Der 11FREUNDE-Nachmittag auf dem 11mm-Festival

Fortunas Legenden

138 Minuten Fortuna Düsseldorf, 138 Minuten Leidenschaft, Tränen, Wut, Freude, Trauer, Erinnerungen. 138 Minuten »Fortunas Legenden«. Am Sonntag um 14 Uhr läuft einer der besten Filme des diesjährigen 11mm-Festivals. Präsentiert von 11FREUNDE. 

11mm

Oft, sogar sehr oft flattern Vereinsfilme in die Redaktion, mit denen wir recht wenig anfangen können. Meist handelt es sich dabei um filmische Chroniken, die pathosgeschwängert selbst den Gewinn des Hallenpokals zu einem bundesweiten »Wir sind wieder wer«-Moment verklären oder in denen mit verwackelter Handkamera das verstaubte Vereinsheim abgeschritten wird.
 
Auch das mag einen gewissen Charme haben für eingefleischte Fans, die jedes Produkt mit dem Vereinsemblem aus den Regalen reißen, als würden diese vor der nächsten Hungerkrise schützen. Von daher hat unbestritten nahezu jeder Film über einen Fußballverein eine gewisse Berechtigung – sei es nur, um das Nostalgieverlangen der Anhänger zu befriedigen. Als relativ unbeteiligter Betrachter weiß man so manches mal jedoch recht wenig mit den filmischen Erzeugnissen anzufangen.

Diesen Film hätten auch andere Vereine verdient

Und dann selten, sogar sehr selten flattern Filme wie »Fortunas Legenden« in die Redaktion. Eine ohne Zweifel ebenfalls parteiische Auseinandersetzung mit einem Verein. Eine Hommage von Fans an ihr Lieblingssujet, die Gefahr hätte laufen können, Fortuna-Außenstehende mal so gar nicht zu tangieren. Doch dieser Film ist so viel mehr als ein reiner Vereinsfilm, er steht sinnbildlich nicht nur für Fortuna, sondern auch für andere Traditionsklubs. Er zeigt eindrücklich, dass der Fußball und die Helden des Spiels sich selbst überdauern, nicht durch Titel und Tore, sondern durch die Leidenschaft der Beteiligten, durch die Erinnerungen, die Emotionen. Einen solchen Film hätten auch viele andere Vereine verdient, aber wohl noch nie oder zumindest äußerst selten haben es Filmemacher vermocht, all das eben Aufgezählte so einzigartig auf Band zu bringen.

Warum ist das so? Da ist vor allem die Akribie der Macher zu nennen. Sie müssen unzählige Stunden Archivmaterial durchstöbert, eben so viele unzählige Stunden am Telefon und bei der Recherche verbracht haben. Andernfalls ergäbe sich nicht solch ein Fülle von außergewöhnlichen Interviews mit Betreuern, Fans, Trainern, Verantwortlichen, ehemaligen wie aktuellen Spielern, deren Anekdoten und Erinnerungen jeweils passend mit den raren Archivaufnahmen aus längst vergangenen Tagen unterlegt werden. Die Kamera ist dabei, wenn sich alte Weggefährten nach Jahrzehnten wieder treffen und sich in den Armen liegend von ihren Erinnerungen erzählen. Der Film begleitet die einstigen Helden auf Bahnfahrten, Stadion- und Heimatbesuchen. Das muss man erst einmal schaffen: Die Interviewten erzählen so frei von der Leber weg, als wäre gar keine Kamera dabei.


Großartig sind zudem die Aufnahmen inmitten des Fanblocks, wenn sich in den Mienen der Zuschauer die ganze Bandbreite an unterschiedlichen Gemütszuständen während eines Spiels widerspiegelt. Gesprächspartner wie der Kult-Physio Bernd Restle, Betreuer Aleks Spengler, die  Toten Hosen oder der ehemalige Keeper Georg Koch und all die anderen belohnen die Filmemacher für deren Aufwand mit ganz besonderen Geschichten. »Fortunas Legenden« arbeitet sich nicht chronologisch durch die Vereinshistorie, sondern thematisch. Immer mit der Trennung durch Klaviertöne und einem fröhlichen Pfeifen bei der Rundfahrt durch das sommerliche Düsseldorf, das bei dieser genauen Betrachtung gar nicht so sehr dem Klischee des St.Tropez am Rhein entspricht. 

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