. Das wird schwierig. Doch wie heißt es auf den T-Shirts von einfühlsamen Philosophie-Studenten stets: »Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.« Ganz vielleicht heißt dieser Stern Zé Roberto.

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Die erstaunliche Zahl

15 Minuten diskutierten angeblich Ende Juni »zwei prominente Spielerberater und ein Anwalt über einen Ballack-Transfer zum HSV«. Das schrieb jedenfalls der Twitter-User @sachark, eigentlich Pressesprecher der Online-Lernplattform »scoyo«, auf seiner Seite. Der Anwalt und der Berater hätten angeblich an seinem Nebentisch im ICE gesessen. Wo Ballacks Manager Michael Beckerviel lieber Auto fährt. Verschiedene Hamburger Medien griffen das Gerücht dennoch auf, weil Twitter inzwischen ja viel seriöser ist als die »DPA«. Und grüßten damit herzlich aus dem Sommerloch.

Das prophezeit der Lokaljournalist

»Vor jeder Saison glauben die Hamburger mit dem »Traumschiff« loszusegeln und dabei an den schönsten Häfen anzulegen. Wenn sie am Ende im Nirgendwo stranden, ist die Enttäuschung groß. So war es auch in der letzten Saison, als drei Titel zum Greifen nahe waren und man mit sehr viel Glück den fünften Platz belegte. Nun steht der HSV wieder einmal vor einem Umbruch und vor noch mehr Fragezeichen. Eines indes ist klar: Bernd Hoffmann wird man auf die Finger schauen wie keinem anderen. Zumindest hat sich der HSV einen kompetenten Trainer geholt – ich mag den Labbadia, denn er durchdenkt seine Trainer-Karriere wohl. Er hat in der Oberliga begonnen und sich langsam an die Bundesliga herangepirscht. Im Gegensatz zu Jol, der als alter Hase zum egoistischen Denken neigte, ist Labbadia jemand, der sich noch beweisen und eine Handschrift hinterlassen will. Ich bin mir ziemlich sicher: Das wird er auch tun.« Alexander Laux (Hamburger Abendblatt)

So wollen sie spielen


Bruno Labbadia liebt es offensiv. Das 4-1-3-2-System, das er in Leverkusen spielen ließ, würde sich auch in Hamburg anbieten, wenngleich sich hier die Mittelfeldraute etabliert hat. So würden auf der Sechserposition David Jarolim oder Zé Roberto spielen, auch der Brasilianer Alex Silva wäre denkbar. Auf den Außen kämen, je nach Ausrichtung, Marcell Jansen, Jonathan Pitroipa oder Zé Roberto zum Einsatz. Piotr Trochowski würde bestenfalls nicht auf der 10er-Position, sondern auf einer Halbposition hinter den Spitzen agieren. Veränderungen wird es auch in der Abwehr geben. Gut möglich, dass Jerome Boateng der neue Partner von Joris Mathijsen wird. Unter Martin Jol wurde er zumeist auf den Außenbahnen eingesetzt, doch bei der U 21-EM in Schweden bekam Boateng in der Innenverteidigung überragende Kritiken. Beim 2:0-Sieg gegen Finnland gewann er 100 Prozent seiner Zweikämpfe.

Das sagt Collin Benjamin

»Von Verunsicherung spüre ich nichts. Und wenn das später jemand im Falle des sportlichen Misserfolgs behaupten sollte, ist das nur eine billige Ausrede. Zumal wir von den ganzen Vereinsreibereien kaum etwas mitbekommen haben. Plötzlich war Beiersdorfer weg. Ich habe ihn danach nicht mal mehr gesehen. Das ist schade, er war ein guter Mensch, ein guter Chef. Wir blicken nun nach vorne. Wir werden versuchen, wieder einen internationalen Wettbewerb zu erreichen. Seit acht Jahren spiele ich beim HSV, damals kam ich aus Windhoek in Namibia, und packte eines Tages einfach meinen Rucksack und fuhr los. Ins Blaue. Seitdem weiß ich: Du weißt im Fußball nie, was passiert. Eine Phrase, ja natürlich, aber sie stimmt.«

Wie wird man Europameister, Dennis Aogo?

Indem man an fast vergessene Traditionen anknüpft. Vor der U 21-EM nahmen die Junioren-Nationalspieler gemeinsam mit DSDS-Gewinner Thomas Godoj den Song »Helden gesucht« auf. Aogo damals: »So wollen wir unseren Weg in Schweden gehen und dort den Titel holen.«

Wieviel brachte der Verkauf von Nigel de Jong tatsächlich?

Zunächst waberte ein Betrag von unglaublichen 20 Millionen Euro durch die Medien, später hieß es dann, de Jong würde für 18 Millionen wechseln. Auch nicht schlecht. Tatsächlich sieht der Deal so aus: Die Ablöse betrug 18 Millionen Euro, zahlbar in drei Teilen. Die Schlussrate wird erst am 1. Juli 2011 von Manchester City überwiesen. Doch dann wird der HSV nur 15 Millionen Euro erhalten haben – drei Millionen Euro gehen an den geschäftstüchtigen Berater Rodger Linse.

Was macht eigentlich Walter Laubinger?

Die Hamburger Presse taufte ihn Mitte der achtziger Jahre euphorisch das »Super-Talent«, Ernst Happel nannte ihn den »Zauberer«, weil er im Training einen Eckball direkt versenkte und der ehrgeizige Uli Stein im Tor vor Wut schnaubte. Nach etlichen exzessiven Trinkgelagen und Nächten, die zum Tage wurden, beendete er seine Profikarriere allerdings schon zwei Jahre später. Zuletzt war Walter Laubinger Jugendtrainer beim SC Concordia Hamburg.

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