Der Klub bin ich!

Felix Magath im »Aktuellen Sportstudio«

Tribunal im »Sportstudio«! Am Samstag stellte Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein Schalke-Trainer Felix Magath die Frage, die längst ganz Deutschland beschäftigt: Was plant dieser Mann? Klar wurde nur: Mit den Fans plant er nicht. Der Klub bin ich!

Wenn das »Aktuelle Sportstudio« zum Interview lädt, braucht eigentlich niemand Angst zu haben. Es ist ja auch schon ziemlich spät, die Sendung dient vielen als Einschlafhilfe, die Fragen sind weich wie Kopfkissen. Am härtesten traf es da noch Dortmunds Verteidiger Mats Hummels: Unlängst musste er etwas über das Bobby-Car sagen, mit dem er als Kind herumfuhr.

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Konfrontativer wird es selten. Wolf-Dieter Poschmann, Michael Steinbrecher und Katrin Müller-Hohenstein moderieren die Sendung ganz im Stile ihres Vorgängers Dieter Kürten: Wo andere nachhaken würden, lassen auch sie die provencalische Gelassenheit des Mannes walten, dessen Liebe zu seinen Gesprächspartnern so weit war wie seine Leinenanzüge. Man muss ja nicht alles übereinander wissen, um sich gut zu verstehen. Laissez-faire. Einfach laufen lassen. Selbst das Torwandschießen ist mit dem Boule-Spiel enger verwandt als mit dem Fußballsport.  

Felix Magath hat kein Interesse daran, irgendjemandem zu gefallen  

Doch dann kam am Samstagabend Felix Magath, Trainer des FC Schalke 04, ins »Sportstudio«. Schon vorab war klar, dass er kein Interesse daran hat, irgendjemandem zu gefallen, ebenso wenig an einem netten Plauderstündchen bei unsichtbarem Wein. Klar war auch, dass nicht er sich der ZDF-Fernsehgartenhaftigkeit der Sendung anpassen würde, sondern dass es an der Redaktion wäre, aus dem Quark zu kommen.   

Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (KMH) hatte immerhin das erkannt. Sie machte den Rücken gerade, ihr Blick flackerte schon bei der Anmoderation, mit ihrer Lederjacke wollte sie sich wohl etwas Rockig-Kämpferisches verleihen – ganz recht: Sie war die Frau, die heute die Fragen der Menschen auf der Straße stellen würde. Ali Karimi, Angelos Charisteas: Was zum Teufel? Was hat dieser Felix Magath vor? Hat er überhaupt einen Plan? Quo vadis Schalke?   

Ganz Deutschland fragt sich: Warum tut Felix Magath uns das an?  

Auch das Publikum, sonst willenlose Fleischkulisse, die nur darauf wartet, beim geringsten Anlass »Zieht den Bayern die Lederhosen aus« singen zu können, war hochkonzentriert. Ein Tribunal würde hier stattfinden: KMH, Rächerin der Fans, auf der einen, Felix Magath auf der anderen Seite. Der Mann also, dessen Transferpolitik auch Anhänger anderer Vereine inzwischen persönlich nehmen. Hier würde nicht einfach nur der Trainer des FC Schalke 04 zur Rechenschaft gezogen werden, sondern der Unhold, der in Verdacht steht, den kompletten Fußball kaputtmachen zu wollen. Und wenn wir ihn schon nicht stoppen können, dann wollen wir, bevor wir alle sterben müssen, wenigstens wissen: Warum tut er uns das an?  

Felix Magath verteidigte sich selbst  

Eine aufgeladenere Atmosphäre hat das oft so betuliche »Sportstudio« seit der Hassrunde mit Uli Hoeneß und Christoph Daum anno 1989 nicht mehr erlebt. Felix Magath, der Thilo Sarrazin des Fußballs? Gegen 23:35 Uhr setzte er sein sibyllinisches Grinsekatzengrinsen auf und verteidigte sich selbst. Sollten sie doch kommen, die Fragen. Er würde sie beantworten. Oder wenn sie ihm nicht passen, würde er sich eben selbst welche stellen (»Lassen Sie mich doch erst mal auf den Beitrag antworten, Frau Müller-Hohenstein!«).   

Es sei »alles in Ordnung« beschied der Felix Magath zu Beginn, es laufe »alles nach Plan.« Ein »Was wollt Ihr eigentlich von mir?« vekniff er sich, stattdessen schleuderte er KMH ein galliges »Im Gegensatz zu anderen Vereinen – auch zu unserem Nachbarn – ist der von mir zusammengestellte FC Schalke 04 noch in drei Wettbewerben vertreten.«

Dazu lässt sich sagen: In der Bundesliga »vertreten« ist, genau genommen, jeder der 18 Vereine, selbst wenn der Abstieg schon fest steht. Ein wenig tröstliches Faktum also. Doch Felix Magath hat offenbar irgendwo hinter seinem Grinsen eine Rechnung gespeichert, in der alles aufgehen wird. Und das Schönste: Ali Karimi und Angelos Charisteas werden darin noch nicht einmal eine Rolle gespielt haben. Er habe sie in der Hoffnung geholt, so Felix Magath, sie niemals zu brauchen.     

Felix Magath grinste, KMH rieb sich nervös die Hände  

Als er KMH im herablassenden Tonfall schließlich die Gemeinsamkeiten zwischen Karimi und einer Feuerversicherung erklärte (»Auch die schließt man ab und hofft, dass es nicht brennt«), rieb diese sich nur noch nervös die Hände an den Oberschenkeln. Sie hatte gekämpft, aber nicht gewonnen. Wie auch – gegen einen Mann, der aus einem 0:0 gegen Dortmund einen Sieg heraus zu argumentieren versteht?   

Felix Magath behielt in der von ihm vordefinierten Logik recht und war unwiderlegbar. Indes blieb die im Fußball nicht unerhebliche Frage nach der Sympathie: Ist, wer recht hat, immer auch auf der richtigen Seite?

KMHs ehrgeiziger Plan, Felix Magath in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen, hätte vorausgesetzt, dass dieser sich dort überhaupt aufhalten will. Aus seiner sagenhaften Rechnung hat er die Fans längst subtrahiert: Sie sind für ihn keine Voraussetzung für den Erfolg. Es ist für ihn irrelevant, ob sie seinen Masterplan verstehen oder eben nicht. Gefühle, Stimmung, Emotion: Für den kalten Berechner Felix Magath ist das offenbar obsoletes Geschwurbel.  

Wenn der Abend im »Sportstudio« eines gezeigt hat, dann das: Fans braucht Felix Magath nicht. Er genügt sich selbst. Nur der Erfolg kann ihm rechtgeben. Nicht KMH in ihrem Rockerjäckchen. Nicht die Fleischkulisse von Publikum. Nicht mal Schalke als Institution. Wie auch? Le club c'est moi!   

Er pflege, so Felix Magath im weiteren Verlauf des Gesprächs, zu seinen ehemaligen Vereinen kaum noch Kontakt. Und wie steht's um den Kontakt zu seinem aktuellen Verein? Am nächsten Morgen sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies im »Doppelpass« zerknirscht: »Auf Schalke muss man die Fans mitnehmen. Das hat Felix Magath versäumt.«   

Was Tönnies und KMH vergessen haben: Felix Magath ist kein Bus. Er ist Felix Magath.    


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