Der finnische Klub ROPS im Bann der Wettmafia
27.06.2011

Der finnische Klub ROPS im Bann der Wettmafia

Die Betrogenen vom Polarkreis

Ein Wettskandal erschüttert derzeit die Fußballwelt. Bereits 2011 war unser Redaktor einem Skandal auf der Spur: Der finnische Klub Rovaniemen Palloseura wurde drei Mal von der internationalen Wettmafia unterwandert. Ein Schicksal, das zeigt, wie klein die Fußballwelt geworden ist – und wie böse. Wir haben uns auf die Reise nach Lappland begeben.

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Harri Palviranta für 11FREUNDE

Dass derart inkriminierte Spieler und ihre Hintermänner sich gerade Finnland aussuchten, mag zunächst verblüffen. Und doch ist die Erklärung einfach: Die Veikkausliiga beginnt im April und endet im Oktober, der Spielbetrieb läuft also weiter, wenn er in anderen Ländern den Sommer über ruht. Das allein hat die Aufmerksamkeit der Zocker nach Finnland gelenkt. Überdies tummeln sich dort viele Spieler mit bescheidenem Talent und brüchigen Biografien, die nur noch wenig zu verlieren haben. Die Veikkausliiga ist die Sackgasse des europäischen Fußballs.

Und so kommt es, dass in Bangkok, Kuala Lumpur oder Shanghai horrende Gewinne mit den manipulierten Spielen eines Klubs aus Lappland erzielt werden konnten. Herzlich willkommen im Schattenreich der Globalisierung.

In Rovaniemi wollen sie weder Lim noch Perumal jemals gesehen haben, diese Gespenster, die aus der bösen, weiten Welt nach ihnen griffen. »Sie hätten ja auch Cousins von Xiang Long sein können«, meint Vereinspräsident Risto Niva. Xiang Long betreibt ein Chinarestaurant in der Fußgängerzone und ist Hauptsponsor des Klubs – die Spieler dürfen einmal in der Woche für lau bei ihm essen. Das sind die Dimensionen, in denen Risto Niva, ein Mann mit dem Gemüt eines nordfinnischen Holzfällers, dachte, bis die Welt über seinen Klub hereinbrach.

Perumal kennt die Wirkung des Geldes. Er kennt sie von sich selbst

Perumal hatte wesentlich mehr zu bieten als ein Gratis-Menü. Er wusste genau, dass die Spieler bei ROPS kaum 6000 Euro für eine Spielzeit bekamen. Dass sie auch kein Anruf von einem europäischen Topklub ereilen würde, wie sie zu Beginn ihres Engagements am Polarkreis vielleicht noch gehofft hatten. Und dass ihre Familien daheim gleichwohl Alimente von den Söhnen erwarteten, die sie in die Fremde geschickt hatten. Nun lagen 10.000 Euro vor ihnen auf dem Tisch, für die sie nur einen Fehlschuss abliefern mussten. Wie es die Moral bricht, wie es gierig und immer gieriger macht – Wilson Raj Perumal kennt die fatale Wirkung des Geldes genau. Er kennt sie von sich selbst: Schon als Jugendlicher in Singapur überfiel er Banken und brach in Häuser ein. Doch die Jobs waren gefährlich, man konnte dabei draufgehen, wenn einem Wachmann der Revolver allzu locker saß. Er fand einen sichereren Weg – er ließ andere die Verbrechen begehen, die zudem als solche nur schwer zu erkennen waren. Im Sport kommt es schließlich ständig zu Fehlern. Bereits Mitte der Neunziger begann Perumal, systematisch Spiele im südostasiatischen Raum zu verschieben. Er setzte immer höhere Summen in den schäbigen Hinterzimmern des illegalen Wettmarkts, auf Damendoppel im Tennis oder bessere Seifenkistenrennen. Für diese Wettkämpfe gab es keine Öffentlichkeit, Perumal übte. Doch bald schon traute er sich an die beliebteste Sportart der Welt heran – den Fußball.

Zu diesem Zeitpunkt war die Weltkarte für ihn längst zum Spielbrett geworden, er flog über sie in großen Schwüngen, mit der ewigen Sechs auf dem Würfel. Eben noch war er in seiner Heimat, jetzt schon in Südafrika, Chile, Russland. Das Geld quoll ihm aus den Koffern, Schampus floss, ein Dionysos aus Singapur. Fotos, die er im Internet präsentierte, zeigen ihn auf seinen Luxusreisen rund um den Globus. Einmal, in London, drückte er sogar den Chelsea-Star Michael Essien an seine Brust.

Auch Finnland war eigentlich nur ein Zwischenstopp in Perumals ganz eigenem Monopoly. Doch diesmal ging er nicht über Los, sondern direkt ins Gefängnis. Zwar nahm die Polizei ihn in Helsinki zunächst nur wegen fehlender Papiere fest, doch die finnischen Ermittler arbeiten zusammen mit Interpol an einer weit tiefer greifenden Anklage: organisierter Wettbetrug.

 
 
 
 
 
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