Der FC Bayern und sein neuer Sportdirektor

Wer einen Sammer hat, sieht überall Nägel

Das knallte: Einen Tag nach der EM wechselte Matthias Sammer vom DFB zum FCB. Doch dem Knall- folgt kein Aha-Effekt. Was soll diese Personalentscheidung bringen? 11FREUNDE mit einer ersten Hypothese.

»Der Sammer-Hammer!«, dröhnt die »Bild«. Selten ist dieser Redaktion ein Wortspiel so vor die Füße gefallen. Für »Grinsi-Klinsi« musste ungleich mehr gegrübelt werden.

Man könnte meinen, der Wechsel des Sportdirektors vom DFB zum FC Bayern sei nur zustande gekommen, weil sich sein Name auf ein Werkzeug reimt, das Schlagkraft symbolisiert, Härte und – wenn's mal daneben geht – auch ein bisschen Schmerz. Der ehemalige Hoffenheimer Manager Ernst Tanner soll ja an diesem Kriterium gescheitert sein. Der Tanner-Hammer? Ah, nee. Der Sammer muss es sein. Klingt besser.

Doch auf den Knall- will kein Aha-Effekt folgen. Sammer beim FC Bayern. Ja, gut, äh. Aber was soll das bringen?

Nerlinger stand in Hoeneß' Schatten – Sammer wird dieses Problem nicht haben

Christian Nerlinger seines Amtes zu entheben, erscheint an sich plausibel. Er hat es in drei Jahren nie ganz geschafft, aus dem Schatten seines Vorgängers Uli Hoeneß zu treten (was, zugegeben, nicht ganz leicht ist) und wirkte noch immer wie dessen persönlicher Sekretär. Supercharismatiker Sammer wird dieses Problem nicht haben.

Die Begründung allerdings, man habe sich nach zwei titellosen Spielzeiten zu diesem Schritt entschlossen, macht die Entscheidung kurios. Denn im Umkehrschluss bedeutet sie: Sammer wird die Titel holen.

Doch wie? Der Spieler, der einst Partien selbst entschied, indem er die Bälle einfach ins Tor hasste, ist er bekanntlich nicht mehr. Aber ein Sportdirektor kann keine Titel holen, er kann sie nur planen, wahrscheinlicher, erreichbarer machen. Er denkt nicht in Spieltagen, sondern in Prozessen.

Sammer, ein Prozess-Typ? Eher nicht

Doch erstens sind die Bayern, das Kapitel Klinsmann hat es gezeigt, an Prozessen überhaupt nicht interessiert. Sie wollen den Erfolg sofort, nicht irgendwann. Und zweitens hat man den Verdacht, dass auch Sammer selbst kein Prozess-Typ ist. Die Rolle des weitsichtigen DFB-Strategen, der auf hochflorigem Teppich philosophische Spaziergänge macht, wollte ihm nie recht stehen. Er ist noch immer ein Mann des offenen Gefechts.

Am Ende handelt es sich wohl um einen Transfer nach altbekanntem Bayern-Muster. Der Verein brauchte eine Verstärkung für die Abteilung Attacke. Die Titelkampfzone soll offenbar wieder auf den Boulevard ausgeweitet werden. Also wurde einfach, wie bei so vielen Mittelstürmern zuvor, der Mann mit dem größten Namen geholt: Sammer.

Und wie heißt es so schön: Wer einen Hammer hat, sieht überall Nägel. Wir können uns also auf rassige Zweikämpfe am SKY-Tresen freuen. Sammer versus Klopp. Wenigstens da hat der FC Bayern nun Grund zur Hoffnung auf einen Achtungserfolg.

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