28.06.2012

Der Fußball, die Ukraine und ich (16)

Auf der Suche nach Ailton

Ailton hat in nahezu jedem Land der Welt gespielt. Irgendwann soll er auch mal in Donezk gewesen sein. Andreas Bock, unser Mann in der Ukraine, hat sich auf Spurensuche begeben.

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In Donezk gibt es eine Sergei-Bubka-Statue, einen 350 Meter hohen TV-Sendemast und ein Delphinarium. Das war’s. Nein, ach, es gibt noch eine Straße, die führt von Norden nach Süden und heißt Artema. Man kann allerhand auf ihr machen. Zum Beispiel sie von Norden nach Süden abgehen und dann wieder umdrehen.

Auf der Artema-Straße gibt es zahlreiche Volunteers. Das sind diese außerordentlich netten und zuvorkommenden jungen Menschen, die an nahezu jeder Bus- oder Metrostation auf EM-Touristen warten, um ihnen zu verraten, wie man zum Stadion oder zur Fanzone kommt, auch wenn man dort gar nicht hin will. Sie tragen türkisfarbene T-Shirts – und sprechen manchmal sogar englisch.

Heute musste ich ihre Hilfe in Anspruch nehmen, denn ich wollte zum Stadion von Metalurh Donezk. Irgendwann, vor vier oder fünf Jahren, soll Ailton dort gespielt haben. Ich fragte einen Türkis-Volunteer nach dem Weg. Der Vounteer antwortete nicht, sondern faltete einen der Pläne aus, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Dann ging er mit dem Finger den Index eines Planes ab. Sekunden vergingen. Minuten. Irgendwann entdeckte ich auf der Karte das Symbol eines Stadions. Ich zeigte mit dem Finger drauf und fragte: »This? Metalurh? Stadium?« Er schaute mich glücklich an und sagte: »Da!« Also ging ich los.

Keine Volunteers in der Provinz

Es folgte eine Stunde Fußmarsch, die meiste Zeit ging es bergauf. Als ich beim Stadion ankam, stand dort nicht »Metalurh« am Eingang, sondern »Smolyanka«. Am Eingang stand auch kein Volunteer, sondern ein Bauarbeiter. Er schaute mich nicht glücklich an. Ich setzte mich auf die kleine Tribüne und sah ihm dabei zu, wie er Steine zur Einfahrt schleppte. Ich war beim dritten Donezker Verein gelandet.

Also wieder eine Stunde in die andere Richtung. Immerhin hat Donezk auch abseits der Artema allerhand zu bieten. Ich kam etwa an einer Tankstelle vorbei, danach an einem schlafenden Hund, schließlich an einem Möbelhaus. Momentan im Angebot: Schwarze Speckledersofas für 13.000 Griwna. Schließlich erreichte ich das Stadion. Daneben ein Bäcker, ein Fleischer, ein Kiosk. Sonst: Wohnblocks (groß). Sonst: Asphalt (rissig). Sonst: Straßenhunde (lebend). Bezeichnend.

Ailton? Schulterzucken.

 
 
 
 
 
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