Das Verbalduell zwischen Kahn und Klopp im Wortlaut

»In meiner Rolle als Uno...«

Beim ZDF kam es gestern Abend zum Wortduell der Super-Egos Kahn und Klopp. Besondere Würze bekam diese Konstellation durch ein zuvor ausgetragenes Scharmützel beider Parteien über die Presse. Alles war angerichtet für einen Verbalfight der Extraklasse. Doch dann kam Oliver Welke.

ZDF

Nach der mehr oder minder dezidierten Analyse des Spiels gegen Zenit St. Petersburg sucht ZDF-Mann Oliver Welke die Flucht nach Vorne und versucht die beiden Streithähne Oliver Kahn und Jürgen Klopp zu versöhnen. In der Folge entspinnt sich folgendes Gespräch:

Welke: Wir hängen schon tierisch in der Zeit, aber ich möchte noch eine Szene zeigen, weil sich ja einer leider nicht belohnt hat, im Sinne, dass er beim Viertelfinale mitmachen darf – nämlich Lewandowski. Jetzt dann gesperrt wegen dieser Szene. (Szene wird eingespielt) Und was man vorhin vielleicht nicht so gesehen hat, klar die Hand geht ziemlich hoch, aber so ein Schubsen, da kann natürlich auch die ganze Koordination ein bisschen durcheinander bringen, nä? In der Entstehung dieses Handspiels, was der Schiedsrichter dann gesehen hat.
Kahn: Ja, er wird von Criscito ein bisschen, ääh, weggestoßen, aber weiß ich nicht, ob das unbedingt rechtfertigt, dass er dann da die Hand hoch nimmt. Der Schiri hat das, öh, glaube ich in den Mittelpunkt gestellt.
Klopp: (zieht die Augenbrauen hoch) Da hätte ich Oli Kahn gerne mal gehört, als Spieler noch...
Kahn: Das, äh, das er, äh…
Klopp: Muss ich echt sagen.
Welke: Hätte er anders eingeschätzt?
Klopp: Wenn das eine Gelbe Karte ist, dann lach ich mich kaputt. Also mal ohne, also is ja eh Wurscht, is ja eh gegeben. Aber er wird gestoßen…
Welke: Hier sehen wir es noch mal... (Szene wird erneut eingeblendet)
Klopp: … Und der vierte Schiri sagt zu mir: »Weil er das Tor mit der Hand machen wollte.«
Welke: Hm.
Klopp: Ja.
Welke: Da ist noch mal die Szene.
Kahn: (schaut ins Leere) Ja, sag ich ja. Das hat er nicht bewertet, eben das wegstoßen, hat er vielleicht nicht gesehen, sondern er hat nur das Handspiel bewertet. Wenn man beide Situationen bewerten würde, natürlich, dann muss nicht unbedingt Gelbe Karte geben. (Klopp zuckt zusammen) Das ist, das ist…
Klopp: Man darf keine Gelbe Karte geben. So fertig.
Kahn: (schaut ins Leere) Ja.
Welke: Wo ihr eh gerade euch so schön warmgemacht habt, muss ich natürlich fragen: Wie ist das aktuelle Binnenverhältnis zwischen den beiden Herren jetzt, nachdem Oli Kahn ihre Kritik an Matthias Sammer als »respektlos« bezeichnet hat in seiner Kolumne. (Kahn guckt entgeistert zu Boden, Klopp kratzt sich den Bart)
Klopp: Wir hatten noch nie eins.
Welke: (überrascht) Ein Verhältnis? (wieder beruhigt) Ach so..
Klopp: Außer, dass wir uns hier vielleicht getroffen haben ab und zu. Aber Oli Kahn hat immer in Ligen gespielt, mit denen ich nix zu tun hatten (Kahn schmunzelt) Und, ähm, dementsprechend kann er sagen, was er will und ich glücklicherweise ja auch. Und, ähm, deswegen gibt es nicht vielmehr dazu zu sagen.
