Der Horror-Spieltag des Alen Pasagic

Reif für den Schrottplatz

Es gibt Tage im Leben eines Fußballers, die sind schlichtweg zum Vergessen. Der Torwart Alen Pasagic erlebte am Wochenende einen solchen: Er legte sich einen lupenreinen Hattrick ins eigene Tor.

Die kennt nun wirklich jeder. Jene Tage, an denen alles schief geht, an denen sich die Welt auf wundersame Weise gegen einen verschworenen hat. Morgens vergisst man seinen Haustürschlüssel im Kühlschrank, parkt sein Auto passgenau in der Seitentür der brandneuen Luxuslimousine des Chefs und schmiert sich vor der Besprechung noch schnell ein bisschen Ketchup auf die Jeans. Nach dem Einkauf fliegt einem nach dem Bremsen ein Becher Sahne in die Lüftung und als man endlich zuhause angekommen ist, klebt da ein Zettel der Freundin an der Tür: »Mache Schluss. Bin jetzt mit dem Tauchlehrer zusammen.« Der Volksmund nennt so etwas einen gebrauchten Tag. Doch dieses Wort umschreibt nicht einmal ansatzweise, was dem slowenischen Torwart Alen Pasagic am Wochenende passiert ist.

Doch der Reihe nach: Pasagic ist 23 Jahre alt und ging eigentlich als Ersatzkeeper des slowenischen Mittelklasseklubs NK Rudar Velenje in die Saison. Vor der Spielzeit war er für 100.000 Euro vom Ligakonkurrenten NK Bela Krajina gekommen und bis zum 24. Spieltag hatte er sich mit seiner Rolle als zweiter Mann hinter dem ehemaligen Greuther-Fürth-Keeper Matjaz Rozman abgefunden. Doch dann schlug endlich seine große Stunde – er rückte vor ins erste Glied. Seine Bilanz liest sich ordentlich, in sieben Spielen kassierte er lediglich vier Tore, seine Mannschaft gewann immerhin drei Mal. Es hätte also ein versöhnlicher Saisonabschluss für Alen Pasagic sein können.

Doch dann...

Doch dann kommt der 11. Mai, dann kommt der FC Luka Koper, dann kommt der gegnerischen Angreifer Jean-Philippe Mendy und drückt beim Stand von 0:1 einen wahrlich miserablen Torschuss auf den Kasten von Keeper Pasagic. Der Ball ächzt flach in den Sechzehner, Pasagic geht in die Knie, denkt wohl schon an den Abwurf und vergisst zuzugreifen. Das sieht selten dämlich aus. Der Ball trudelt ins Tor, 0:2, ein ganzes Stadion liegt sich johlend in den Armen. 

Es ist einer der Momente, der jedem Torhüter schlaflose Nächte bereitet, auf den man wochen-, monate-, jahrelang angesprochen wird. Denn natürlich hat jemand diese Szene gefilmt. Doch damit nicht genug, denn für Pasagic nahm nun ein Nachmittag seinen Lauf, der ihn zum Gespött der Leute macht. 25. Minute, Matej Pucko schießt, Pasagic lässt den Ball abtropfen. Man erkennt, dass er nervös ist. Der Patzer von vorhin hat Spuren hinterlassen. Aber immerhin hält er. Endlich. Dumm nur, dass sein Abwurf verunglückt und über Umwege beim gegnerischen Stürmer landet. Der schiebt ein, 0:3, ein ganzes Stadion haut sich feixend auf die Schenkel. Es ist wie in einer Slapstick-Komödie. Doch eigentlich ist es ein Trauerspiel.

Slapstick oder Trauerspiel?

Jeder hätte verstanden, wenn sich Pasagic hätte auswechseln lassen. Er hätte vier Elfmeter halten können, selbst einen Abschlag im gegnerischen Torwart versenken können, die Leute hätten morgen nur über seine Fehler gesprochen. So etwas kann man als Torwart nicht wieder gutmachen. Doch er bleibt im Tor und sieht in der 44. Minute einen Freistoß von Ivica Guberac auf sein Tor fliegen. Der Ball ist butterweich geschlagen. Ein todsicheres Ding. Pasagic fängt den Ball, macht einen Schritt zurück, steht plötzlich hinter der eigenen Torlinie. Dann ertönt ein Pfiff, der Schiedsrichter zeigt zum Mittelkreis, Tor, 0:4, soeben hat sich Alen Pasegic einen lupenreinen Hattrick ins eigenen Netz gegurkt. Weltweit einmalig. Es ist kein gebrauchter Tag, es ist ein Tag für den Schrottplatz.

Stunden später steht ein Video auf Youtube. Es heißt »Worst Goalkeeper performance ever«. Es wird für immer mit dem Namen Alen Pasegic verbunden sein. Er steht jetzt in einer Reihe mit Mladen Pralija, Tomislav Piplica, Khalid Askri. Das ist in diesem Fall kein Kompliment. Das Internet vergisst nichts.



Doch für Alen Pasegic gibt es auch einen zarten Hoffnungsschimmer am Ende des beinharten Horizonts aus hämischen Kommentaren, »rofls« und »epic fails«. Der Schimmer heißt Radu Mitu. Er ist Torwart beim moldawischen Klubs Milsami Ursidos. Er hat sich am Wochenende einen Abwurf ins eigene Tor geworfen. Das sah ebenfalls ziemlich dämlich aus. Alen Pasegic kann nur hoffen, dass das Video schnell auf Youtube entdeckt wird. (Link)

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