19.06.2012

Das ZDF und die Tabellenarithmetik

Die Hoffnung stirbt zuerst

1:0 stand es im Spiel zwischen Spanien und Kroatien, der Ausgleich war im Bereich des Möglichen. Er hätte alles verändert. Nur für das ZDF und seinen Kommentator Bela Rethy nicht. Weil sie das Turnier-Reglement nicht verstehen, übersehen sie ein Drama nach dem anderen.

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»Die Kroaten haben noch ein bisschen Hoffnung«, sagt ZDF-Kommentator Bela Rethy in der 90. Minute. Es steht 1:0 für Spanien, im Parallelspiel der Gruppe C führt Italien 2:0 gegen Irland. Bedeutet: Italien und Spanien sind in diesem Moment weiter, Irland war schon vorher raus. Was aber wird aus Kroatien? Was muss geschehen, damit sich das Blatt für sie noch wendet? Und was genau ist »ein bisschen Hoffnung«?

Mit voller Kraft gehofft wird bei dieser EM schon längst nicht mehr, jedenfalls nicht auf Seiten des Fernsehzuschauers. Zu verunsichert ist er von der Tabellenarithmetik der Uefa, als dass er noch wüsste, worauf genau er denn nun hoffen sollte. Ein Tor? Zwei? Gar keins? Gottes Hilfe? Hoffnung sei, so heißt es, eine schöne Erinnerung an die Zukunft. Das Problem: Der Zuschauer versteht nicht mal mehr die Gegenwart. Und sie wird ihm leider auch nicht erklärt.

20 Sekunden später, mitten hinein in einen verzweifelten Angriff der Kroaten, sagt Bela Rethy plötzlich: »Der Käse ist gegessen.« Warum nun das? Ist ein ZDF-Mathematiker mit seinem Karteikärtchen im Anschlag in die Sprecherkabine geplatzt? »Halt inne, Bela! Wir haben noch mal nachgerechnet!« Selbst wenn: Rethy behält geflissentlich für sich, welche neuen Informationen ihm nun vorliegen. Bloß dass irgendein dubioser Käse gegessen worden sei, dringt nach außen.

Kommentar vorbei am Drama

 
 
 
 
 
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