Der Konflikt auf Schalke

Die kleine Gruppe

Auf Schalke brennt die Luft. Zwischen Fans und Trainer Felix Magath brodelt es gewaltig, seit Schalkes Allmächtiger den langjährigen Fanbeauftragten Rolf Rojek vor die Tür setzte. Rojeks Rauswurf ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Der Konflikt auf Schalke Die Bedeutung der Shirts, die sie da gerade übergestreift hatten, kannten sie nicht. Schalkes Spieler waren nach der Auftaktniederlage beim Hamburger SV gen Gästeblock gelaufen, um sich beim Anhang für die Unterstützung zu bedanken. Als ihnen weiße T-Shirts mit blauem Schriftzug zugeworfen wurden, streiften die Spieler sie bedenkenlos über. Nur um wenig später die Anweisung zu bekommen, das Stück Stoff auf links zu drehen.

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Der Schriftzug auf den T-Shirts lautete: »Kleine Gruppe«. Der Name jenes Zusammenschlusses der Schalker Fan-Organisationen, die in einem offenen Brief und einer Protestaktion gegen die jüngsten Entscheidungen des Vereins, unter anderem die Absetzung des Fanbeauftragten, opponierten. Von vielen wurde dies auf die Formel reduziert: Fans contra Magath.

Der hatte die Kritiker im Fanlager jüngst als »kleine Gruppe« umschrieben. Im Hamburger Stadion und im Internet solidarisierten sich einige tausend Fans mit genau dieser Gruppe und versehentlich auch die Schalker Kicker. Magath hätte wohl wenig erfreut auf die neuen T-Shirts seiner Spieler reagiert.

Fanbeauftragter kein Märtyrer

Man könnte sagen: Die Schalker Spieler sind zufällig zwischen die Fronten geraten, zwischen Fans und Verein, zwischen Fans und Magath. Viele sehen den Grund für die derzeitige Situation in der Absetzung des seit 22 Jahren im Amt tätigen Schalker Fanbeauftragten Rolf Rojek. Doch war dies nur der letzte Funke, der den öffentlichen Protest der Fans entfachte. Zwar schlossen sich erst in Folge der Absetzung Rojeks die Fans zur »Kleinen Gruppe« zusammen, es brodelte in ihnen jedoch schon länger. Rolf Rojek war in der Schalker Fanszene geachtet, aber zur Figur eines Märtyrers taugt er nicht.

Es war eine Fülle von Entscheidungen, die den Ärger der Fans anstauten. Anfang Mai wurden auf Schalke zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit die Eintrittskartenpreise erhöht, diesmal im Sitzplatzbereich. Der Schalker Fan-Club-Verband ließ damals verlauten: »Enttäuscht sind wir zudem, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. In der Vergangenheit wurden solche Entscheidungen im Vorhinein mit den Fans diskutiert.« Fehlende Kommunikation wurde angemahnt. Die Kritik verhallte durch die sportlichen Highlights, Schalke schloss die Saison auf einem überraschenden zweiten Platz ab.

Nicht ernst genommen


Im Zuge der Euphorie im Schalker Lager hielten es viele deshalb für Formsache, dass am 10. Mai die »Lex Magath« von den Mitgliedern des Clubs abgesegnet werden würde. Dabei handelte es sich um eine Satzungsänderung, die es Felix Magath erlaubt hätte, Geschäfte über 300.000 Euro ohne die Zustimmung des Aufsichtsrates durchzuführen. Doch zum einen blieb bei Schalkes Fans nach Erfahrungen mit vormaligen Alleinherrschern wie Siebert, Eichberg oder Assauer Skepsis ob des Machtausbaus einer einzelnen Person.



Zum anderen vermisste man auch das Bemühen der Verantwortlichen, die neue Klausel überhaupt vorzustellen. Rolf Rojek, damals noch Fanbeauftragter, sagte gegenüber »RevierSport«: »Es sind im Vorfeld einige Dinge gelaufen, bei denen die Fans den Eindruck hatten, nicht ernst genommen zu werden.« Die Satzungsänderung wurde abgeschmettert. Magath kochte. »Meine Arbeit wird erschwert, wir werden sehen, wer dafür die Verantwortung übernimmt«, sagte er dem »kicker« vieldeutig.

In der Folge ließ er selten Gelegenheiten aus, sein Unverständnis für die Entscheidung der Jahreshauptversammlung auszudrücken und brüskierte damit die Fans. In dem offenen Brief der Fans heißt es denn auch: »Es kann keinesfalls sein, dass demokratisch herbeigeführte Entscheidungen des obersten Beschlussorgans unseres Vereines immer wieder in Frage gestellt, mürrisch/kritisch kommentiert und Schuldige für Entscheidungen gesucht werden.«  

Spielchen um die Zukunft


Doch Magath ließ Verschwörungstheorien gedeihen und kokettierte mit Wechselabsichten. Es gab Gespräche mit dem Hamburger SV, auch das Gerücht um eine Beschäftigung bei Red Bull Leipzig ließ er lange unkommentiert. Die Spielchen um Magaths Zukunft, die er selbst durch seine Andeutungen forcierte, brachten viele Fans zu der Fragestellung: Warum jemanden mit mehr Macht ausstatten, der blitzschnell die Koffer packen kann? Ein Mann, der nicht nur bei den Spielern nahezu das komplette Personal austauschte (zudem den Ex-Dortmunder Christoph Metzelder holte), sondern auch auf der Geschäftsstelle und im Trainerstab.  

Die Umstrukturierungen griffen dann gar in die Fanarbeit. Die »blau-weiße Nacht«, ein seit 26 Jahres obligatorisches Treffen der Schalker Spieler mit den Fans im Trainingslager, wurde aus dem Verantwortungsbereich des Fan-Club-Verbands genommen, bei der Kartenverteilung soll Ähnliches angedacht worden sein.

Vollendete Tatsachen

In der letzten Woche wurde dann nicht nur die Absetzung des Fanbeauftragten Rolf Rojek, sondern auch der weiteren Fanvertreter Frank Arndt und Arthur Saager bekannt. Die aufgebrachten Fans monieren, dass bei all diesen Entscheidungen keine Kommunikation mit den Fans stattgefunden habe und die Anhänger vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Rojeks Kündigung wurde ihm per Telefon mitgeteilt.

Die Absetzung Rojeks habe »triftige Gründe« gehabt, erklärten der Aufsichtsratvorsitzende Clemens Tönnies und Felix Magath unisono. Über die genauen Hintergründe wird munter spekuliert. Es gibt auch in der Fan-Szene Stimmen, die die Absetzung Rojeks wegen dessen Doppelfunktion bei Verein und Fanverband nachvollziehen können und den Konfrontationskurs der »Kleinen Gruppe« für zu hart befinden. Fest steht aber: Es gibt viel, dass der Verein, insbesondere Magath, den Fans erklären sollte. Bisher geschah dies nicht. Dabei hätte man genau damit vermeiden können, dass die Fronten sich verhärten.   

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