07.01.2013

Der Fußball und sein Rassismus-Problem

Chronik der Schande

Seite 2/3: Arschlöcher und Bananen
Bild:
Imago

20. März 2012 / Lokomotive Moskau
Christopher Samba, einst Profi bei Hertha BSC, wird im Ligaspiel seines Klubs Anschi Machatschkala gegen Lokomotive Moskau von einem VIP-Besucher mit einer Banane beworfen. Kommentar aus Moskau: »Bei uns ist nichts passiert. Unsere Fans haben sich vorbildlich verhalten.«

10. Mai 2012 / Jan Tomaszewski
»Ich will nicht, dass Franzosen und Deutsche das polnische Trikot tragen, die bereits für diese Länder gespielt haben, es nicht ins A-Team geschafft haben und jetzt die Plätze unseren wahren Polen wegnehmen«, mosert im Vorfeld der EM 2012 Polens Ex-Nationaltorhüter Jan Tomaszewski und fängt sich dafür sogleich einen Rüffel von Polens Antirassismus-Experte Rafal Pankowski ein: »Leider werden die negativen Äußerungen von Tomaszewski mit einer nationalistischen, polnischen Identität in Verbindung gebracht, die hoffentlich einmal verschwindet.«

8. Juni 2012 / Ukraine
Beim ersten öffentlichen Training des holländischen EM-Kaders kommt es zu rassistischen Verunglimpfungen am Seitenrand. Kapitän Mark van Bommel bestätigt gegenüber holländischen Medien die Vorfälle: »Wir haben alle die Affenlaute gehört. Wenn so etwas während des Turniers passiert, werden wir sofort zum Schiedsrichter gehen und ihn bitten, einzuschreiten.« Kommentar von Ukraines Ministerpräsident Mykola Asarow: »In der Ukraine gibt es keinen Rassismus.« Einen Tag später wird Tschechiens Nationalspieler Theodor Gebre Selassie während des Gruppenspiels gegen Russland mit Affenlauten beleidigt. Die UEFA verurteilt den russischen Verband zu einer Zahlung von 120.000 Euro und einem Punktabzug von sechs Zählern für die EM-Qualifikation 2016.

16. Juni 2012 / Kroatien
Im Gruppenspiel zwischen Kroatien und Italien werfen kroatische Fans mit Bananen nach Mario Balotelli, Beobachter der FARE (Football Against Racism in Europe) bestätigen zudem einzelne Affenlaute im kroatischen Block. UEFA-Präsident Michel Platini bezeichnet die Rassisten daraufhin in einem Interview als »Arschlöcher«, seine Disziplinarkommission verhängt eine Strafe von 80.000 Euro gegen den kroatischen Verband.

27. Juni 2012 / Gazzetta dello Sport
Nach der Veröffentlichung einer Karikatur, die Italiens Stürmer Mario Balotelli als King Kong auf dem Londoner Big Ben zeigt, entschuldigt sich die »Gazzetta dello Sport« bei ihren Lesern: »Wir können ehrlich zugeben, dass es nicht einer der besten Einfälle unserer großartigen Karikaturisten gewesen ist. Wenn sich jemand dadurch beleidigt fühlt, entschuldigen wir uns. Das Blatt hat immer gegen Rassismus in den Stadien und Affenlaute gegen Balotelli gekämpft.«

13. Juli 2012 / John Terry
Die Staatsanwaltschaft spricht John Terry von der Anklage, er habe seinen Gegenspieler Anton Ferdinand rassistisch beleidigt, frei.

27. Juli 2012 / John Terry
Trotz des Freispruches durch ein ordentliches Gericht, erhebt der englische Fußball-Verband FA Anklage gegen John Terry wegen rassistischer Äußerungen: »Es besteht der Verdacht, dass der Chelsea-Spieler am 23. Oktober 2011 gegenüber Anton Ferdinand beleidigende Worte bezüglich seiner Hautfarbe benutzte.«

21. August 2012 / Chemnitzer FC
Dresdens Spieler Mickaël Poté wird beim Pokalspiel gegen dem Chemnitzer FC mit Affenlauten verunglimpft. Poté reagiert mit hämischem Applaus und einer Affengeste. »Das war des deutschen Fußballs unwürdig«, kommentiert Dynamo-Präsident Andreas Ritter den Vorfall. Weil Chemnitzer Fans zudem Rauchbomben gezündet hatten, wird der Verein zu einer Strafzahlung von 25.000 Euro verdonnert.

2. September 2012 / FC Sochaux
Fans des französischen Erstligisten FC Sochaux beschimpfen ihren Spieler, den Algerier Ryad Boudebouz, während des Spiels gegen den HSC Montpellier. »Ich kann verstehen«, schreibt Boudebouz anschließend auf seinem Twitter-Account, »dass einige Fans mit meiner Leistung nicht zufrieden waren. Aber mit Sprüchen wie ›hau ab‹ oder ›dreckiger Araber‹ bin ich nicht einverstanden.«

 
 
 
 
 
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