Der Fall Marwin Hitz

»Clever« ist das neue »Unfair«!

Augsburgs Torhüter Marwin Hitz verhielt sich gegen Köln unsportlich. Reporter, Experten und Trainer toben – dabei preisen sie sonst die Unfairness.

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Elfmeterpunkte im Rheinland führen ein gefährliches Leben, in Düsseldorf 2012 wurde einer aus seiner Umgebung gerissen und entführt. In Köln bearbeitete der Augsburger Torwart Marwin Hitz den Punkt im Müngersdorfer Stadion so sehr, dass der gegnerische Stürmer Anthony Modeste ausrutschte und den Strafstoß verschoss. Hitz gewann mit Augsburg 1:0. Beim Täter bestand keine Fluchtgefahr, er wurde noch am Tatort gestellt und erklärte ohne Rücksprache mit seinem Anwalt, dass so etwas in der Hitze des Gefechts passieren könne.

Strafe, Sperre, Spende!

Das heizte den Furor der Öffentlichkeit weiter an. Strafe, Sperre, Sozialstunden – das waren fast noch die milderen Forderungen von Fans, Experten und Reportern. »So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Er sollte 50.000 Euro für 'Ein Herz für Kinder' stiften«, sagte Berti Vogts. »Was unternimmt der DFB gegen Rasen-Rowdy Hitz? Nichts!«, schrieb eine Boulevardzeitung. Ein Fan zeigte Hitz sogar wegen Sachbeschädigung an.

Der Torwart musste am Sonntag Buße tun, und zwar auf dem Beichtstuhl der heutigen Zeit, dem Kurznachrichtendienst Twitter. »Ich möchte mich für meine Aktion vor dem Elfer entschuldigen. Das war nicht ok & kommt nicht mehr vor«, schrieb er.

Natürlich: Hitz agierte unsportlich und unfair. Seine Entschuldigung war richtig. Doch es ist schon überraschend, dass so viele Trainer, Reporter und Experten gerade in diesem Fall ihr lange verschollenes Gewissen wieder fanden und mit allem, was zur Verfügung stand, für den Erhalt der Sportlichkeit und Fairness ins Felde zogen.

Clever ist das neue Unfair!

Denn in den vergangenen Jahren hat sich die Lobpreisung der Unsportlichkeit eingeschlichen. Das Wort »unfair« wurde dabei einfach durch »clever« ersetzt. Als hätte sich eine Lobbyistenbande um David Jarolim oder Pippo Inzaghi geschart und mithilfe einer Marketingfirma sinnlose Euphemismen in Umlauf gebracht: »das taktische Foul machen«, »einen Freistoß ziehen«, »sich auf die Uhr setzen«.

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