Davids gegen Goliaths in der 1. DFB-Pokalrunde

Das Leben ist eine Lostrommel

Bei der Auslosung zum DFB-Pokal haben die kleinen Vereine in ihren Klubheimen gehofft und gebangt. Ein Traumgegner sollte her, der ein volles Haus verspricht und Spektakel. Wir prüfen sechs Erstrundenpartien auf ihr Sensationspotential. Davids gegen Goliaths in der 1. DFB-Pokalrunde

FC Teningen – FC Schalke 04

Zwischen Schwarzwald und Kaiserstuhl taumelt eine kleine Gemeinde ins Delirium, denn seit Samstag ist klar: der amtierende Pokalsieger aus Gelsenkirchen kommt! Kaum hatte Célia Okoyino da Mbabi das Los gezogen, brach auch schon die Homepage der Südbadener zusammen. Damit Gleiches nicht dem hiesigen Friedrich-Mayer-Stadion dräut, wird ein Umzug nach Freiburg erwogen. Bei Ralf Rangnick dürfte mit Blick auf die Tabelle der Landesliga 2 indes der Angstschweiß fließen, immerhin verwiesen die Teninger hier den SC Wyhl und auch die SF Elzach-Yach auf die Plätze. Ein Erstrundenaus vermeidet Schalke 04 zwischen dem 29. Juli und 1. August dann auch nur dank Jefferson Farfan. Dem Peruaner hat sich die TV-Schalte ins Klubheim des FC Teningen, das kollektiv »Raúl, Raúl« kehlte, eingebrannt. Majestätsbeleidigt erwägt er erst einen Spielboykott, netzt dann aber trotzig dreifach ein in der Vorbergzone des Schwarzwaldes. Seinen Namen ruft trotzdem keiner.

11FREUNDE-Tipp: 1:3 (0:3)

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TSV Germania Windeck – TSG 1899 Hoffenheim

Man musste sich das Gastronomiezelt, in das der Vorstand von Germania Windeck zum Public Viewing der Auslosung lud, als bedrückenden Ort vorstellen. Nur wenige Tage zuvor hatten die Vereinsoberen bekannt gegeben, dass man den Aufstieg in die Regionalliga an Fortuna Köln ab- und künftig auch nicht mehr in der NRW-Liga antreten werde. Und jetzt sollte bei Bratwurst und Bier Pokal geguckt werden. Schlimmer gehts nimmer, dachten sich die Windecker, da trat die Losfee ihnen, die sie schon am Boden lagen, noch mal kräftig in die Rippen. Der Erstrundengegner kommt aus Sins-, nennt sich aber Hoffenheim. In den beiden Vorjahren hatte man noch Schalke 04 und die Münchener Bayern empfangen dürfen. Wie wenig Traumlos die TSG ist, zeigt er der Umstand, dass der Gegner dem Onlineauftritt bis zum Dienstag noch keine Erwähnung wert war. Mit tränenverschleiertem Blick taumelt Windeck dann auch gegen Stanislawskis Mannschaft aus dem Wettbewerb. 212 Zuschauer machen jede Erinnerung an die Rekordkulisse gegen Rekordmeister im letzten Jahr umso schmerzhafter. Das Trostplaster heißt Mittelrheinliga.

11FREUNDE-Tipp: 0:7 (0:7)

BFC Dynamo – 1. FC Kaiserslautern

Endlich mal wieder darf der BFC Dynamo die Luft der großen Fußballbühne schnuppern. Zehn Meistertitel in Folge fuhren die Berliner zu DDR-Zeiten ein, da noch hofiert von Stasi-Chef Erich Mielke. Jetzt darbt man durch die Oberliga Nordost, hofiert von einer problematischen Fanszene. Für Schlagzeilen sorgt man allenfalls noch mit verdächtiger Frakturschrift im Vereinslogo. Der DFB-Pokal wird deshalb zur willkommenen Abwechslung. Auf der Tribüne haben gegen den 1. FC Kaiserlautern sentimentalschwangere Sätze Hochkonjunktur. Diese beginnen entweder mit »Ach, damals war ja ...« oder auch »Weißt du noch, wie wir ...«, und verenden in einem kopfschüttelnden Seufzen.

