17.02.2014

Der Abfindungswahnsinn beim HSV

Haben Sie mal 11,7 Millionen Euro?

Seite 2/3: »Wir sollten uns schämen!«
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imago

Thomas Doll
Zeit: 19.10.2004 - 31.01.2007
Siegquote: 45,6 Prozent
Abfindung: 900.000 Euro
Thomas Doll ging als einer der beliebtesten Trainer in die HSV-Geschichte ein. Was auch daran lag, dass ihm anfangs alles gelang. In der Saison 2004/05 führte er die Hanseaten von Platz 18 noch in die Nähe der Uefa-Cup-Ränge. In der zweiten Spielzeit mischte der HSV unter Doll sogar einige Zeit um die Meisterschaft mit. Am Ende wurde er Dritter. Doch wieder ließ der Absturz nicht auf sich warten, wobei der Vorstand vor der Entlassung länger mit sich  rang. Erst nach elf sieglosen Spielen in Folge musste Doll im Januar 2007 gehen. Immerhin: Der Trainer gewann die Auszeichnungen »Mann des Jahres im deutschen Fußball  2005« und »Hamburger 2005«.
 
Huub Stevens
Zeit: 02.02.2007 - 30.06.2008
Siegquote: 46.9 Prozent
Abfindung: – (freiwillige Vertragsauflösung)
Der Niederländer führte den HSV aus dem Abstiegsschlamassel direkt nach Europa. Dort schied die Mannschaft im Achtelfinale unglücklich gegen Bayer Leverkusen aus. In der Liga stand der HSV am 26. Spieltag auf einem sensationellen zweiten Platz, und Presse, Ex-Präsidenten, Ex-Spieler, Ex-Trainer, Ex-Maskottchen jubelten: »Wir sind wieder wer!« Am Ende erreichte die Mannschaft allerdings nur mit Ach und Krach die Europa League. Huub Stevens legte Ende Juni sein Amt nieder. Offizielle Begründung: Er wolle sich mehr um seine kranke Frau in Kerkrade kümmern. Wenige Wochen später unterschrieb er bei PSV Eindhoven.
 
Martin Jol
Zeit: 01.07.2008 - 26.05.2009
Siegquote: 55,9 Prozent
Abfindung: – (freiwillige Vertragsauflösung)
Die Wirren des Sommers 2008. Sogar der junge Mainzer Trainer Jürgen Klopp sprach beim HSV vor, doch weil er Hamburger Seidenschalträgern zu salopp erschienen war – er trug beim Vorstellungsgespräch eine Jeans – entschied man sich gegen Klopp und für einen weiteren Holländer. Doch auch Martin Jol hielt es auch nicht lange in Hamburg aus. Immerhin erlebten die Fans ein paar Glücksmomente: Das Team erreichte die Halbfinals im DFB-Pokal und der Europa League. In der Liga stand der HSV am 26. Spieltag punktgleich mit Tabellenführer VfL Woflsburg auf Platz 2. Wieder: Großes Hallo, große Jubelarien. Doch die Mannschaft rutschte erneut ab, Jols Miene verfinsterte sich und erst in der letzten Saisonminute konnte Piotr Trochowski dem HSV einen Platz im internationalen Wettbewerb sichern. Wenige Tage später bekam Jol ein Angebot aus Amsterdam und sagte zu. Die Fans fühlten sich veralbert, doch Jol versicherte, dass er vor der Entscheidung »ganz schlecht geschlafen« habe. Außerdem schmierte er noch ein bisschen Honig: »Beide Klubs, Ajax und der HSV, sind ganz große Vereine im Weltfußball, auf Augenhöhe.«  Nun, ja.
 
Bruno Labbadia
Zeit: 01.07.2009 - 26.04.2010
Siegquote: 37,5 Prozent
Abfindung: 1,2 Million Euro
Der einstige Stürmer der Rothosen trat einen Tag später die Nachfolge Jols an – und eigentlich lief es gar nicht schlecht. In der Europa League erreichte der HSV wieder das Halbfinale, am 24. Spieltag rangierte der Klub auf Platz 4. Doch zwei Spieltage vor Saisonende musste Labbadia gehen. David Jarolim sagte am Tag der Entlassung: »Wir sollten uns schämen.« Damit meinte er allerdings nicht die Entlassung, sondern die 1:5-Pleite in Hoffenheim. Das Tischtuch zwischen Mannschaft und Trainer soll zu dem Zeitpunkt aus verschiedenen Gründen bereits zerschnitten gewesen sein.
 
Ricardo Moniz
Zeit: 26.04.2010 - 30.06.2010
Siegquote: 50 Prozent
Abfindung: – (Interimstrainer)
Bruno Labbadias Co-Trainer Ricardo Moniz leistete für die letzten zwei Spieltage erste Hilfe. Die wichtigste Partie der Saison, das Europa-League-Halbfinal-Rückspiel beim FC Fulham, ging allerdings 1:2 verloren.
 
Armin Veh
Zeit: 01.07.2010 - 13.03.2011
Siegquote: 42,3 Prozent
Abfindung: –
Armin Veh begann seine Tätigkeit in Hamburg mit dem Satz: »Der HSV ist für mich eine große Nummer, ein toller Verein.« In der Winterpause war der HSV dann plötzlich doch eher beschissen. Veh schien keine Lust mehr zu haben und wetterte öffentlich gegen die Klubstrukturen. Die HSV-Führung kam einer Kündigung zuvor: Nach der 0:6-Pleite beim FC Bayern im März 2011 musste Veh seine Koffer packen. Der HSV belegte zu dem Zeitpunkt Platz 8. Vier Monate später pöbelte David Jarolim: »Wir haben in der ganzen Zeit nicht gewusst, was eigentlich unsere taktische Ausrichtung ist. Bei Huub Stevens sollte möglichst hinten die Null stehen, bei Martin Jol und Bruna Labbadia lautete die Vorgabe, offensiv zu spielen. Bei Veh wurde nicht klar, was er eigentlich von uns erwartete.« Ein Grund für das Nachtreten dürfte allerdings auch Jarolims Degradierung gewesen sein. Veh hatte ihm vor der Saison die Kapitänsbinde abgenommen.

 
 
 
 
 
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