Der etwas andere Profi

Kreuzband-Reha im Flüchtlingslager

Ivo Pekalski vom schwedischen Erstligisten Halmstads BK machte das Beste aus seiner Verletzungspause: Er reiste in den Libanon, um gestrandeten Syrern zu helfen.

imago

Es gab eine Zeit, da empfand Ivo Pekalski so etwas wie Selbstmitleid. Das war vor ziemlich genau einem Jahr. Der schwedische Fußballprofi vom Erstliga-Aufsteiger Halmstads BK kämpfte gerade um sein Comeback nach einem Kreuzbandriss und hatte von seinem damaligen Klub BK Häcken keinen neuen Vertrag mehr bekommen. Doch dann traf Pekalski die vielleicht beste Entscheidung seines Lebens.

Mitten in der finalen Reha-Phase, im Februar 2016, begleitete der Kicker einen langjährigen Freund zu einem Trip in den Libanon. Pekalski wollte vor Ort syrischen Flüchtlingen helfen, die dort unter herzzerreißenden Bedingungen in Lagern lebten. Ganz nebenbei half er damit auch sich selbst: »Es bringt einem so unglaublich viel, wenn man anderen Menschen etwas geben kann«, sagt der 26-Jährige. »Wenn ich – früher oder später – eine Alternative zum Fußballspielen brauche, dann ist es genau das, was ich tun will: Helfen!«

Wenn selbst das Notwendigste fehlt

Der Mittelfeldspieler war nicht etwa zum PR-trächtigen Händeschütteln und Selfies machen in den Libanon gekommen, sondern zum tatkräftigen Anpacken. In dem kleinen und selbst von Krisen gebeutelten Nachbarland Syriens und Israels wütete gerade ein strenger Winter. Nachts sanken die Temperaturen teilweise unter den Gefrierpunkt. Viele Flüchtlinge hockten frierend und hungernd in ihren Zelten oder Holzverschlägen.

Pekalski war im Namen von »Igor's Humanitarian Work« in den Libanon gereist. Die private schwedische Hilfsorganisation, gegründet von Igor Kubát, half in den vergangenen Jahren auch Flüchtlingen, die in Serbien, Kroatien, Ungarn oder der Türkei gestrandet waren. Im Libanon reisten Pekalski und seine Mitstreiter, eine Handvoll skandinavischer Idealisten, von einem Flüchtlingslager zum nächsten und gaben dort wärmende Decken, schützende Bekleidung sowie heiß ersehnte warme Mahlzeiten aus.

Die größte Anstrengung von allen

»Viele Menschen, die ich in den Flüchtlingslagern sah, hatten buchstäblich nicht einmal etwas an den Füßen«, berichtet der sechsmalige U21-Nationalspieler Schwedens (1 A-Länderspieleinsatz). An manchen Tagen verteilten Pekalski & Co. bis zu 1.000 Paar Schuhe, die sie zuvor durch Spendenaktionen aufgetrieben hatten.

Mit ihrem Engagement griffen die Helfer auch dem restlos überforderten Libanon unter die Arme. Der kleine Mittelmeer-Anrainerstaat hat bei der Aufnahme syrischer Flüchtlinge die wohl größten Anstrengungen von allen Nationen geschultert: Etwa zwei Millionen Menschen aus dem Bürgerkriegsland leben nach offiziellen Schätzungen derzeit im Libanon – sie machen inzwischen rund ein Drittel der dortigen Gesamtbevölkerung aus.

»Ich hatte schon immer einen großen Drang, Menschen in Not zu helfen«, verrät Pekalski. »Als ich die Chance bekam, runterzufahren, nutzte ich sie. Hilfskräfte und Freiwillige wurden auch wirklich benötigt.« Besonders die Kinder in den Lagern litten größte Not.

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