Der Bayern-Star der Achtziger + Bildergalerie

Begegnung mit Ludwig Kögl

Ludwig »Wiggerl« Kögl galt Mitte der Achtziger als größtes Talent der Fußball-Bundesliga und stand bei fast allen Vereinen auf dem Zettel. Für unsere Reihe »Der Fußball, mein Leben und ich« trafen wir ihn an einem schönen Wintertag. Der Bayern-Star der Achtziger + BildergalerieVolker Schrank
Heft#111 02/2011
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Als wir uns am Münchener Flughafen treffen, strahlt die Sonne vom weißblauen Himmel, der Schnee glitzert, der Atem dampft – abgesehen vom Flughafen ist es ein Postkartenidyll. Ludwig Kögl ist gerne gekommen, er hat sofort zugesagt, als wir um ein Interview für die Reihe »Der Fußball, mein Leben und ich« baten, aber noch lieber, das wird nach dem Gespräch deutlich, als Kögl während des Foto-Shootings ein bisschen sehnsüchtig nach draußen in den Sonnenschein blickt, wäre er doch lieber woanders: in den Bergen, auf einer Skitour wie am Tag zuvor, auf seiner Hütte in den Alpen, die er im Sommer zu Fuß oder mit dem Mountainbike und im Winter nur auf Skiern erreichen kann. Ludwig Kögl wäre lieber in einem echten Postkartenidyll ohne Flughafen.

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Das Hotel Kempinski, in dem wir uns treffen, ist sonnendurchflutet und doch kein Ort der Idylle, zumindest sonntags nicht. Dann wird hier der »Sport1 Doppelpass« produziert, und Jörg Wontorra, Udo Lattek und ihre Gäste unterziehen den deutschen Fußball einer zweistündigen Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Dazu spielt eine Band Fahrstuhl-Jazz, und am Ende gibt es Bier. Früher war Udo Lattek Kögls erster Trainer in der Bundesliga, beim FC Bayern.

Zwischen diesen zwei Welten spielte sich das Leben des Fußballers Ludwig Kögl ab, den alle immer nur Wiggerl genannt haben, und zwischen diesen beiden Welten bewegt er sich noch immer, heute, da er Spielerberater ist und Thomas Müller zu seinen Klienten zählt. Man interpretiert nicht zu viel in ihn hinein, wenn man behauptet, dass ihm die erste Welt lieber ist.

Jeden Samstag ging es ins »Le Visage«

Ludwig Kögl erzählt, dass er 1984 vor allem deswegen beim FC Bayern unterschrieb, weil er so bei seinen Eltern in Penzberg wohnen bleiben konnte, zwischen München und Garmisch, unweit des Starnberger Sees. Und dass er deswegen auch weiterhin jeden Samstagabend mit seinen Freunden im »Le Visage« einlaufen konnte, der örtlichen Diskothek. Dass er mit diesen Freunden noch heute befreundet ist. Und dass er das nur für Gladbach aufgegeben hätte, seiner Lieblingsmannschaft als Jugendlicher. Doch aus Gladbach kam kein Angebot.

Von 13 anderen Bundesligisten kamen Angebote, die Manager gaben sich im Kögelschen Haus die Klinke in die Hand, aßen Weißwurst und erklärten Vater und Sohn, warum der Wiggerl gerade zu ihnen kommen müsse. Die Kögls fanden, dass der Wiggerl daheim am besten aufgehoben sei, deswegen machte am Ende Bayern das Rennen.

Vom Porsche riet ihm Hoeneß ab

Bayern München, das war die andere Welt. Plötzlich musste er, der anderthalb Jahre zuvor noch in der untersten Jugendklasse für den FC Penzberg gekickt hat, zum »Bravo Star Treff«, machte Werbeverträge aus, gab Interviews und träumte von einem Porsche. Doch Uli Hoeneß fand, das mache bei einem Achtzehnjährigen keinen guten Eindruck, also ließ er es bleiben und besorgte sich ein Käfer Cabrio.

Er erzählt vom Weißbier mit den Bayern-Stars und wie es ihm manchmal auch zu viel wurde, etwa als er ins Sportstudio musste, statt mit der Mannschaft die Meisterschaft zu feiern, die erste von insgesamt sechs.

Am Ende fragen wir, ob er sich denn seinen alten Trainer Lattek manchmal im »Doppelpass« ansehe. »Schon«, sagt Kögl und erhebt sich aus seinem roten Sessel. Dann schaut er noch einmal nach draußen in die Sonne und lächelt: »Meistens habe ich aber was Besseres zu tun.«

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