Der erste 11FREUNDE-Praktikant blickt zurück
15.07.2011

Der erste 11FREUNDE-Praktikant blickt zurück

Kaffeekochen ohne Kaffee

Volker Kühn, der erste Praktikant der in der Geschichte der 11FREUNDE-Redaktion,  trat im Juni 2002 seinen Dienst an. Mann, ist das lang her! Die letzten Jahre verbrachte Kühn im Sanatorium. Hier ist endlich sein Bericht.

Text:
Volker Kühn
Bild:
Imago

Manchmal braucht es Zeit, bis der Groschen fällt. Was mich betrifft, fiel er erst, als das Praktikum schon vorüber war. Ich schiebe es darauf, dass ich absolut keine Ahnung vom Journalismus hatte, als ich mich 2002 bei 11FREUNDE bewarb. Ich dachte, ich käme zu einem professionellen Magazin mit einer seriösen Redaktion. Ich war naiv.

Ich hätte schon stutzig werden sollen, als ich auch beim zweiten Anruf nicht das Vorzimmer, sondern direkt Chefredakteur Philipp Köster am Apparat hatte. Dass es gar keine Sekretärin gab, geschweige denn andere Redakteure, erfuhr ich erst, als ich ein paar Wochen später vor einer Wohnung am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg stand und den Klingelknopf mit dem unscheinbaren Aufkleber »11FREUNDE« drückte.

Köster und die versammelte Layout-Abteilung in Person von Mitgründer Reinaldo Coddou führten mich herum: ein dunkler Flur, zwei Zimmer mit Abstellraumcharme, ein schmales Bad, das sich die »Redaktion« mit einer Frau Karrenberg teilte, offenbar der Vermieterin. Dass die Reporter beim »Kicker« vermutlich ihr Bad mit niemandem teilen müssen, kam mir damals nicht in den Sinn. Im Gegenteil, ich war beeindruckt, weil ich zwischen Pizzaschachteln und Druckerpapier zwei futuristische iMacs entdeckte, von denen ich mir heute fast sicher bin, dass sie entweder nicht abbezahlt oder aus zweiter Hand oder vom Laster gefallen waren.

An einem der beiden durfte ich dann ziemlich häufig und ziemlich lange sitzen – auch das unterschied ein Praktikum bei 11FREUNDE damals von dem bei einem richtigen Magazin: Man konnte hier echt was machen. Man musste sogar, schließlich wollte das Heft gefüllt werden, und das Budget für freie Autoren war knapp. »Und die vielen Namen im Impressum?«, fragte ich schüchtern. »Fast alles Pseudonyme. Das sieht für den Leser einfach blöd aus, wenn einer alles alleine schreibt«, erklärte Köster alias Felix Mergen alias Claus Oehler alias ... Auch ich hatte bald ein Pseudonym.

Schlecken mit Roy

Echte Praktikantenjobs gab es natürlich auch. Zum Beispiel bekam jeder neue Abonnent ein handwarmes Dankesschreiben samt Geschenk seiner Wahl, einen Schlüsselanhänger oder ein Stadionquartett etwa. Und irgendwer musste die Briefe schließlich eintüten. Besser man trägt sein Kreuz, als dass man es hinter sich herschleift, dachte ich, und ging ans Werk, die Zungenspitze im Mundwinkel. (Ähnliche Erfahrungen machte ich später bei einem Praktikum beim VfL Wolfsburg, wo ich regelmäßig gemeinsam mit Roy Präger Autogrammkartensätze sortieren musste. Roy sprach immer liebevoll davon, »Fotos einzupflegen«.)

Natürlich war nicht immer alles Harmonie. Zwischen Köster und Coddou gab es durchaus Reibereien. Als ich Coddou einmal ins Fotolabor fuhr (ich hatte als Einziger ein Auto), kam es zu einem überraschenden Ausbruch Coddous über Kösters Essgewohnheiten (»Der kann Tütenparmesan nicht von echtem unterscheiden, der weiß gar nicht, was Parmesan ist!«). Köster sprach im Gegenzug gern mit höhnischem Unterton vom »feinen Herrn Coddou«, wenn der mal wieder das Konto strapazierte, indem er aus Kösters Sicht überflüssige Dinge bestellte wie etwa einen Tacker.

Szenen einer Ehe. Bleibt noch die Sache mit dem Praktikumszeugnis. Das habe ich bis heute nicht bekommen. Obwohl – in gewisser Weise doch. Ein paar Jahre später gab das inzwischen gewachsene Magazin 11FREUNDE ein Buch mit ausgewählten Artikeln heraus. Einer war von mir. Als Anmerkung zum Autor hieß es: »Volker war Praktikant bei 11FREUNDE und hat hier Kaffee kochen gelernt. Jetzt ist er bei der ›Braunschweiger Zeitung‹ und kocht dort Kaffee.« Als wenn 11FREUNDE eine Kaffeemaschine gehabt hätte.

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