Der FC Bayern und seine Fans

Burgfrieden vor dem Inter-Spiel

Am Samstag kam es in München trotz des 6:0-Siegs zum Eklat, als Stehplatzfans das Spiel boykottierten und stattdessen für Fanrechte demonstrierten. Vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Inter herrscht Waffenstillstand. Der FC Bayern und seine Fans

Mitte letzter Woche, Trainer van Gaal war gerade zur vermeintlichen Lame Duck degradiert worden, nahm Bayerns Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger die Fans mit in die Pflicht. Er wünsche sich die volle Unterstützung der Anhänger, sagte Schweinsteiger: »Für uns wird es leichter, wenn alle hinter uns stehen und versuchen, uns nach vorne zu peitschen.« Mit Vollgas in die Champions League.

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Es blieb beim frommen Wunsch, denn während sich die Spieler auf dem Rasen in der ersten Halbzeit gegen den Hamburger SV mehr schlecht als recht um ein Erfolgserlebnis bemühten, erreichte das ohnehin schon unterkühlte Verhältnis des FC Bayern zu seinen Stehkurvenfans einen neuen Tiefpunkt.

»Wir woll’n den Vorstand seh’n«

Der Anlass erscheint Außenstehenden relativ banal. Beim Zugang zum einzigen reinen Stehplatzblock waren die Einlasskontrollen verschärft worden. Zuletzt, so hieß es von Seiten des Vereins, sei der äußerst überschaubare Stehbereich mehrfach überfüllt gewesen, weil zu viele Anhänger ohne Karten eingeschleust worden seien oder die Ordner sogar überrannt hätten, um die Kontrollen zu torpedieren. Die Sicherheit habe so nicht mehr gewährleistet werden können.

Wie immer in solchen Fällen wurde schnell vor allem die Ultragruppe Schickeria München verantwortlich gemacht, die ihrerseits spontan beschloss, den Support in der Südkurve zu verweigern und sich hinter dem Block zu versammeln. Anhänger anderer Fanklubs und –vereinigungen solidarisierten sich, gemeinsam zog die Spontandemonstration zur Haupttribüne und skandierte, wie in solchen Fällen ebenfalls üblich: »Wir woll’n den Vorstand seh’n.«

Denn so plausibel das Argument der Vereinsführung klingt, so fragwürdig erscheint den Anhängern der Zeitpunkt der verschärften Gangart. Ausgerechnet jetzt sei der Verein zum Handeln gezwungen gewesen, just eine Woche, nachdem sich die Fans bei Protestaktionen massiv gegen eine Verpflichtung des Schalker Urgesteins Manuel Neuer ausgesprochen hatten? Mithilfe zahlreicher nicht genehmigter Transparente, die trotzdem in den Block gelangt waren und teilweise beleidigenden Inhalt hatten (»Schalke-Schwein«)? Die Uli Hoeneß derart aufgebracht hatten, dass er sich zu einer Entschuldigung beim auch von Manchester United umworbenen Torwart sah?

Autonomie für die Kurve

Die Emotionen kochten hoch, am Montag veröffentlichte die Schickeria eine ausführliche Stellungnahme, in der mit keinem Wort auf Sicherheitsaspekte eingegangen wurde, stattdessen mit blumigen Worten Autonomie für die Kurve gefordert wurde. »Die Fans begreifen sich als ›freischaffende Künstler‹, die im Wettbewerb mit den anderen Kurven des Landes stehen. Am Samstag waren sie mit einer Situation konfrontiert, die das Fass zum Überlaufen brachte.«

Die mangelhafte Stimmung in der Münchner Arena ist nichts Neues, seit Jahren wird sie beklagt, seit Jahren versuchen sehr viele Menschen, sie zu verbessern, tagen Arbeitsgruppen, wurden ein Fanrat gegründet und Argumente ausgetauscht. Getan hat sich wenig, dachte man. Immerhin aber stimmte die Vereinsführung tatsächlich einem Treffen mit mehreren Fangruppen, darunter die Schickeria, am Montag zu, wenngleich Finanzvorstand Hopfner vorab wissen ließ: »So geht es nicht weiter«. Was auch die Meinung der Schickeria war.

»Einigkeit zwischen FCB und seinen Fans«

Umso erstaunlicher erscheint, dass es nun doch einen Burgfrieden gegeben hat, auch wenn man sich offenbar auf keine Erklärung einigen konnte, die über Allgemeinplätze hinausgegangen wäre. »Einigkeit zwischen FCB und seinen Fans«, ließ der Verein auf seiner Homepage wissen und fügte nebulös hinzu: »Als Ergebnis des Gesprächs wird festgehalten, dass beide Seiten vertrauensvoll und partnerschaftlich zum Wohle des FC Bayern München zusammenarbeiten und der Dialog zwischen den Fans und dem Klub fortgesetzt wird.«

Mehr Informationen gab es auch von den freischaffenden Künstlern der Schickeria nicht, ein vereinbartes Gespräch mit 11FREUNDE wurde wieder abgesagt. Man habe »sich die verschiedenen Perspektiven verständlich gemacht«, hieß es auf der Homepage, in Zukunft solle es um Sachfragen gehen. Und heute nur um eines: »Mit Vollgas ins Viertelfinale«. 

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