Der DFB sammelt Daten

Der gläserne Profi

Der DFB sammelt DatenImago
Heft #87 02/2009
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Die Sprache des Fußballs kann mit der technischen Entwicklung schon lange nicht mehr mithalten. Der Ball zum Beispiel wird immer noch als Leder bezeichnet, obwohl er inzwischen ausschließlich aus irgendwelchen Superkunststoffen besteht. Genauso hat sich die Wendung »im Notizbuch des Bundestrainers« vermutlich längst überlebt. »Das Notizbuch gibt es immer noch«, sagt Hans-Dieter Flick, der Assistent des Bundestrainers Joachim Löw. Alle Informationen zu den Nationalspielern aber finden sich künftig in einer digitalen Datenbank, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gestern vorgestellt hat. »Wir sind froh und stolz, den Vollzug eines Projekts verkünden zu können, das für uns sehr bedeutsam ist«, sagte Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft. »Die Datenbank ist nicht der Garant für den Erfolg. Aber sie ist ein wichtiges Hilfsmittel.«

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Die Trainer haben nun überall und jederzeit einen direkten Zugriff auf alle relevanten Daten zu den Spielern der A- und der U-21-Nationalmannschaft. Die Datenbank fasst eine Unmenge von Informationen zusammen, die der DFB schon vorher gesammelt hat: von der aktuellen Telefonnummer über Videosequenzen, Einsatzstatistiken, die Bewertungen ihrer Spiele durch den Trainerstab, medizinische Daten bis hin zu den Ergebnissen aus Leistungstests und detaillierten Arbeitsnachweisen. So lässt sich nicht nur abrufen, welche Strecke ein Spieler zurückgelegt hat, sondern auch wie lang er gesprintet ist, wie viele Meter er gegangen, gejoggt, oder langsam gelaufen ist. Die Leistung eines Spielers lässt sich an objektiven Daten festmachen, »es gibt nicht mehr dieses Pi-mal-Daumen«, sagte Bierhoff.

Mit der nun verwirklichten Version sei der DFB Vorreiter, berichtete Bierhoff. Von einem ähnlichen Projekt in anderen Verbänden wisse er nichts. »Wir haben uns das am Anfang etwas leichter vorgestellt«, sagte der Manager der Nationalmannschaft; von drei bis vier Monaten sei man zu Beginn des Projekts ausgegangen, am Ende dauerte es zweieinhalb Jahre bis zu seiner Realisierung. Das technische Knowhow lieferte der Softwarespezialist IWC. Dessen Hauptinvestor ist Dietmar Hopp, der Mäzen der TSG Hoffenheim.

»Die Datenbank erleichtert uns die Arbeit«, sagte Kotrainer Hans-Dieter Flick. »Und sie ist ein Baustein, um die Spieler individuell zu fördern und sie besser zu machen.« Den Vorwurf, dass die deutschen Profis ab sofort über das erträgliche Maß hinaus durchleuchtet würden, teilte er nicht. Auch bei den Spielern selbst gibt es offensichtlich keine Bedenken gegen die Datensammlung. Michael Ballack berichtete, dass er ein bisschen positiver wegkomme, seitdem bei den Spielen umfassende Statistiken erstellt werden. »Früher hieß es, der Ballack muss mal rennen und kämpfen. Der trabt nur«, sagte der Kapitän der Nationalmannschaft. »Jetzt sieht man: Der bewegt sich ja doch.«

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