18.06.2012

Der Fußball, die Ukraine und ich (10)

Wo geht’s hier bitte zum Oktoberfest?

Das Deutschland-Dänemark-Spiel wollte 11FREUNDE-Redakteur Andreas Bock in Oktoberfestatmosphäre verbringen. Er fand den »Biergarten«, einen Pub, der dem Michael Ammer der Ukraine gehört. Es klang vielversprechend.

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Imago

Eric Aigner ist der Partykönig der Ukraine. Ihm gehören Pubs, Restaurants, Jazz-Bars, Nachtclubs, das komplette Programm. Eine Mischung aus Dieter Bohlen und Michael Ammer – nur ohne Haare. Früher hat er ein paar Mal Probleme mit der Mafia bekommen, später mit seinen Geschäftspartnern. Das liegt daran, dass er Verträge nur per Handschlag macht.

Aigner kam Mitte der Neunziger nach Kiew und fing klein an: Ein kleines Pizza-Restaurant. Danach kam der Biergarten, »Eric’s Biergarten«, spartanische Einrichtung, improvisiertes Programm, neben der Holzwand soll jemand mit Filzstift »Eric« gemalt. Danach ging es steil bergauf. Es ist die alte Geschichte: Vom Tellerwäscher zum Millionär. Oder so ähnlich. Später einmal wurde er von der »Kiew Post« in der Liste der einflussreichsten Kiewer auf Platz 18 gewählt.

Löwenbräu ist universal

Da dirigierte er schon das halbe Kiewer Nachtleben. 18 Läden gehörten ihm zwischenzeitlich. Er vereinte sie alle unter dem Banner »Eric’s Family«, den »Musikclub 112«, das »Schnitzelhaus« oder das »Pex«. »Viola’s Biergarten« gehörte auch dazu, der Pub seiner Ex-Frau. Nachdem Eric Aigner sich von ihr trennte, ging er nach Odessa und Donezk, Geschäfte, neue Clubs, neue Partys. Viele seiner Schuppen gibt es immer noch. Manche heißen nun anders. Aus »Eric’s Biergarten« wurde irgendwann »Biergarten«.

An den Fenstern haben sie hier die Flaggen der Teilnehmerländer aufgehängt, hinter der Theke servieren Kellnerinnen Löwenbräu. Sie sprechen kein bayrisch, kein deutsch, nicht mal englisch. Müssen sie auch nicht. »Löwenbräu« ist universal. Gleich beginnt das Spiel Deutschland gegen Dänemark.

Aigner besitzt um die Ecke einen Jazzclub, der heißt »44 Art Club«, und der ist ziemlich großartig. Während auf verschiedenen Breitbildschirmen Fußball läuft, spielt auf der Bühne eine Band. Hinter der Theke hängen Bilder von Jim Morisson, Kurt Cobain und Jimmy Hendrix. Hier sitzen Rastafarians neben Männern mit sehr dicken Brillen und Büchern von Albert Camus in der Ledertasche.

Keine Lederhosen

 
 
 
 
 
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