Deco beendet seine Karriere

Im Schatten der Anderen

Er gilt neben Luis Figo und Cristiano Ronaldo als Portugals bester Spieler der letzten zwei Dekaden. Nun beendet Deco seine Karriere. Ein bisschen zu leise.

Deco hat in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« mal einen sehr schönen Satz gesagt. Er lautet: »Die besten Anführer sind die, die niemals danach strebten, ein Anführer zu werden.« Deco war einer von ihnen. Ein bisschen unauffällig manchmal, keiner, der breitschultrig vorwegging. So sah es jedenfalls aus.
 
Doch als der Schiedsrichter am Abend des 30. März 2003 auf Freistoß für Portugal entschied, war Deco sofort zur Stelle. Es war sein erstes Spiel für Portugal. Er hatte sich wenige Wochen zuvor einbürgern lassen, weil er »den Portugiesen etwas zurückgeben wollte«. Und nun ging es gleich gegen seine Heimat: gegen Brasilien.

Figo versus Deco
 
Die Platzhirsche hatten nichts von der Einbürgerungs-Idee gehalten. Rui Costa zum Beispiel sagte: »Wir brauchen ihn nicht.« Und auch Luis Figo, der Star von Real Madrid, sprach sich gegen eine Einbürgerung des Brasilianers aus. Einige Medien glaubten, der Grund dafür sei ein Foul Decos an Figo gewesen. Figo sagte jedenfalls: »Die Nationalhymne lernt man nicht, man fühlt sie.«
 
Doch dann stand Deco zwanzig Meter vor dem Tor, lief an und schoss den Ball durch die Mauer ins linke untere Eck. Portugals Coach Luiz Felipe Scolari, der Deco als Trainer Brasiliens noch gnadenlos ignoriert hatte, herzte seinen Schützen wie einen verlorenen Sohn. Es war nur ein Freundschaftsspiel, doch Portugal hatte dank Deco das erste Mal seit 1966 wieder gegen den großen Bruder Brasilien gewonnen.
 
Nach diesem Spiel wollte Deco nicht viel über das Tor sprechen. Sowieso überließ er das Reden meist den anderen. Sein Onkel hatte ihn, der eigentlich Anderson Luiz de Souza heißt, eines Tages »Deco« getauft, was eine Anspielung auf »de cuzinho« ist, wörtlich »der Esel«, im Brasilien aber Leute bezeichnet, die wenig reden, und wenn sie doch mal sagen, nuscheln sie.
 
Als Deco Brasilien verließ, war er 19 Jahre alt. Ein Geschäftsmann, der Anteile an Deco besaß, verkaufte ihn an Benfica Lissabon, und der Junge weinte, er wollte eigentlich gar nicht fort. Doch das Heimweh war bald vergessen, denn Deco brillierte in Portugal. Allerdings nicht in Lissabon, sondern beim Zweitligisten FC Alverca (an den Benfica ihn prompt weiter transferiert hatte) und später in Porto.

José Mourinho, der Erfinder von Deco?
 
José Mourinho schrieb sich häufig auf die Fahne, Deco zu einem Topspieler gemacht zu haben. »Er ist der Erfinder von Deco«, titelte einmal eine portugiesische Zeitung. Dabei spielte Deco bereits drei Jahre beim FC Porto, bevor Mourinho dort Trainer wurde.
 
Allerdings gewannen die beiden zusammen 2003 das Tripe aus Uefa-Cup, Pokal und Meisterschaft und ein Jahr später das Double aus Meisterschaft und Champions League. Hier entwickelte sich Decos Spiel von Zauberei zu einem rationalen, aber immer noch kunstvollen Spiel. Manchmal spielte Deco den Ball mit der Hacke, manchmal tunnelte er seine Gegner, doch er tat es nur, wenn es ihm effizient erschien. Seine Vorbilder waren Zinedine Zidane und Raul. Typen, die tricksen konnten, aber ein großes Spielverständnis hatten. Sein Leitsatz stammte von seinem Vater: »Er hat mir beigebracht, nachts zu träumen und tagsüber zu arbeiten.«

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