Der Sonderheft-Teamcheck

Wer war noch mal Meyer?

Unser Bundesliga-Sonderheft ist da – das Standardwerk zur Saison 2009/10. Keine Frage bleibt darin unbeantwortet, kein Auge trocken. Oder umgekehrt? Seht selbst – hier ist vorab das Kapitel über Borussia Mönchengladbach. Der Sonderheft-TeamcheckImago
Heft #93 Sonderheft 2009/10
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Gestatten, Borussia!

Dass er nicht gerade einen Ruf wie Donnerhall besitzt, weiß Michael Frontzeck. Der Mann mit dem blanken Schädel ist aber passionierter Kämpfer und Box-Liebhaber. Sein Hund heißt Tyson, sein Präsident stellte ihn erstaunlicherweise als »Mike« vor – nicht den Hund – und seine Parole für die 34 Runden in der kommenden Saison lautet: »Ich will es denen zeigen!« Denen, den Berufs- und Amateur-Skeptikern, schreibt er, bevor er ihnen womöglich in die Läppchen beißt, erst mal hinter die Ohren: »Auch wenn alles zu 100 Prozent läuft, muss man bei Klubs wie Alemannia Aachen oder Bielefeld damit rechnen, abzusteigen.« In einem Jahr kann er das rückblickend zu seinem Heimatarbeitgeber nicht mehr sagen. Frontzeck profitiert von den Aufräumarbeiten seines Vorgängers und Lehrmeisters Hans Meyer, den seine Rolle als Buhmann letztlich kirre gemacht hat, und einem Kader, der gut bestückt ist, aber genau das benötigt, was Sportdirektor Max Eberl beim Trainer-Casting als Frontzecks Primär-Qualität entdeckt zu haben glaubt: »Er formt die Spieler zu einer Mannschaft.« Ein Reflex auf die jüngere Vergangenheit: Dick Advocaat hatte auch einen individuell brauchbaren Kader zur Verfügung und scheiterte.

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Die erstaunliche Zahl

4 Jahre Augenschmerzen. Mönchengladbachs Präsident Rolf Königs sieht und nennt das Produkt Borussia gerne »begehrt«. Und Gott weiß warum, weist er ebenso gerne darauf hin, warum nach fünf Jahren im neuen Borussia-Park der Stadionname immer noch nicht vermarktet wurde. »Unser Partner muss zu uns passen – auch farblich.« Doch nun ist farblich offenbar alles möglich. Denn der neue Hauptsponsor ist die Postbank, was sich in gut 4,5 Millionen Euro auf dem Konto des Klubs niederschlägt. Für Farbtraditionalisten bedeutet dies allerdings eine enorme Herausforderung: Das traditionelle Grün-schwarz-weiß wird jetzt auf der Arbeitskleidung durch einen gelben Balken aufgegrellt. Die Farbe der anderen Borussia.


Das prophezeit der Lokaljournalist


»Hans Meyer hat Borussia gerettet. Zum Erneuerer taugte er nicht mehr, weil er sich zu sehr in der Rolle des Zynikers verlor. Michael Frontzeck kann auf Meyers Vorarbeit aufbauen. Seine Teams waren immer gut organisiert, jetzt durfte er erstmals individuelle Qualität einkaufen. Südamerikanische Torsucht plus Frontzecks unaufgeregte Gradlinigkeit – das sollte reichen, um Gladbach die ganz große Abstiegsangst zu ersparen.« Karsten Kellermann (Rheinische Post)


So wollen sie spielen

Frontzeck hat die Raute im Herzen. Aber er trägt sie nicht spazieren. Der gebürtige Mönchengladbacher mag es auch nicht, wenn in Zeiten des Job-Hoppings neue Spieler nach einem erzielten Tor demonstrativ aufs Klub-Emblem zeigen. Die andere Raute ist ihm ebenso lieb, aber er behält sich Variationen vor. Raute, zwei Stürmer, kampfstarkes Mittelfeld – wichtiger sind ihm die Disziplin und Kompaktheit. Auch wenn nur wenige Gegner in der letzten Saison gegen seinen alten Klub verloren haben, war es doch für alle unangenehm, gegen Arminia zu spielen. Dazu aber muss in Mönchengladbach etwas hinzukommen, wie Neuzugang Marcel Meeuwis aus der Präsidenten-Kabinenansprache ausplauderte: »Mehr Spektakel.«

Das sagt Ex-Trainer Hans Meyer

»Im Gegensatz zum letzten Jahr ist die Mannschaft noch im Frühjahr zusammengewachsen und hat sich aus einer ganz, ganz komplizierten Situation befreit. Wenn alle mitziehen, Umfeld und Trainerstab, dann könnte eine Saison gelingen, in der man sich nicht einmal ernsthaft Sorgen um den Klassenerhalt  machen muss. Schon im Winter hat Gladbach Geld in die Hand genommen, und jetzt haben Micha und Max noch mal gute Transfers gestemmt. Keiner sollte jetzt so spinnen und denken, dass wir Chelsea Paroli bieten könnten. Aber mit dieser Mannschaft wird sich das nicht wiederholen, dass man aus den ersten acht Spielen nur vier Punkte holt.«


Ist erneut mit einem Beschwerdebrief der Mannschaft zu rechnen?

Nein, die Menschenrechtler und Rösler-Kumpel sind fast alle nicht mehr da. Und Oliver Neuville hat alle Beine damit zu tun, sein Comeback für die Startelf, aus der ihn Unmensch Hans Meyer verbannt hatte, vorzubereiten.


Wer war noch mal Hans Meyer?

Der Herkules, der den Mönchengladbacher Stall ausmistete und die sensationelle Rettung schaffte. Was aber nicht so richtig wahrgenommen wurde: Eine eindeutige, fachbezogene Linie und die Wahrheit über sportliche Mängel und Defizite von Spielern sind heute nicht unbedingt kompatibel mit einem Heldenstatus.


Warum stieg Sportdirektor Max Eberl ins Lauftraining ein?

Eberl selbst sagt: »Ich wollte nur meinen fetten Leib mal etwas durch den Wald schleppen.« Drei Tage lang büßte er den Einsatz mit einem ausgewachsenen Muskelkater. Vielleicht auch deshalb schwor er dem großen Ziel endgültig ab, noch sein erstes Profi-Tor zu erzielen. »Dazu würde ich noch mehr als 100 Spiele benötigen – und die schaffe ich nicht mehr.«


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