Schalke 04
So lief die Vorbereitung:
Ziemlich schalkehaft. Soll heißen: unruhig und überhitzt. Zunächst gab es Mini-Ärger um Jefferson Farfan, der wegen Problemen mit seinem Visum nicht nach Doha einreisen durfte. Dann wurde der Allerweltswechsel von Lewis Holtby zum Jahrhundertskandal hochgejazzt, schließlich kam der FC Bayern und verteilte im Testspiel fröhlich Gegentore. 5:0 hieß es am Ende. Klar, dass von der mangelnden Aussagekraft von Testspielen gefloskelt wurde. Geschmerzt haben wird die Ohrfeige der Bayern aber schon. Beziehungsweise die fünf Ohrfeigen. Andererseits: Das sind die Bayern. Die würden den Gegner derzeit wahrscheinlich auch beim Schach in zwei Zügen mattsetzen können.
Der ist neu:
Ex-Herthaner Raffael. Nach dem Ausfall von Ibrahim Affelay und dem etwaigen Abgang von Lewis Holtby bestand Bedarf im offensiven Mittelfeld. Außerdem musste endlich jemand Jiri Nemecs Erbe als am schlechtesten frisierter Schalkespieler aller Zeiten antreten. Das zumindest scheint gelungen. Ob der manchmal launische Raffael eine echte Verstärkung sein kann oder ob ihm das aus Berliner Zeiten bekannte Phlegma aus Kiew hinterhergereist ist, wird sich zeigen.
So läuft die Rückrunde:
Ziemlich schalkehaft. Soll heißen: Die Knappen starten gut und beißen sich hinter den Bayern auf dem zweiten Platz fest. Die Fans halten Pappmeisterschalen hoch, für den Sommer werden bereits Millionentransfers getätigt, ein Investor namens Schechter kann an Land gezogen werden. Aber im Erfolg macht man bekanntlich die größten Fehler. Die auf den letzten Drücker verpflichteten Rafinha, Zé Roberto II, Lincoln, Rivaldo und Carlos Großmüller bilden mit Raffael und Sensationstransfer Michel Bastos zunächst eine südamerikanische Joga-Bonito-Truppe, die die Konkurrenz an die Wand der Veltins-Arena zaubert, dann aber sensationell einbricht. Von Samba-Partys ist die Rede und von zu viel Caipirinha, kesselweise Feijoada und Streifzügen durchs berüchtigte Gelsenkirchener Nachtleben. Nach null Punkten aus neun Spielen muss Jens Keller gehen, er übernimmt gemeinsam mit Markus Babbel den VfB Stuttgart. Interimstrainer auf Schalke wird ein alter Bekannter: Huub Stevens, klar.
FSV Mainz 05
So lief die Vorbereitung:
Im sonnigen Marbella legten die Mainzer den Grundstein für die Rückrunde. Berichten zufolge musste der ein oder andere Spieler per Abendschule das Abi nachholen, um an Thomas Tuchels komplexen Trainingseinheiten überhaupt teilnehmen zu können. Aber was unken wir hier unwissend rum: Tuchel hat ja alles richtig gemacht. Platz Sechs mit Mainz ist eine mittelschwere Sensation. Einziger Aufreger im Trainingslager war der Wechsel von Jan Kirchhoff zu den Bayern ab der nächsten Saison. Ob das den jungen Kirchhoff beschäftigen und seine Leistung beeinflussen wird, bleibt dahingestellt. Ist aber auch nicht wichtig, Tuchel rotiert ihn ja ohnehin verlässlich aus der Startelf.
Der ist neu:
Auf dem Transfermarkt hielten sich die Mainzer vornehm zurück. Man halte die Augen offen, so Manager Heidel. Bevorzugt im Offensiv-Bereich würden die Mainzer gerne nachlegen. Allerdings nur, wenn sich eine Option auftut, die mehr ist als eine Verlegenheitslösung für die Rückrunde ist und eine Investition über den Sommer hinaus darstellt. Was macht eigentlich Mohamed Zidan? Oder Michael Thurk?
So verläuft die Rückrunde:
Mainz stürmt weiter durch die Liga und bald ist erneut von den Bruchweg-Boys die Rede. Beziehungsweise von den Bruchweg-Brains, denn durch Tuchels eigens erfundenes Kogni-Mental-Schläfenlappen-Reaktions-Training entwickeln sich die Mainzer Spieler zu fußballerischen Genies, die Spielsituationen fünfmal so schnell wahrnehmen wie der Gegner. Auch die beiden Last-Minute-Transfers Mohamed Zidan und Michael Thurk, laut Heidel »mehr als Verlegenheitslösungen und Investitionen über den Sommer hinaus«, schlagen ein und kommen zusammen auf gute 42 Rückrundentreffer. Das reicht insgesamt für einen starken fünften Platz sowie die Regionalmeisterschaft im Rubick's Cube, Platz 3 bei »Der klügste Deutsche« und den ein oder anderen Erdrutschsieg in der Mainzer Kneipenquiz-Szene.
