Der Rückfalltäter

Ich mag Jürgen Rische

Unser Kolumnist Christoph Dieckmann liebt den FC Carl Zeiss Jena – und hat gewisse für Sympathien für den Braunschweiger Veteranen Jürgen Rische. Nun aber kollidierten diese beiden Gefühle. Imago
Heft #64 03 / 2007
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Deutschlands Zweitligisten kauften in der Winterpause über 40 neue Spieler. Mein FC Carl Zeiss Jena erwarb vier Verteidiger, gegen die Sturmschwäche. Schlusslicht Eintracht Braunschweig holte gar sieben auf einen Streich. Bei soviel Söldnerei greift sich der Altfan ans goldene Herz.

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Dabei kann ich Braunschweig leiden, wegen Jürgen Rische. Rische mag ich, weil er so alt ist. 1995 verhökerte ihn der VfB (Lok) Leipzig mitten in der Saison an Kaiserslautern. Risches letzte Lok-Leistung war ein Last-Minute-Treffer gegen Jena. Ich erlebte diese Untat und litt sehr. Später habe ich Rische amnestiert, aus Altersgründen und weil die Leipziger nun in der 7. Liga braten.

Kürzlich stieg in Braunschweig der Kellerkracher: Eintracht gegen Jena, da musste ich hin. Flutlicht, Schneegestöber, Eisballett. Braunschweig verballerte fünf Riesen, Jena verzichtete auf Chancen. Ach, alles war schön. Ich kauerte bibbernd zwischen buddhistischen Ur-Eintrachtlern mit Bommelmützen, auf denen »1967« oder »Löwe Hansi« stand. Mein greiser Nachbar schwärmte: »Gleich trifft Jena, dann geh ich Glühwein trinken.« Kurz vor Ultimo wechselte Braunschweig Jürgen Rische ein. Ein Querschläger prallte von Risches Huf ins Jenaer Tor. Mehr möchte ich nicht schreiben.

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Christoph Dieckmann ist Autor der Hamburger Wochenzeitung »Die Zeit«.

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