Der finnische Klub ROPS im Bann der Wettmafia
27.06.2011

Der finnische Klub ROPS im Bann der Wettmafia

Die Betrogenen vom Polarkreis

Ein Wettskandal erschüttert derzeit die Fußballwelt. Bereits 2011 war unser Redaktor einem Skandal auf der Spur: Der finnische Klub Rovaniemen Palloseura wurde drei Mal von der internationalen Wettmafia unterwandert. Ein Schicksal, das zeigt, wie klein die Fußballwelt geworden ist – und wie böse. Wir haben uns auf die Reise nach Lappland begeben.

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Harri Palviranta für 11FREUNDE

Über Jahre hinweg soll Perumal etwa Partien der Nationalmannschaft von Simbabwe verschoben haben. Der jeweilige Gewinn: bis zu 500.000 Euro. Er nutzte dabei das Chaos in dem von der Mugabe-Diktatur zerrütteten Land und schmierte systematisch Verbandsoffizielle. Das von ihm unterwanderte Team bot er sogar anderen Verbänden als Testspielgegner an. Dass die Niederlage, auf die er jeweils wettete, auch eintrat, war äußerst wahrscheinlich. Zuletzt war er im Begriff gewesen, in Malawi ein ähnliches Netzwerk der Korruption aufzubauen wie schon in Simbabwe. Doch Perumal verschob Partien nicht nur, er inszenierte sie sogar komplett nach seinen Wünschen. Seine Eventfirma mit Sitz in Singapur heißt zwar »Football for U«, doch wer dort bestellte, bekam einen schlechten Witz geliefert. So trat im September vergangenen Jahres in einem von seiner Firma organisierten Freundschaftsspiel Bahrain gegen Togo an, besser gesagt: gegen irgendein Togo. Denn mit dem dortigen Verband und der Nationalmannschaft hatte diese Truppe nichts zu tun. »Football for U« hatte ein gutes Dutzend togolesische Hobbykicker zusammengetrommelt. »Ich dachte, die halten nicht mal 90 Minuten durch«, sagt der Österreicher Josef Hickersberger, damals Auswahltrainer am Persischen Golf. Das Spiel endete 3:0 und wäre bestimmt noch höher ausgegangen, wenn die Bahrainer sich nicht veralbert vorgekommen wären und die Anstrengungen alsbald eingestellt hätten.

Da im Juli 2010 ein internationaler Haftbefehl gegen Perumal erlassen worden war, befand er sich zum Zeitpunkt des Fantasiematches von Bahrain schon auf der Flucht. Womöglich hat er auch das als Teil seines Spiels betrachtet. »Seine Einstellung war stets: Die kriegen mich nicht, ich bin schneller«, sagte ein Bekannter Perumals der in Simbabwe erscheinenden Zeitung »The Herald«. »Er hält sich wohl für eine Art Dr. Kimble.« Selbst aus dem Untergrund gab er über ein in San Salvador gemeldetes Mobiltelefon Interviews und prahlte mit dem Coup, den er in Bahrain gelandet hatte.

Das kam in der Szene nicht sonderlich gut an, das Geschäft ist schließlich auf Diskretion angewiesen. Vielleicht kam der entscheidende Hinweis, der zu seiner Verhaftung führte, also aus den Tiefen des Wettmilieus. Oder die Ermittlungsbehörden waren schlau genug, Perumals digitale Spur zu verfolgen. Zuletzt lud er ein Foto hoch, das ihn in Rovaniemi zeigt. Beide Daumen hoch erhoben, posiert er neben dem ortsansässigen Weihnachtsmann.

Wie viele Spiele er bei ROPS tatsächlich manipulieren ließ, wird erst das Verfahren erweisen, das ihm in den kommenden Monaten in Helsinki gemacht wird. Unter Verdacht stehen zunächst alle Auswärtsspiele des Teams sowie einige Partien der Vereine AC Oulu und Tampere United. Letzteren will der finnische Verband aus der Liga ausschließen, weil dort sogar die Offiziellen 300.000 Euro Schmiergeld von Perumal angenommen haben sollen. Parallel zum Prozess von Helsinki ermittelt die FIFA derzeit gegen Anthony Raj Santia, einen Landsmann Perumals, zu dem dieser angeblich engen Kontakt pflegt. Santia hat im Februar 2011 über seine Agentur »Footy Sport International« zwei Länderspiele im türkischen Antalya organisiert: Bolivien gegen Lettland und Estland gegen Bulgarien – auf der bulgarischen Trainerbank saß übrigens kein Geringerer als Lothar Matthäus. Beide Spiele fanden quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, alle sieben Tore fielen durch Elfmeter, einer wurde gar wiederholt. Wetteinsatz allein bei der Partie der Bulgaren: fünf Millionen Euro. Gewinn: ein Vielfaches.

 
 
 
 
 
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