Der FC St. Pauli äußert sich zu den Hallen-Randalen

Wo die wilden Kerle thronen

Am vergangenen Freitag kam es beim Hamburger Schweinske-Cup zu einer Massenschlägerei zwischen St. Pauli- und Lübeck-Fans. Die Veranstalter und 300 Polizisten stehen in der Kritik. Nun hat sich der FC St. Pauli auf einer Pressekonferenz geäußert. Der FC St. Pauli äußert sich zu den Hallen-Randalen

An Tagen wie diesen herrscht also Ratlosigkeit. An Tagen wie diesen bemüht man allerorten nur allzu häufig einen plakativen General-Vorwurf, der immer dann hervorgekramt wird, wenn es um diese Suppe »Fans und Randale« geht. Er lautet: »Ihr macht den Fußball kaputt!« Die Frage ist nur, wer soll das überhaupt sein: »Ihr«?

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Am vergangenen Freitag war es beim traditionellen Hamburger Schweinske-Cup zu einer Massenschlägerei zwischen St. Pauli- und Lübeck-Fans sowie der Polizei gekommen. Das Turnier wurde daraufhin abgebrochen, der zweite Tag abgesagt.

Die Mehrheit der St.Pauli-Fans prangert nun das Vorgehen der Polizei an und kritisiert die Veranstalter dafür, dass man mit dem VfB Lübeck potenziell rechte Fans zum Schweinske Cup eingeladen hat. Die traurige Realität: Schon länger ist es so, dass man sich selbst als Veranstalter eines kleinen Hallenturniers mit dem Charme von Altherrencups überlegen muss, wer eingeladen wird. Der linke Fußballklub Roter Stern Leipzig kann von dieser Entwicklung ein Lied singen. Im Winter 2011 wurden seine Fans vornehmlich in dem engen Rahmen von Hallenturnieren angegangen.

Auf Fotos vom Schweinske-Cup sieht man einen Mann im Lübeck-Block, der den Arm zum Hitler-Gruß hebt. Zudem begannen eben jene Fans schon wenige Minuten nach Turnierstart, antisemitische (»Judenkinder«) und rassistische Sprechchöre (»Zick, Zack, Zigeunerpack«) anzustimmen, und kurz nach Beginn der Randale stahlen die ganz wilden Kerle jener Gruppe Banner und Fahnen der St.Pauli-Fans.

Hatten Stadionverbote Gültigkeit?

Einige dieser Männer, die etwa Shirts mit der Aufschrift »Krawallbrüder« oder »Krawallbande« trugen, sollen bei ihrem angestammten Verein Stadionverbote haben, doch ob diese beim Schweinske-Cup überprüft wurden, steht dahin. »Es konnte jeder rein, wer wollte. Bei den Kontrollen an den Eingängen wurde lediglich darauf geachtet, dass keine Pyrotechnik mit in die Halle genommen wird«, sagt etwa Florian Möller, Leiter der VfB-Geschäftsstelle, in den »Lübecker Nachrichten«.

Co-Organisator Peter Sander betont hingegen, dass Stadionverbote ihre Gültigkeit hatten, doch der Veranstalter nicht informiert wurde, wer aus Lübeck anreist. Er spricht von einem »kriminellen Akt«. Er sagt: »Das war vorbereitet.« Für diese These – zumindest dass der Mob aus Lübeck »vorbereitet« war – spricht die Tatsache, dass etwa 100 VfB-Ultras ausschließlich für den Freitag Karten gekauft hatten, aber nicht eine einzige für den Samstag. Dabei sollte die Mannschaft an diesem Tag das entscheidene Gruppenspiel bestreiten. Stutzig machte das niemanden.

74 Randalierer in Gewahrsam – davon 72 St.Pauli-Fans

Die Polizei indes soll nach Beginn der Randale, so die Berichte von Augenzeugen, wahllos Pfefferspray in die Menge gesprüht und 1000 St.Pauli-Fans mit mehreren Hundertschaften eingekesselt haben. In ihrer offiziellen Pressemitteilung vermeldet die Polizei Hamburg, dass 74 Randalierer in Gewahrsam genommen (davon 72 St.Pauli-Fans) und zwei Personen festgenommen wurden. Die Situation, so die Polizei Hamburg weiter, hätte man unter »Einsatz von Schlagstöcken (...) zunächst wieder beruhigen« können.


Der FC St. Pauli hielt sich in diesem Stimmenbrei bis gestern mit einer Stellungnahme zurück. Pressesprecher Christian Bönig sagte ausschließlich: »Ich kann es nicht beurteilen, aber viele unserer Fans sprechen von einem übertriebenen Einsatz der Polizei.«

»Hat der FC St. Pauli ein Fanproblem?«

Heute dann äußerte sich St. Paulis Sicherheitschef Sven Brux auf einer anberaumten  Pressekonferenz. Brux betonte, dass die Randale durch die »handwerklichen Fehler in Planung und Durchführung seitens des Veranstalters und der Polizei ermöglicht wurden«. Die Konfrontation sei allerdings von den Fans des VfB Lübeck ausgegangen. »Die Polizei hat die Lübecker Fans machen lassen. Ob bewusst, kann man nicht sagen«, sagte Brux. Allerdings verurteilte Brux die anschließende Überreaktion einiger St.-Pauli-Fans. Doch sei Brux erstaunt gewesen, dass »kein Lübecker unter den 74 Festgenommenen war«.

Der Klub widersprach in einer Erklärung außerdem der Vermutung, dass es etwaige Verabredungen zu Auseinandersetzungen mit Fans anderer Vereine gegeben hat und wischt somit den impliziten Vorwurf (»Das war vorbereitet«) beseite, dass St.Pauli-Hooligans beim Turnier waren, die sich nach alter Wald- und Wiesentradition zur Massenschlägerei getroffen hätten. St. Paulis Präsident Stefan Orth fügte noch hinzu, dass der Klub kein Fan-Problem habe. 

Doch genau das fragen heute verschiedene Medien. Die »Welt« etwa verweist auf ein Ereignis vom 1. April 2011. Damals wurde das Spiel St. Pauli gegen Schalke abgebrochen, nachdem ein Fan einen Bierbecher auf den Schiedsrichter-Assistenten Thorsten Schiffner geworfen hatte. Es ist also wie so häufig, wenn es um diese Suppe »Fan und Randale« geht. Es geht alles in einen Topf. Es wird alles gut verrührt.

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