HSV
So lief die Vorbereitung:
Soweit ganz cremig, wären da nicht die Schlagzeilen um das Ehe-Aus des Erlösers Rafael van der Vaart gewesen. Doch im Trainingslager in Abu Dhabi konnte der frisch gebackene Junggeselle etwas Gras über die Sache wachsen lassen, erst als er sich auch noch verletzte, zog der Boulevard Psychologen zurate, um den Zusammenhang von Wehwechen im Körper und am Herzen zu erörtern. Soll heißen: Im ersten Teil des Jahres ging es beim HSV mal wieder nicht nur um Fußball. Der Rest der Mannschaft schien sich im Schlagschatten der großen Schlagzeilen allerdings ganz ordentlich auf die Rückrunde vorbereiten zu können. In vier Testspielen gab es drei Siege und ein Unentschieden – das dummerweise gegen den Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach (2:2). Jetzt hofft ganz Hamburg auf das Comeback Van der Vaarts. Zumindest in der Liebe scheint das bereits geklappt zu haben, heute verkündete seine Noch-Ehefrau Sylvie in der Regenbogenpresse: »Wir wollen es wieder miteinander versuchen.« Fußball ist eben ein Tagesgeschäft.
Der ist neu:
Die Ruhe. Ja, tatsächlich. Beim HSV scheint derzeit wirklich nichts Aufregendes im Kader zu passieren. Sieht man einmal vom Rafael van der Vaart ab, blieben alle braver als ein Knabenchor. Keine Prügeleien, keine heimlichen Saufgelage, keine öffentlichen Anfeindugen, keine unzufriedenen Spieler, nichts, nichts, nichts. Wird der HSV etwa langweilig? Wir hoffen nicht!
So läuft die Rückrunde:
In der Rückrunde zeigt der HSV, was das alte Sprichtwort von der »Ruhe vor dem Sturm« tatsächlich bedeutet. Als die Fans auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung doch noch den Aufsichtsrat übernehmen, stielen sie als erste Amtshandlung die millionenschwere Rückholaktion von zwei alten Helden ein: Tony Yeboah schlägt ein wie eine Bombe und trifft in den ersten sechs Spielen fabelhafte neun Mal, Spielmacher Thomas von Heesen bleibt allerdings alle in ihn gesetzten Hoffnungen schuldig und wird in die zweite Mannschaft abgeschoben. Rafael van der Vaart, der nach einer Verletzung am Lachmuskel erst einmal für von Heesen das Feld räumen musste, kehrt mit neun Kilo Übergewicht in die Mannschaft zurück. Sein Umzug in eine sechs Mann WG im Schanzenviertel wird darauf von der Vereinsführung öffentlich angeprangert. Van der Vaart ist empört und gibt seinen Wechsel zum FC Valencia bekannt. Als der HSV in die Abstiegsränge rutscht lässt sich Trainer Thorsten Fink beim Facharzt Dr. Mang ein neues Siegergen implantieren. Von da an geht es bergauf, der HSV beendet die Saison als 13. Glückwunsch!
Hannover 96
So lief die Vorbereitung:
Laut Cheftrainer Mirko Slomka »außerordentlich positiv«. So so. Wo Slomka während der 1:2-Niederlage gegen den übermächtigen FC Utrecht war, ist nicht überliefert. Im neuntägigen Trainigslager im portugiesischen Santo Antonio konnte allerdings auch ein Blitzturnier gewonnen werden, bei dem man Bayer Leverkusen und den SC Heerenveen besiegte. Ein absoluter Aufreger war sicherlich die Not-Operation von Christian Schulz. Der hatte über Bauchschmerzen geklagt, die sich als akute Blinddarmentzündung entpuppten. 96-Doc Axel Partenheimer reagierte geistesgegenwärtig und operierte Schulz noch währen des Mittagessens, nur mit Suppenlöffel, Steakmesser und Korkenzieher. Kleiner Scherz, ha ha. Aber Partenheimer packte Schulz ins Auto und brachte ihn ins 40 Kilometer entfernte Krankenhaus in Faro, wo Schulz tatsächlich operiert wurde. Abenteuerlich.
Der ist neu:
Pawel Wszolek. Halt, doch nicht. Oder doch? Nein. Wir wissen es nicht. Denn der polnische Mittelfeldmann von Polonia Warschau war sich mit den Roten aus Hannover eigentlich schon einig, kam dann allerdings nicht zum vereinbarten Medizincheck. Also krempelte Manager Jörg Schmadtke kurzentschlossen die Ärmel hoch, jettete nach Polen und kam mit einem unterschriebenen Vertrag wieder. Alles muss man selber machen. Genützt hat das aber auch nichts, denn auch den zweiten Medizincheck-Termin hat Wszoleck verstreichen lassen. Es scheint, als wolle er partout nicht zu 96 wechseln. Oder vielleicht doch? Schmadtke hat das ganze Theater jetzt beendet und dem Transfer den Riegel vorgeschoben. »Wir wollen den Spieler nicht mehr«, ließ er patzig verlauten. Wszoleck wird erleichtert sein.
