In der neuen Ausgabe: So war die WM 2014!

Endstation Sehnsucht

Die Weltmeisterschaft 2014 war eine WM der Gegensätze. Hier der Triumph der deutschen Nationalelf, dort das Drama der brasilianischen Selecao. Das Turnier ist vorbei, doch es wird Spuren hinterlassen. Tim Jürgens war die ganze Zeit vor Ort. In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE berichtet er davon. Hier lest ihr die ersten Auszüge!

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Maracanã schweigt diesmal nicht. Anders als nach dem letzten Spiel der WM 1950, als der Uruguayer Alcides Ghiggia mit seinem Siegtor die brasilianischen Gastgeber in Agonie stürzte. Augenblicke bevor Philipp Lahm der Pokal überreicht wird, ist es ohrenbetäubend laut im runderneuerten Sehnsuchtsort des Fußballs. Das rhythmische Hüpfen der deutschen Spieler wird untermalt vom hellen Kreischen zehntausender Zuschauer. Dann aber schält sich aus dem unsortierten Geschrei plötzlich der synkopische Ruf der brasilianischen Protestbewegung. »Hey Dilma, vai tomar no culo«, skandieren die Brasilianer in Richtung ihrer Präsidentin Dilma Rousseff, die neben FIFA-Boss Sepp Blatter auf der Ehrentribüne steht: »Hey Dilma, steck es dir in den Arsch!«

In diesem Moment kommen noch einmal all die politischen und sozialen Probleme zum Vorschein, die dieses Turnier seit der Vergabe begleitet haben. Nie zuvor war eine WM von derart gegensätzlichen Gefühlen begleitet: Von der Wut über den Größenwahn der Politik, der Gigantomanie, mit der das boomende Brasilien beweisen wollte, dass es die beste WM aller Zeiten ausrichten kann. Von der Fassungslosigkeit über die unstillbare Gier der FIFA. Andererseits aber auch von der großen Vorfreude auf ein Sportereignis in einem Land, das wie kein anderes für die Schönheit und Leidenschaft des Fußballs steht. Und auch deshalb die Hoffnungen der deutschen Fans nährte, nach 24 Jahren endlich wieder einen WM-Titel zu feiern. Als Philipp Lahm im Lamettaregen den Weltpokal in den Himmel reckt, weichen die Protestrufe der Begeisterung – und zumindest ein Versprechen wird eingelöst: Zumindest ein Teil der »Sommermärchen«-Generation tritt nicht ohne Titel ab.

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