Welke: Alles klar. Gut, dann bedanke ich mich ganz herzlich…
Kahn: (schaut ins Leere) Ich glaube…
Welke: Ach so, Oli möchte doch noch was dazu sagen.
Kahn: (lacht) Ne…
Welke: Oli, wie gesagt, wir hängen schon, aber bitte…
Kahn: (lacht immer noch) Ne, ich möchte nichts sagen, um Gottes Willen, aber ich glaube, es geht schon darum, dass, äh, der ein oder andere durchaus auch, wenn man austeilt, dann muss man auch das ein oder andere mal einstecken können. (Klopp schmunzelt) Und da…
Klopp: (zustimmend) Ja, ja.
Kahn: (schaut ins Leere) … muss man ja nicht auf alles immer so sensibel reagieren.
Klopp: Ich bin überhaupt nicht sensibel. Nur er hat mich ja nach nem Verhältnis gefragt. Hatten wir jemals eins? Also… (Welke lacht) So. Er hat gesagt, was ich gesagt haben war, ähm...
Welke: Respektlos.
Klopp: Respektlos und unverschämt. (Kahn schmunzelt, leckt sich die Lippen)
Welke: Hm.
Klopp: Dass war das, zu dem ich mich geäußert habe, übrigens auch. Und wie soll man darauf reagieren? Und das war schon alles. Und dann…
Kahn: (schaut ins Leere) Ja, aber ich find, wie gesagt, ich finds schon wichtig. Ich mein, man kann sich auseinandersetzen im Fußball, hab ich überhaupt kein Problem, auf ner, auf ner…
Klopp: Weiß ich.
Kahn: … auf ner sachlichen Ebene und ner inhaltlichen Ebene. Ich find es halt nur immer ein bisschen problematisch, wenn es dann auf die persönliche Ebene geht…
Klopp: Das war überhaupt nicht persönlich...
Kahn: (schaut ins Leere) Aber, aber wie gesagt, ich verstehe das auch. Wenn man als Trainer in so einer Situation ist, wie sie sich jetzt bei Borussia Dortmund stellt. Wo man mit vielen Widrigkeiten einfach auch umgehen muss. (Klopp grinst, runzelt dann verwundert die Stirn) Das zehrt, das zehrt auch ein bisschen an den Nerven…
Klopp: (schüttelt den Kopf) Das hat damit gar nichts zu tun.
Kahn: (schaut ins Leere) Das, das verstehe ich…
Welke: Ich hab ein bisschen die Angst, das die Zuschauer, die das Fernduell der Herren, das ja zum Teil über Printkolumnen ausgetragen wurde, (Kahn grinst, Klopp mahlt mit dem Kiefer) jetzt denken, sie gucken chinesisches Fernsehen und gar nichts mehr verstehen. (Wendet sich Klopp und Kahn zu) Deswegen würde ich meiner Rolle als Uno an dieser Stelle einen Strich ziehen. (Reicht Klopp die Hand) Noch mal herzlich gratulieren zum Einzug ins Viertelfinale… (schüttelt Klopp die Hand, Klopp schüttelt Kahn die Hand) Und mich bedanken für den Besuch im Studio…
Klopp: Alles klar. (Klopp verschwindet in der laufenden Moderation) Ciao!
Welke: Wir haben nämlich noch ein Spiel, einmal laufender Ball fehlt noch. Nämlich die Partie Chelsea gegen Galatasaray…



Und so geht sie dahin, die Chance, einen Konflikt, der offenbar gar keiner ist, sondern nur zu einem gemacht wurde, aus der Welt zu schaffen. Das könnte man kommentieren, stundenlang darüber diskutieren, seitenlang analysieren und ... oh, aber wir hören gerade, dass wir noch eine alte Spielzusammenfassung zeigen wollen: Chelsea gegen Galatasaray.

Hier gibt es das Schauspiel im Video aus der ZDF-Mediathek

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