So läuft die Rückrunde:
Ähnlich graumäusig wie die Hinrunde. Sergio Pinto da Silva hängt noch ein Arantes do Nascimento an seinen Namen, in der Hoffnung, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. Während Hannovers zahllose Stürmer sich gegenseitig auf den Füßen stehen, sorgt in der polnischen Extraklasa ein unbekannter Außenbahnspieler namens Wszoleck für Furore und knipst Außenseiter Polonia Warschau mit sensationellen 42 Rückrundentoren zur Meisterschaft.
Stuttgart, Gladbach
Borussia Mönchengladbach
So lief die Vorbereitung:
Borussia Mönchengladbach macht neuerdings gerne auf Ligaprimus: Teure Neuzugänge zu Saisonbeginn (12 Millionen für Luuk de Jong), eigentlich aussortierte Bankdrücker mutieren über Nacht zu überlebensgroßen Nationalmannschaftsanwärtern (Mike Hanke) und in jedem Spiel fällt mindestens ein Traumtor (»Arangoooooal!«). Diesen gewachsenen Ansprüchen darf das Trainingslager natürlich in nichts nachstehen: Im Stile bajuwarischer Großmachtansprüche war Gladbach mal eben in »fancy« Dubai. Tourismus-Werbetext von Dubai: »Welcome to Superlativ City and Boomtown!« Genau der richtige Ort für eine Superlativ-Mannschaft wie Gladbach. Eine kleine Partie Tennis mit Roger Federer auf dem Wolkenkratzerdach durfte da nicht fehlen.
Der ist neu:
Nur auf dem Transfermarkt blieb Gladbach eher bescheiden. Lediglich ein 22 Jahre alter No-Name-Kicker aus den Tiefen der Regionalliga West fand in der Winterpause seinen Weg zu den Fohlen. Sein Name: Sven Michel. Seine Empfehlungen: 14 Tore für die Sportfreunde Siegen. Immerhin. Nasenschwalbe Igor de Camargo (14 Spiele, zwei Tore) sollte vielleicht doch erwägen, vor dem Restwinter wie alle Zugvögel gen Süden zu fliegen. Ansonsten war wenig los auf dem Bökelberg: Harvard Nordveidt hat bis 2015 verlängert und Mike Hanke will verlängern. Tja, wenn das schon eine Nachricht ist.
So läuft die Rückrunde:
11FREUNDE liegen exklusiv die Flipchart-Unterlagen von Lucien Favres Plan für die Rückrunde vor. Das Geheimrezept des Schweizer Trainerfuchs: Freistöße rausholen, egal aus welcher Position. Der Schlüssel zu diesem taktischen Verwirrspiel: der linke Fuß eines Venezolaners. Dessen Besitzer, Juan Arango, soll in der Rückrunde jeden Freistoß auf das gegnerische Tor bolzen. Das Ergebnis der Taktik vom Reißbrett: Gladbach qualifiziert sich für die Europa League, Arango kommt auf 38 Saisontreffer und Igor de Camargo sagt seinen (Vogel-)Flug in südliche Gefilde kurzfristig ab, als er hört, dass seine Schlüsselqualifikation (Freistöße schinden) plötzlich wieder gefragt ist.
VfB Stuttgart
So lief die Vorbereitung:
Auch die Schwaben machten den beliebtesten türkischen Ort der Bundesliga, Belek, unsicher. Kapitän Serdar Tasci fungierte im Lager nicht nur als Seelentröster, sondern auch gleich als Übersetzer. Seit Ende des Lagers kämpft der Kapitän allerdings mit Achillessehnen-Problemen, sollte aber zum Rückrundenauftakt wieder einsatzbereit sein. Das Testspiel gegen den niederländischen Verein RKC Waalwijk endete mit einem Remis (1:1). Shinji Okazaki unterstrich wiederum seine Torqualität. Am meisten freuten sich die Spieler über die spaßigste regenerative Trainingseinheit des Winters: Wasserball.
Aufgrund einer Windpocken-Erkrankung war Tim Hoogland nicht in die Türkei geflogen. Der Verteidiger war nach seiner Krankheit kaum wiederzuerkennen, denn Hoogland ließ sich einen Vollbart stehen – weil das Rasieren mit Windpocken unmöglich war. Aua.
Der ist neu:
Hier gilt: Neu ist alt und alt ist neu. Gotoku Sakai hat verlängert und Benedikt Röcker aus der zweiten Mannschaft erhielt einen Lizenzspielervertrag. Zudem bleiben Georg Niedermeier, Christian Gentner, Tamas Hajnal, Andreas Menger und Christos Papadopoulos dem VfB erhalten. Auch Bruno Labbadia steht kurz vor einem neuen Kontrakt bis 2015. Nur ums Geld soll noch verhandelt werden. Derweil buhlt Manager Bobic um eine kolumbianische Torschlange. Was immer das auch ist.
So läuft die Rückrunde:
Bruno Labbadia wird von seiner Mannschaft so enttäuscht sein, dass er in einer Pressekonferenz ausrastet: »Die waren schwach, wie eine Flasche leer!« Diese Äußerung wird dem Team neuen Ansporn geben und bis Ende Saison beisst sich Stuttgart in der oberen Tabellenhälfte fest.