Der Sonderheft-Teamcheck

Fährt Wiese zur WM?

Unser Sonderheft – unerlässliche Fibel für alle, die auch nur im Entferntesten am Fußball interssiert sind. Als Beweis gibt es hier das Kapitel über Werder Bremen zu lesen. Aber nur, wenn Ihr danach auch das Heft kauft! Versprochen? Der Sonderheft-TeamcheckImago
Heft #93 Sonderheft 2009/10
Heft: #
93
Gestatten, Werder!

Seit Boris Becker 1999 seine Tennis-Karriere beendet hat, suchen Deutschlands Sportinteressierte einen neuen tragischen Helden. Aufstieg und Fall sollen bei ihm, wie man es von »Bobbele« kennt, möglichst in ein und derselben Minute stattfinden. Es ist kein Einzelsportler, der nun in dieses Vakuum drängt – es ist eine ganze Fußballmannschaft: Werder Bremen. Schon vor zwei Jahrzehnten zeigte der Verein seinen Hang zu drastischen Formschwankungen innerhalb kurzer Zeitspannen, sogar einzelner Partien. Diese als »Wunder von der Weser« Legende gewordenen Thriller sind in den Charakter des SVW eingewachsen, das zeigte sich zuletzt mehr denn je. Der sinusartige Saisonverlauf zwischen Pokaltriumph und Ligatristesse lässt mit Blick auf die kommende Saison vieles, ja alles erhoffen: Haushohe Siege sind denkbar, aber auch vernichtende Niederlagen. Bumm-Bumm-Bremen ist zurück.

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Die erstaunliche Zahl

Für 4510 Euro hat ein Werder-Fan die ominöse Papierkugel ersteigert, die im UEFA-Cup-Halbfinale gegen den HSV den Ball zur siegbringenden Ecke abfälschte. Diego ist also soviel wert wie 5543 Portionen gepressten Zellstoffs. Gar nicht mal soviel.


Das prophezeit der Lokaljournalist

»Werders Manager Klaus Allofs ist dafür bekannt, dass er unterschätzte Spieler von den Ersatzbänken Europas holt – Johan Micoud aus Parma, Diego aus Porto, Mesut Özil aus Schalke. Dieses Näschen hat er natürlich immer noch, aber die Preisspirale hat so dramatisch angezogen, dass selbst Transfers unterhalb des Radars der Topklubs für Werder kaum noch zu stemmen sind. Hinzu kommt die Mentalität der Hanseaten: Sie werden nie mit Geld um sich schmeißen. Sogar die acht Millionen für Marko Marin, im internationalen Vergleich eine eher bescheidene Summe, dürfte den Verantwortlichen einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Die Sparsamkeit hat Konsequenzen: Der Kader ist in der Breite zu schwach. Um eines Tages wieder in das Rennen um die Deutsche Meisterschaft eingreifen zu können, braucht das Werder-Management beides: Gespür und die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen.« Björn Knips (Syker Kreiszeitung)


So wollen sie spielen

Er ist weg, und wir sind wieder allein, allein. Doch so verblüffend es klingt: Ohne Diego wird Werder vielleicht sogar attraktiver spielen. Denn bei aller Klasse neigte der Brasilianer doch auch zur Ballverliebtheit und Verschleppung. Anders sein Nachfolger Mesut Özil: Er spielt direkter und vertikaler – früher hätte man gesagt: »Der Junge hat Zug zum Tor.« Bei der U21-EM bewies er, dass er durch solch steile Aktionen Partien entscheiden kann. Mit dem von Gladbach gekommenen Marko Marin wird Özil einen technisch ebenso beschlagenen Partner auf dem Flügel finden. Doch wer hält den beiden den Rücken frei? Defensiv-Samariter Frank Baumann hat seine Karriere beendet. Wie wertvoll er war, wird bald auch der Letzte begreifen.

Das sagt Thomas Schaaf 

»Wir haben unser Trainingslager wie all die Jahre schon auf Norderney verbracht. Eine sehr schöne Insel, inklusive aller Verlockungen eines Urlaubs. Aber wir haben kein Eis geschleckt oder uns in der Sonne geaalt. In den Trainingeinheiten ging es vor allem darum, Defizite abzustellen, um uns in Zukunft konstanter präsentieren zu können, als wir es in der letzten Saison getan haben. Dass wir trotz des zehnten Platzes vor kurzem zum beliebtesten Verein Deutschlands gewählt wurden, freut mich natürlich sehr. Neben dem Pokalsieg führe ich das darauf zurück, dass wir hier eine Mannschaft mit Gesicht aufgebaut haben. Und dieses Gesicht wird auch ohne Diego bestehen bleiben – es wird sich nur wandeln.«


Was macht eigentlich Ailton? 

Kickt in China für Chongqing Lifan. Zuvor hatte er sich noch aus Brasilien via »Bild«-Zeitung seinem Ex-Klub als Scout für den Südamerikanischen Raum anempfohlen. Er hätte, so der in die Jahre gekommene »Torhamster«, Klaus Allofs vor dem Transfer von Carlos Alberto gewarnt. Schließlich wisse er ganz genau, welchen Charakter man brauche, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Was er nicht zu wissen scheint: Manager Klaus Allofs schaut sich Bewerbungen vom Boulevard gar nicht erst an.


Fährt Tim Wiese  zur Weltmeisterschaft?

Es gab Zeiten, da sehnten sich die Werderfans nach ihrem guten, alten Keeper Andreas »Dicker« Reinke zurück. Der hielt nicht alles, zog aber wenigstens keine pinkfarbenen Trikots an. Inzwischen haben sie Tim Wiese, diesen rheinischen Maulhelden mit fast schon ungesunder Kopfbräune, auch im kühlen Norden lieb gewonnen. Seine fantastischen Leistungen vor allem in den Pokalwettbewerben haben diesen Prozess deutlich beschleunigt – und ihn auch in den Kreis der vier Keeper katapultiert, die um den Platz im deutschen Tor wetteifern. Doch nur wenn Joachim Löw ihn zur Nummer 1 kürt, wird er ihn auch für das Turnier nominieren. Der Bundestrainer weiß: Wiese ist kein demütiger Bankdrücker, der sich an einer irrealen Chance festhält und ansonsten den Pausenclown macht. Niemand beim DFB wünscht sich, dass sich die Geschichte von Uli Stein wiederholt. Der hielt sich bei der WM 1986 für besser als Toni Schumacher, spielte jedoch nicht und verlegte sich dann aufs Schlammcatchen. Vorstellbar, dass ein Agreement zwischen Löw und Wiese existiert: Alles oder nichts.


Wie lange bleibt Thomas Schaaf?

Dass er nicht im Weserstadion geboren wurde, sondern im fernen Mannheim, kann nur ein Versehen sein. Seit 1972 Werder-Mitglied, seit zehn Jahren Chef-Coach. Anfangs als muffelig verrufen, gilt Schaaf heute, ohne sich groß verändert zu haben, als Medienprofi. Auch nach zehn Jahren ist er nicht amtsmüde – selten hat man ihn so emotional erlebt wie bei den vier Spielen gegen den HSV im Frühjahr. Schaaf weiß: Er hat nicht nur den Spatz in der Hand, sondern eine hübsche Taube. Sein Kontrakt läuft noch bis 2010. Sehr wahrscheinlich, dass er ihn verlängert.


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