11FREUNDE-Tipp: 2:4 n.V. (2:1)

ZFC Meuselwitz – Hertha BSC Berlin

Der Zippendorfer Fussballclub Meuselwitz, dieser Gigant aus dem Altenburger Land, empfängt mit der Berliner Hertha den neuen In-Klub der Hauptstadt. Schon Public Enemy rieten allerdings, dem Hype nicht zu glauben, und so basteln die Gastgeber an einer Überraschung, die keine ist. Denn seit einigen Jahren weiß man, dass sich Hertha zu Pokal verhält wie Eddy the Eagle zum Skispringen: Man macht mit, kommt aber nicht weit. Von den vereinseigenen Cheerleadern nach vorne gepuschelt, zieht Meuselwitz in die 2. Runde ein. Zum Helden avanciert beim Regionalligist der neue Keeper Norman Teichmann. Mit der klingenden Referenz, »nicht nur in Altenburg Stammtorhüter« (O-Ton Homepage) gewesen zu sein, wächst er an diesem Tag über sich hinaus und pariert alles, also zwei Fernschüsse.

11FREUNDE-Tipp: 2:0 (1:0)

SV Sandhausen – Borussia Dortmund

Der deutsche Meister reist ins Hardtwaldstadion. Was ihn da erwartet? Ein Drittligist, der schon einmal bewiesen hat, dass er für den Pokal alle Regeln des Sports über Bord zu werfen bereit ist. Im Mai 2010 ergab es sich, dass Sandhausen im Halbfinale des badischen Pokals gegen den FC Nöttingen ausschied. Glück im Unglück bedeutete allein der überraschende Durchmarsch der zweiten Mannschaft bis ins Finale. Herzlich wurde der Reserve gedankt, nur um die Spieler zu ersetzen – mit, man ahnt es, dem Profikader. So sah sich der FC Nöttingen de facto erneut dem Team gegenüber, das er schon besiegt zu haben glaubte. Über alle Maßen verwirrt gab man der zweiten, also eigentlich ersten, der Sandhausener Mannschaft jedenfalls, klein bei. Weil jetzt auch gegen den BVB eine Überraschung gelingen soll, muss mit ähnlichen Hütchenspielertricks gerechnet werden. Wir sehen Jürgen Klopp, wie er sich mit zornesrotem Gesicht über die von Trainer Gerd Dais aufgebotenene Jazzdancerinnen aufregt, die den Ball einfach ins Tor getänzt hätten, »dabei lag der Neven im Sechzehner am Boden.« Der Pokal hat keine eigenen, sondern gar keine Gesetze.

11FREUNDE-Tipp: 2:1 (0:0)

RB Leipzig – VfL Wolfsburg

Das Duell zweier ungeliebter, weil fremdgeldgeförderter Vereine wird zum Kräftemessen der Großkonzerne. Dietrich Mateschitz dopt seine Spieler mit Energiebrause, die VW-Bosse stellen ihrem Kader für den Fall der Finalteilnahme den zwölften Golf als Prämie in Aussicht. Eine verfahrene Pattsituation, die einzig Spielmacher Diego zu entscheiden vermag. Gleich zwei Mal trifft er – ins eigene Tor, um seinen Abschied aus der Autostadt zu erzwingen. Der Skandal bleibt dem Publikum fast unbemerkt, das sich größtenteils aus Protestfans rekrutiert. Aus der ganzen Fußballrepublik sind sie angereist, um ihrem Unmut über Kommerzialisierung im Fußball im Allgemeinen und RasenBallsport (sic!) Leipzig im Speziellen Luft zu machen. Das Event wird mehr Montagsdemo als Pokalschlacht.

11FREUNDE-Tipp: 3:4 n.E. (2:2 n.V., 1:1)

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