»Eurobbabogaaaaaal«
SC Freiburg
So lief die Vorbereitung:
Die Freiburger residierten im spanischen Rota, Cheftrainer Streich hatte laut »Bild« »viel gute Laune« im Gepäck. Klingt spaßig. Dem Vernehmen nach wurde viel gesungen und gelacht, Karaokeabende waren ebenso an der Tagesordnung wie Spontanpolonaisen im Speisesaal. Schmarrn. Grund zu feiern hätten die Breisgauer aber allemal. Die Hinrunde verlief zum Augenreiben gut, Freiburg überwinterte auf Platz fünf. Das ist erstaunlich für einen Verein, der alle Jahre wieder zu den Abstiegskandidaten gezählt wird. Im Trainingslager setzte Cheftrainer Streich auf kurze, intensive Trainingseinheiten, was in den Testspielen direkt Früchte trug. Drittligist CD San Fernando wurde mit 6:1 besiegt, während Deportivo Xeres gar mit 8:1 abgewatscht wurde.
Der ist neu:
Noch gibt es keinen Neuzugang und es ist auch unklar, ob noch einer kommt. Laut Streich müsse man erst Spieler abgeben, bevor neue verpflichtet werden könnten. Garra Dembélé und Beg Ferati sind freigestellt und sollen sich einen neuen Verein suchen.
So verläuft die Rückrunde:
Nach den überzeugenden Testspielsiegen gehen die Freiburger bis zur Arroganz selbstbewusst ins erste Spiel. Zu Recht, wie sich herausstellt, denn die Breisgauer Tormaschine läuft und läuft und läuft. Reihenweise bekommen die Konkurrenten im Dreisamstadion auf den Sack, 4:0, 5:0, 4:1, 6:1, lauten die Ergebnisse, die ihren Höhepunkt in einem denkwürdigen 9:8 gegen Bayern München finden. Pep Guardiola, der das Spektakel von der Tribüne aus verfolgt, löst noch im VIP-Bereich seinen Vorvertrag mit den Bayern auf, um unter dem großen Christian Streich hospitieren und lernen zu dürfen. Dumm nur, dass dieser parallel bei den Bayern unterschreibt. Guardiola übernimmt wegen der Sprachbarriere zunächst die zweite Mannschaft der Freiburger und hält in der Regionalliga Süd überraschend die Klasse, während Cheftrainer Marcus Sorg gemeinsam mit Co-Trainer Michael Oenning 13 Punkte Vorsprung auf die Bayern in fünf verbleibenden Partien verspielt und der SC Freiburg auf einem enttäuschenden zweiten Rang landet.
Eintracht Frankfurt
So lief die Vorbereitung:
Wer eine derart überraschend gute Hinserie spielt, der darf sich auch mal was gönnen. Dachten sich die Frankfurter und flogen zum Trainingslager nach Abu Dhabi, um im einstmals teuersten Hotel der Welt zu residieren. Das Emirates Palace hat etwa eine Milliarde Euro gekostet und damit in etwa so viel, wie Stürmer Srdjan Lakic, den Frankfurt gerne haben würde, im Jahr bei Wolfsburg verdient. Die neue alte Frankfurter Großmannssucht? Wir werden sehen. Dauerthema im Trainingslager waren die Gerüchte um ein angebliches Interesse des FC Bayern an Sebastian Jung und Sebastian Rode, einem Wechsel schob die Frankfurter Führungsriege aber direkt einen Riegel vor. Die Testspiele gegen Borussia Mönchengladbach und Al Jazira wurden beide verloren, an der guten Stimmung konnte das aber nichts ändern. Warum auch, absteigen kann man nach so einer tollen Hinrunde nicht mehr. *Hust*... 2011...*Hust*
Der ist neu:
Aus Wolfsburg kam Marco Russ zurück. Der Innenverteidiger spielte eine halbe Ewigkeit bei den Hessen, ging aber nach dem Abstieg 2011 nach Wolfsburg, um sich von Felix Magath auf die Tribüne setzen zu lassen. Jetzt ist der verlorene Sohn wieder da und hinterließ in den Testspielen einen äußerst wackeligen Eindruck.
So verläuft die Rückrunde:
Um die ganz große Sensation zu schaffen, wird die Eintracht nochmal auf dem Transfermarkt tätig. Für die Liberoposition kommt Ciriaco Sforza, Andy Brehme soll das Mittelfeld entlasten. Da Lakic nicht aus Wolfsburg losgeeist werden kann und auch die Vetragsverhandlungen mit Ioannis Amanatidis sowie Tony Yeboah scheitern, wird Olaf Marschall verpflichtet, der den Frankfurtern direkt einen lukrativen Deal mit einem neuen Hauptsponsor vermittelt: Sensiderm Nasenpflaser. Zudem kommt Otto Rehhagel, um an der Seite von Armin Veh seine Erfahrung im Kampf um den Titel einzubringen. Mit den alten Recken auf dem Platz, die die jungen Wilden der Eintracht vorbildlich führen, geht der Höhenflug weiter. Zur Meisterschaft reicht es allerdings nicht, da am letzten Spieltag gegen den bereits abgestiegenen Tabellenletzten aus Augsburg überraschend 1:2 verloren wird. Im Spiel, das aus organisatorischen Gründen im Rostocker Ostseestadion stattfinden muss, bekommt der ebenfalls reaktivierte Ralf Weber den klarsten Elfmeter der Fußballgeschichte verweigert und isst anschließend eine Fernsehkamera auf. Ist aber auch egal, der Aufsteiger spielt Champions League, »Eurobbabogaaaal, Eurobbabogaaal« wird die offizielle Hymne des Landes Hessen und Armin Veh bekommt einen Vertrag auf Lebenszeit.