Der FC Barcelona zittert vor Zlatan

Ali Ibrahimovic

Vor dem Viertelfinale der Champions League zittert der FC Barcelona vor dem Punch des boxenden Fußballers Zlatan Ibrahimovix. Schließlich hat der Angreifer noch eine Rechnung mit seinem Ex-Klub offen.

Es ist rund 20 Jahre her, dass sich in einer Sozialwohnung im schwedischen Malmö ein Schlüsselmoment der Fußballgeschichte ereignete. Es war etwa zu der Zeit, als Lionel Messi, die Hände auf der Maradona-Bettwäsche gefaltet, vorm Einschlafen den Fußballgott um Zauberkräfte bat. Als Andreas Iniesta, nach tausend Versuchen, auf dem Rasen vor dem elterlichen Haus zum ersten Mal den Zwergpinscher der Nachbarn tunnelte. Und als Xavi, um noch professioneller zu leben, von Honig-Pops auf Haferflocken umstieg.


Zumindest Letzteres ist blanke Spekulation. Aber diesen Moment in Malmö hat es wirklich gegeben, fast genau so: Sefik Ibrahimovic, Gelegenheitshausmeister und Quartalstrinker, hatte mal wieder einen jener zähen Nachmittage mit seinem Sohn Zlatan zu überbrücken. Bloß wie, wenn die eigene Grundstimmung doch nichts anderes zuließ, als einfach nur auf dem Sofa zu liegen? Er kramte mürrisch in seiner Videosammlung, und für einen Moment hing die noch ungeahnte Weltkarriere des Jungen am seidenen Faden.

Porno oder Box-Video?

Sollte er ihm, zu Aufklärungszwecken, einen Porno vorspielen? Es kann ja nie schaden, wenn man weiß, wie man es macht. Oder doch lieber eine Aufzeichnung eines Kampfes von Muhammad Ali – ein ganz anderes und doch seltsam ähnliches Artefakt archaischer Männlichkeit. Sefik Ibrahimovic entschied sich für das Box-Video – und bewirkte damit, ohne es zu wissen, mehr als Myriaden von Jugendtrainern zusammen: Der Anblick des Champions versetzte dem gerade 11-Jährigen Zlatan einen Impuls, der ihn weit, weit hinauskatapultieren sollte, in eine ganz eigene Umlaufbahn.

20 Jahre später ist dieser Zlatan Ibrahimovic, das Problemkind aus Malmö, der notorische Fahrraddieb, für den schon eine Zelle im Kittchen reserviert war, zu einem der größten Sportstars überhaupt geworden, einem Multimillionär, einer Werbeikone, einem Sexsymbol. Die Präsentation bei seinem neuen Verein Paris Saint Germain im Sommer letzten Jahres, unter dem Eiffelturm, vor Zehntausenden kreischender Fans, glich einer Epiphanie im Transferfenster. Und tatsächlich ist er, was Selbstverständnis und Wahrnehmung anbelangt, längst näher an Muhammad Ali, »the Greatest of all Times«, als an den kreuzbraven Kollektivspielern Messi, Iniesta oder Xavi. Er ist ein Individualist in einer Mannschaftssportart. Ein Einzelkämpfer. Ein boxender Fußballer. Ein fußballspielender Boxer. Ali Ibrahimovic.

Ein Punch wie beim »Rumble in the Jungle«

Es war der 14. November 2012, als er sich zum »King of Football« aufschwang, die 91. Minute im Freundschaftsspiel zwischen Schweden und England: Torwart Joe Hart klärte einen langen Ball per Kopf, die Situation schien bereinigt, doch Zlatan Ibrahimovic machte kehrt, fixierte den Ball aus hungrigen Augen, sprang ab – und traf aus zweieinhalb Metern Höhe und 25 Entfernung zum 4:2. Ein Fallrückzieher, der in seinem Wahnwitz näher an dem Stratosphärensprung war, den der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner einen Monat zuvor hingelegt hatte, als an allen Toren, die in diesem Jahr irgendwo auf der Welt erzielt worden waren. Er ist in die Sportgeschichte eingegangen als ein Punch wie jener, den Muhammad Ali am 30. Oktober 1974 beim »Rumble in the Jungle« George Foreman versetzte.

Der amerikanische Autor Norman Mailer schrieb über dieses Duell das Buch »The Fight«. »Wenn je ein Boxer den Beweis angetreten hat, dass dieser Sport eine Kunstform ist«, heißt es darin, »dann ist es Ali.« Ein Satz, den sich Zlatan Ibrahimovic, wenn ihm selbst gelten würde, wohl sogleich auf sein breites Kreuz tätowieren ließe, zwischen die Engelsflügel, die dort schon prangen. Ein Triumph des von ihm angeführten Paris Saint Germain im Viertelfinale der Champions League würde ihn einer solchen Huldigung noch näher bringen. Ein Triumph zumal über seinen alten Arbeitgeber, den FC Barcelona, wo man ihn 2010 nach nur einem Jahr vom Hof jagte, weil er mit seinem Eigensinn den Mannschaftsgeist torpedierte. Beziehungsweise: Von wo er floh, weil das schlumpfenhafte Tiki-Taka ihn an seiner Entfaltung hinderte. Ansichtssache.

So oder so: Die Faust des Boxers, sie ist geballt. Dass er sich vor dem Spiel noch einmal das Ali-Video zu Gemüte führt, ist nicht überliefert, aber durchaus wahrscheinlich. 


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