Der FC Bayern enttäuscht in der Vorbereitung

Nun beginnt die Feinarbeit

Der FC Bayern verliert das Finale des Testturniers verdient gegen eine B-Elf des FC Barcelona und hat damit keinen Härtetest in der Vorbereitung gewonnen. Jupp Heynckes muss feststellen, dass in seinem Kader noch Asymmetrien sind – vor allem in der Defensive. Der FC Bayern enttäuscht in der Vorbereitungimago

Als sich die 22 Akteure vor dem Anpfiff auf dem Spielfeld positionierten, war eine herrliche Symmetrie zu erkennen. Der FC Bayern und der FC Barcelona hatten sich jeweils in einer 4-3-3-Formation aufgestellt, beide Trainer hatten dabei eine veredelte B-Elf aufs Feld geschickt. Wer sollte es ihnen letztendlich verdenken: Es war ein sportlich unbedeutender Testkick, am Mittwochabend in München.

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Als Schiedsrichter Wolfgang Stark das Finale des Testturniers dann jedoch anpfiff, verschoben sich die Figuren auf dem Rasen derart, dass sich den Zuschauern eine verblüffende Asymmetrie bot. Barcelona blieb bei seinem System, spielte sich munter die Bälle zu und gewann mit einer lauschigen Juli-Abend-Leistung mit 2:0.

Die Formation des FC Bayern dagegen entzerrte sich zumindest in der ersten Halbzeit zu einem kuriosen 6-0-4, was eine Zeitlang so grausam war, wie es klingt.

Der FC Bayern machte kein schlechtes Spiel

Er wolle bei diesem Turnier seine Startelf für die kommenden Pflichtspiele finden, das hatte Trainer Jupp Heynckes vor den Partien gegen den AC Mailand und den FC Barcelona angekündigt. Gegen Mailand hatte die Startelf des FC Bayern tatsächlich ausgesehen, wie eine Startelf des FC Bayern in der kommenden Saison aussehen könnte - und die Münchner hatten dieses Halbfinale mit einer erfrischenden und spielfreudigen Leistung dominiert.

Im Finale dann schickte Heynckes eine Mannschaft aufs Feld, die nur dann eine Startelf sein wird, wenn nun wirklich alles schiefgehen sollte. Wer das für übertrieben hält, dem seien kurz die elf Spieler genannt, die gegen Barcelona begannen: Butt, Contento, Badstuber, Boateng, Rafinha, Pranjic, Gustavo, Alaba, Usami, Olic, Petersen.

Der FC Bayern machte kein schlechtes Spiel gegen den FC Barcelona. Barcelona hatte über 90 Minuten ganze drei Torchancen, der FC Bayern ebenso: Petersen kam bei einer Hereingabe von Usami Millimeter zu spät, Alaba vergab kurz vor der Pause freistehend vor Torhüter Valdes, in der zweiten Halbzeit scheiterte Boateng mit einem Volley-Prügel aus 25 Metern. »Wenn wir in Führung gehen, dann sieht die Welt schon wieder anders aus«, sagte Heynckes nach dem Spiel.

Zwei Niederlagen, zwei Unentschieden

Nun sieht die Welt indes so aus: Der FC Bayern hat verdient mit 0:2 gegen eine B-Elf des FC Barcelona verloren, die eben zwei der drei Torchancen nutzen konnte. In der Vorbereitung haben die Münchner damit keinen Härtetest gewinnen können. Es gab zwei Niederlagen (gegen den Hamburger SV und den FC Barcelona) und zwei Unentschieden (gegen Mainz 05 und den AC Mailand).

»Ich wollte, dass jeder Spieler bei diesem Turnier die Gelegenheit bekommt, sich zu präsentieren«, sagte Heynckes und fügte fast entschuldigend hinzu: »Ich wollte nicht, dass ein Spieler zwei Tage hintereinander 90 Minuten spielt, auch angesichts des Pokalspiels in Braunschweig am Montag.« Dann sagte er: »Ich habe für mich wichtige Erkenntnisse gewonnen an diesen beiden Tagen.«

Vor allem war an den beiden Turniertagen zu beobachten, dass sich im Münchner Kader eine Asymmetrie befindet – die dann gefährlich werden könnte, wenn sich prägende Spieler verletzen oder außer Form geraten. Die Verantwortlichen des FC Bayern haben durch kluge Transfers in der Sommerpause einige Probleme gelöst. Die Elf, die gegen Mailand im Halbfinale sehenswerte Angriffe zeigte und sich auch defensiv erstaunlich stabil präsentierte, könnte durchaus höchsten europäischen Ansprüchen genügen. Dazu zeigte Boateng gegen Barcelona, dass er sehr wohl ein ganz hervorragender Innenverteidiger sein kann. Zum Bundesliga-Start kommt dann auch noch der derzeit angeschlagene Franck Ribéry hinzu.

Probleme in der Defensive

Probleme lauern weiterhin in der Defensive: Derzeit bewerben sich Badstuber und Van Buyten um den Posten neben Boateng – so recht scheint Heynckes keinem der beiden zu vertrauen, gegen Barcelona schickte er in der zweiten Halbzeit Timoschtschuk auf die Innenverteidiger-Position.

Auf der Außenbahn versuchte sich Contento zunächst links, später rechts - ein ernstzunehmender Konkurrent für Lahm oder Rafinha freilich ist er nicht. Im defensiven Mittelfeld waren Gustavo und Pranjic aufmerksam und lauffreudig, doch dürften Schweinsteiger und Timoschtschuk einen deutlichen Vorsprung haben.

Auf den offensiven Außenbahnen durften sich Olic und Usami präsentieren. Olic lief wieder einmal mehr als alle anderen, doch ist ihm die mangelnde Praxis nach seiner langen Verletzung deutlich anzumerken. Usami hatte einige schöne Aktionen, Heynckes sagte nach dem Spiel: »Wenn er körperlich robuster wird, dann kann er ein Spieler werden, der uns weiterhelfen kann.« Im Angriff deutete Petersen drei Mal an, dass er durchaus weiß, wo das gegnerische Tor steht. Sein Vorgesetzter Gomez weiß indes bereits, wie man hineintrifft.

»Wir sprechen nun von Kleinigkeiten, vom Feinschliff«

»Ich bin ein Perfektionist, deshalb liegt noch Arbeit vor uns«, sagte Heynckes an diesem Mittwochabend. Der FC Bayern hat während der Vorbereitung angedeutet, dass die Mannschaft zu grandiosen Leistungen fähig ist, dass der Kader aber auch ein fragiles Gebilde mit einigen Unwuchten darstellt. Schon in der vergangenen Saison hatten zahlreiche Verletzungen das Gebilde ins Wanken gebracht.

»Wir sprechen nun von Kleinigkeiten, vom Feinschliff«, sagte Heynckes. Er ist ein überaus erfahrener Trainer, dieser Jupp Heynckes. Auch er hat die Asymmetrien erkannt (»Sie haben ja gesehen, dass sieben Linksfüßler auf dem Platz standen, was ich sonst nie tun würde.«)

Heynckes hat nun noch ein paar Tage Zeit, seine Mannschaft zu einem formschönen Gebilde zu formen, das nicht nur vor dem Anpfiff herrlich symmetrisch aussieht.

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