Der 11FREUNDE-Sonderpreis: Fanaktion der Saison

Glückwunsch, Fankongress 2012!

Heute machen wir in Hamburg das ganz große Faß auf und ehren Spieler, Trainer, Newcomer und Manager der Saison 2011/12. Aber auch die Macher vom Fankongress 2012. Sie bekommen den 11FREUNDE-Sonderpreis. Warum, erklären wir hier.

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Randale, Gewalt, Chaoten. Das waren die Schlagworte, wenn es in der zurückliegenden Saison um die Situation in deutschen Stadien ging. Im vergangenen Jahr sind die Geschehnisse auf den Rängen und rund um die Fans in einem selten zuvor gekannten Maße in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Bilder von brennenden Fackeln oder von Zuschauern auf dem Rasen bestimmten den Rückblick. Doch da waren noch andere Bilder, die dieses Jahr geprägt haben.
Bilder von rivalisierenden Fangruppen, die sich zusammensetzen und diskutieren. Von Anhängern, die zum Dialog bitten und danach einträchtig zu Mittag essen. Die Bilder von einem zweitägigen Kongress im Berliner »Kosmos«, den die Fans selbst organisiert und finanziert hatten. Die Organisatoren von »Pro Fans« hatten gerufen – und mehr als 500 Teilnehmer von über 60 Vereinen aus ganz Deutschland kamen. So eng war die deutsche Fanszene lange nicht mehr zusammengerückt.

Diejenigen, die in den Kurven stehen, sind eben nicht Durchgeknallte mit Gewaltphantasien

Es war eine Veranstaltung, die die gängigen Vorurteile über Fans allesamt widerlegte. Diejenigen, die in den Kurven stehen, sind eben nicht Durchgeknallte mit Gewaltphantasien, billige Claqueure ihres Vereins oder alkoholisierte Selbstdarsteller. Fans erheben die Stimme, wenn das Spiel in die falsche Richtung läuft. Sie artikulieren ihre Meinung, debattieren sachlich und konstruktiv – und sie prägen den Fußball über Grenzen hinweg. Was in den neunziger Jahren mit Fanprojekten und Initiativen gegen Rassismus begann, fand durch den Fankongress seine Fortsetzung. In einzelnen Workshops und auch Podiumsdiskussionen setzten sich die Teilnehmer mit Themen wie Eintrittskartenpreise, Stadionverbote, Pyrotechnik oder Anstoßzeiten auseinander.
In diesen Tagen im Januar in Berlin wurde einmal mehr deutlich: Wer über die Zukunft des Fußballs diskutieren oder bestimmen will, wird die Stimmen der Fans nicht ignorieren können. Es gehört daher auch zu den Verdiensten der Organisatoren, dass sie gezeigt haben, wie geschlossen Fans für ihre Ziele einstehen. Aber auch mit welcher Reflektiertheit und welchem Mut zur Selbstkritik sie ihre Rolle annehmen. Der Fankongress hat bei vielen anwesenden Funktionären und Journalisten Eindruck gemacht und somit viel für die Wahrnehmung von Fans getan. Er kann zum vereinsübergreifenden Megafon der deutschen Fans werden.

Doch das Wichtigste beim Fankongress 2012 war die Botschaft: Wir Fans sind bereit zu einer Debatte. »Schluss mit Populismus! Lust auf Dialog statt Monolog«, war das Motto. So verschickten die Organisatoren Einladungen an führende Köpfe der Verbände und der Polizei. Nicht alle kamen dieser nach und erweckten den Eindruck, die Kommunikation über die Medien zu bevorzugen. Andere Vertreter wie beispielsweise der DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus, DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert oder Hannovers Präsident Martin Kind überzeugten sich vor Ort davon, wie ein kons­truktives Treffen aller Parteien aussehen kann.

Gespräche mit Fans sind nie Geisterdebatten, denn Fans gehören zu den Akteuren, die den Fußball mit ausmachen

Die zurückliegende Saison soll bald aufgearbeitet werden. Es bleibt zu hoffen, dass an den oft proklamierten »Runden Tischen« nicht wieder Stühle frei bleiben. Gespräche mit Fans sind nie Geisterdebatten, denn Fans gehören zu den Akteuren, die den Fußball mit ausmachen. Ein Dialog ist möglich, mehr noch: Er ist die einzige Lösung für die Zukunft. Dafür haben die Organisatoren des Fankongresses eine Wegmarke gesetzt.

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