Das Vorgehen der Serie A gegen »territoriale Diskriminierung«

»So einen Unsinn gibt es nur in Italien!«

Seit diesem Sommer stehen Schmähungen gegen andere italienische Vereine in der Serie A unter harten Strafen. Den Kurven war das bislang egal – nun gibt es mit dem AC Mailand ein erstes prominentes Opfer.

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Lex dubia non obligat. »Ein ungerechtes Gesetz ist überhaupt kein Gesetz«, heißt es sinngemäß bei Augustinus von Hippo. Augustinus war Römer. Ein bemerkenswerter Zufall, wenn man bedenkt, dass sich dieser Leitspruch derzeit hervorragend eignet, um ihn in Versalien über sämtliche Stadioneingänge der Serie A zu meißeln.

Anhängerschaft und Vereine würden »Lex dubia non obligat« spätestens bejahen, seit die von Natur aus aufgedunsenen Vorschriften des nationalen Fußballverbandes »Federcalcio« im vergangenen Sommer um eine erstaunlich sinnfreie Klausel erweitert wurden: Artikel 11, Nummer 3, Absatz 1, Buchstabe D stellt die sogenannte »territoriale Diskriminierung« gesetzlich unter Strafe. Geahndet werden die Vergehen mittels Kurven- oder weiterführend Stadionsperren. Im schlimmsten Fall können sie gar zu einer Wertung am »grünen Tisch« führen – 0:3 hätte die jeweilige Mannschaft das betreffende Spiel dann verloren.

Dabei hat die verbale Provokation und Diskriminierung von Landsleuten durchaus Tradition im Land des viermaligen Weltmeisters. Auch nach der Einheit von Nord- und Süditalien vor über 150 Jahren haben die gegenseitigen Pöbeleien nie aufgehört. Für die meisten Bewohner des Piemont, der Lombardei und der Region Venetien sind ihre Nachbarn aus dem Süden schlichtweg »Terroni«, was so viel wie »Erdfresser« bedeutet. Die Planungen zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit führten vor zwei Jahren zu ernsthaften Konflikten.

Artikel 11, Nummer 3, Absatz 1, Buchstabe D – erstaunlich sinnfrei

Das Anliegen des von rassistischen Vorfällen gebeulteten italienischen Verbandes, Diskriminierung aller Art zu bannen, ist genauso ehrenwert wie selbstverständlich – und es wird mittlerweile geradezu militant verfolgt. So fußen derweil selbst innerländische Schmähungen auf gesetzliche Grundlagen.

Zuvorderst traf es nun den ohnehin kriselnden AC Mailand. Weil dessen Anhänger ihre Affronts gegen Neapolitaner vor und während der 2:3-Niederlage gegen Juventus Turin am vergangenen Sonntag nicht unterließen, wird das »Guiseppe-Meazza-Stadion« nach der Länderspielpause leer bleiben: Gegen Udinese Calcio muss Milan am 19. Oktober ein Geisterspiel bestreiten. Die erste Kurvensperre setzte es nach einem Heimspiel gegen Samdoria Genua. Beide Male waren die verschmähten Bewohner Neapels also nicht mal in der Nähe.

50.000 Euro Bußgeld treffen die klammen »Rossoneri« nun zusätzlich. »Zu behaupten, dass ich sauer bin, wäre hoffnungslos untertrieben«, zürnte Manager Adriano Galliani, »so einen Unsinn gibt es nur Italien!« Sein Furor ist verständlich – das Einzige, was die Milan-Fans angestimmt hatten, war der Spruch »Wir sind keine Neapolitaner!«. Womit sie nachweislich Recht hatten.

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