04.10.2012

Der BVB und der englische Torwart

Hart und sehr schmerzlich

Borussia Dortmund hätte gegen Manchester City einen Sieg verdient gehabt. Dass es nicht dazu kam, verdanken die Citizens einer fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung und Joe Hart, dem angeblich besten englischen Torhüter der letzten 20 Jahre.

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Auf was kann man sich noch verlassen? Marianne&Michael wurden nach 57-jähriger TV-Präsenz abgesetzt, die Scorpions haben sich nach einer schier endlosen »Wind of Change«-Dauerschleife aufgelöst und Bud Spencer macht geraumer Zeit nur noch seriöse Filme ohne seinen kongenialen Partner Terence Hill. Und nun das noch: England hat mittlerweile einen Torhüter, der das macht, was Torhüter für gewöhnlich machen: Er hütet sein Tor.

Der Mann heißt Joe Hart. 25 Jahre, 1,93 Meter groß, geboren in den englischen West-Midlands, Shrewsbury. Der Mann ist der Grund dafür, dass sich Dortmunds 1:1 bei Manchester City wie eine Niederlage anfühlt.

Den Hype um Manchester Citys Joe Hart gibt es nicht erst seit gestern. Der Keeper wurde in den vergangenen zwei Jahren von Lobeshymnen regelrecht überhäuft. Sir Alex Ferguson hat ihn einmal »den besten englischen Torwart der letzten 20 Jahre« genannt. Der Trainer von Manchester United gab außerdem zu, dass er es heute bereut, Hart nicht verpflichtet zu haben, als dieser noch eine unbekannte Nummer beim englischen Drittligisten Shrewsbury Town war. Harts Berater soll im Sommer 2006 mehrmals bei United vorgesprochen haben. Die gewünschte Ablöse lag bei 100.000 Pfund. Ferguson lehnte ab und Hart ging zu Manchester City.
 
Wie es in England häufig üblich ist, wurde der junge Spieler erst einmal auf Reisen geschickt, er machte auf Leihbasis ein paar Spiele für Tranmere Rovers, ein paar für den FC Blackpool. Immerhin eine komplette Saison stand Hart für Birmingham City im Tor. Seit 2010 ist er Stammkeeper bei Manchester City. Und seitdem ist die englische Presse voll des Lobes. Und das ist durchaus erstaunlich, wenn man bedenkt, mit welcher Skepsis und Selbstironie sie normalerweise Torhütern aus dem eigenen Land begegnet.

Ein Patzer? Ah, ja, Januar 2011

Vor der EM nannte die »Daily Mail« Hart »den englischen Fels« und der »Independent« schrieb von »einem gerechtfertigten Hype«. Tatsächlich bestätigten die Zahlen den Rummel um Hart. In den zwei Spielzeiten vor der EM spielte der Torhüter 50 Mal zu Null, und die Suche nach wirklich groben Patzern führt weit in die Vergangenheit. Im Januar 2011 verschuldete Hart ein Tor im englischen Pokal gegen Zweitligist Leicester City.
 
Dennoch: Vor der EM misstrauten viele Fans der allgemeinen Begeisterung. Das Meinungsforschungsinstitut »Sharp FanLabs« führte kurz vor Turnierbeginn eine Umfrage unter englischen Anhängern durch. Auf die Frage, ob England durch einen Torwartpatzer ausscheiden würde, antworteten 46 Prozent der Teilnehmer mit »Ja«. Joe Hart ließ das kalt. Er hielt grandios und ließ in vier Spielen nur drei Tore aus dem Spiel zu, ihm gelangen 17 Paraden, mehr als jedem anderen EM-Torhüter.

Dann kam das Elfmeterschießen gegen Italien und zwischenzeitlich dachte man tatsächlich, Hart könnte den Fluch der A-Nationalelf in Sachen Elfmeterschießen besiegen, schließlich gilt der Torwart als Elfmeterkiller. 2009 hatte er mit der U21 das erste Elfmeterschießen einer englischen Nationalmannschaft seit 1996 gewonnen. Vor dem Spiel gegen Italien gab sich Hart dementsprechend selbstbewusst und wenn man ihn auf das Elfmeterschießen ansprach, gab er zu, eine ausführliche Internet-Recherche betrieben zu haben. »Ich weiß alles über die Schützen«, sagte er. »Sogar wie ihre Frauen und Freundinnen heißen.« Er wusste nicht, dass Andrea Pirlo großer Fan von Antonin Panenka ist.

 
 
 
 
 
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