Der harte Alltag eines Bayern-Stürmers

It’s a dirty job!

So sicher wie eine Bierdusche nach der Meisterschaft ist beim FC Bayern nur eines: Der Verkauf eines Top-Stürmers nach spätestens drei Jahren. Ganz egal, wie häufig er trifft. Gibt es eine undankbarere Position?

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Neulich gab Franz Beckenbauer ein Interview. Er kaiserte dort wie eh und je zu allen möglichen Themen, und natürlich konnte man sich an einigen Stellen herzlich amüsieren. Zum Beispiel bei seiner Antwort auf die Frage, ob Mario Mandzukic nun angesichts Lewandowskis Verpflichtung seine Koffer packen könne. »Joa, eigentlich scho«, sagte er.
 
Zunächst wunderte man sich auch, schließlich herrscht im Fußball in Sachen Personalpolitik immer höchste Diskretion. Es wird für gewöhnlich verklausuliert und gefloskelt.

Nach maximal drei Jahren ist Schluss
 
Tatsächlich weiß jeder Fußballfan, dass es genau so kommen wird, wie Beckenbauer es prophezeit, schließlich lief es nie anders beim FC Bayern. Wenn ein Stürmer verpflichtet wird, muss ein anderer Stürmer gehen. Dabei ging es nie nur um all die Schlaudraffs, Hashemians oder McInallys, sondern vor allem um Tormaschinen, Bomber, Angreifer, die mitunter auf dem Höhepunkt ihres Schaffens waren. Es ist ein ungeschriebenes Bayern-Gesetz: Nach maximal drei Jahren ist Schluss an der Säbener Straße.
 
Es gibt dafür zahlreiche Gründe. Einerseits wirken die Bayern-Großkopferten wie Museumswärter, die tagein tagaus neben einem Original von Jan Vermeer oder Vincent van Gogh stehen, doch nach ein paar Jahren wird die Kunst, so epochal sie sein mag, eben ein bisschen langweilig. Andererseits machte es manchmal auch den Anschein, als trauten die Chefs der Qualität ihrer Angreifer nicht – Torquote hin oder her. Wenn ein Stürmer am Fließband traf, suchten sie nicht selten negative Aspekte im Defensivspiel, wenn er zu wenig traf, dann fragten sie, warum er nicht mal egoistischer spiele. Zuletzt war da auch stets die bayrische Angst vor Zufriedenheit mit dem, was man hat. Denn Zufriedenheit heißt im Bayern-Kosmos vor allem eines: Stagnation.
 
Bestes Beispiel: Mario Gomez. Der klassische Strafraumbomber und eigentlich über jeden Zweifel erhaben. In 115 Spielen erzielte er sensationelle 75 Tore. Selbst in der Saison 2012/13, als er von Verletzungssorgen geplagt war und nur neun Mal in der Startelf stand, traf er elf Mal. Im DFB-Pokal-Halbfinale, im April 2013, kam er erst in der 77. Minute und machte trotzdem noch einen Hattrick. Trotzdem war nach der Saison für den 27-Jährigen Schluss. Es hieß, er passe nicht in das Konzept von Pep Guardiola, der sich eher mit einem spielenden Mittelstürmer wie Mario Mandzukic anfreunden könne.

Roy Makaay und Luca Toni
 
Roy Makaay ist ein anderes Beispiel. Seine Quote liest sich ähnlich beeindruckend: 129 Spiele, 78 Tore. Im März 2007 sagte er noch: »Ich kann mir vorstellen, beim FC Bayern meine Karriere zu beenden.« Zwei Monate später war klar, dass er gehen muss. Es war einfach kein Platz mehr im Kader für den besten Bayern-Stürmer seit Gerd Müller, denn der Rekordmeister hatte mit Miroslav Klose und Luca Toni bereits zwei neue Stürmer gekauft. Makaay verließ München in Richtung Rotterdam.
 
Und fortan bombte Toni. Auch seine Quote reicht locker, um in der Gattung Tormaschine zu firmieren: 38 Buden in 60 Spielen. In seiner ersten Saison wurde er mit 24 Treffern Torschützenkönig, zudem war er 26 Mal in seinen 46 Pflichtspielen am 1:0 beteiligt. In der zweiten Saison laborierte er lange an einer Achillessehnenverletzung, trotzdem gelangen ihm 14 Tore in 25 Spielen. Dann war Schluss, auch weil er sich mit Trainer Louis van Gaal überworfen hatte.

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