Der FC Bayern und die Winterkrise

Zwei Farben: Rot

Die Partie gegen Werder ist vielleicht das bisher wichtigste Saisonspiel für den FC Bayern. Sollte der Rekordmeister verlieren, ist es mit der Ruhe im Umfeld vorerst vorbei. Dabei war es noch vor wenigen Wochen so ruhig wie lange nicht mehr in München. Der FC Bayern und die Winterkrise

Hie und da sprechen sie schon von dem K-Wort. Doch viele tun das noch hinter vorgehaltener Hand. Vielleicht, weil sie sich genieren. Vielleicht, weil es pietätlos wäre, dieses Wort jetzt schon in den Mund zu nehmen. Schließlich sah die Welt an der Säbener Straße vor drei Wochen noch sehr idyllisch aus. Die Meisterschaft schien entschieden, das Umfeld war ungewohnt ruhig, alle schwärmten vom Spiel der Bayern: Die schnelle Passfrequenz, der hohe Ballbesitz, die sichere Defensive – es passte alles. Die »Welt« schrieb von einer »Harmonie in Rot« und Sat1-Kommentator Wolf-Christoph Fuss schwärmte von »Barca light«.

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Überzeugende Auftritte in der vermeintlichen Todesgruppe A der Champions League ließen selbst Bayern-Hasser mit der Zunge schnalzen und frohen Mutes auf die Fünf-Jahres-Wertung schielen. Immerhin wäre der FC Bayern München dank seiner guten Auftritte in Europa auch mit dem momentanen dritten Platz für die Champions League direkt qualifiziert.

Selbstredend sind die Ziele der Chefetage höher gesteckt. Und selbstredend wünscht man sich dort ein anderes Auftreten als vergangenes Wochenende in Mainz. Da saß Jupp Heynckes mit roter Pudelmütze ausgelaugt auf der Bank, leidend am Spiel der Bayern und einem grippalen Infekt. Da hingen die Köpfe der Spieler so tief wie lange nicht.

Im Vorfeld der Partie kritisierten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß vor allem die Einsatzbereitschaft der Bayern, die gegen Mainz »immer einen Schritt zu spät kamen« (Hoeneß). Rummenigge forderte von den Profis gar unlautere Mittel, um zu gewinnen: »Beißen, kratzen und was sonst noch so dazu gehört im Fußball.« Das Fehlen von Schweinsteiger sei aufgrund der mangelnder Einsatzbereitschaft der restlichen Spieler am vergangenen Sonntag gegen 1. FSV Mainz 05 keine Entschuldigung für die zweite Pleite in Folge gewesen.

Große Töne und die leidige Trainerfrage

Tiefstapeln war noch nie die Sache der Bayern – schrille Töne vor wichtigen Spielen gehören seit eh und je zur Vereinspolitik. Karl-Heinz Rummenigge fordert deshalb nun forsch die Herbstmeisterschaft und beschreit die Meisterschaft am Ende der Saison. Schon die Tatsache, dass das Topspiel des Wochenendes Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund heißt, muss den Bayern ein Dorn im Auge sein. »Die erste Geige spielen immer noch wir«, könnte man in Hoeneß' knurrigen Gesichtausdruck lesen, während er dieser Tage Interviews im Fernsehen gibt.

Zwar saß selten ein Bayerntrainer so sicher im Sattel wie diese Saison der unaufgeregte Heynckes. Aber wehe, die Niederlagenserie setzt sich fort und die geforderte Reaktion der Mannschaft bleibt aus. Die lästige Trainerfrage wäre wieder auf den Plan gerufen, Uli Hoeneß hielte wieder Wutreden, die Meisterschaft bliebe weiterhin spannend, es säße nicht nur ein »Osram« auf der Bank, sondern man könnte auch Uli Hoeneß' Kopf auf der Ehrentribüne aus weiter Entfernung erkennen. Zwei Farben: Rot. Und endlich, ja, könnte man das K-Wort ungeniert aussprechen.

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