Das Topspiel Stuttgart - Bayern in der Analyse
12.12.2011

Das Topspiel Stuttgart - Bayern in der Analyse

Der Geist von van Gaal

Diszipliniert verteidigt, aber nichts geholt: Zehn Stuttgarter halten gut dagegen, können aber am Ende gegen schludrige Bayern keinen Punktgewinn verbuchen. Tobias Escher analysiert für 11FREUNDE das Topspiel vom Wochenende: Stuttgart gegen den FC Bayern.

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Tobias Escher
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Imago

Im Kampf um die Herbstmeisterschaft wollten die Bayern keine Punkte liegen lassen. Trainer Jupp Heynckes setzte daher im gewohnten 4-2-3-1 auf die Bestbesetzung mit Robben und Ribery. Der VfB Stuttgart trat ebenfalls mit einem 4-2-3-1 an, das in der Defensive zu einem 4-4-1-1 wurde. Mit ihren zwei Viererketten bauten sie sich weit weg vom eigenen Tor auf. Labbadia wollte den Münchern den Raum für deren Kombinationen nehmen. So rückten Kvist und Gentner abwechselnd etwas zurück, um keine Lücken zwischen den Reihen zu lassen. Vorstöße wagten die Stuttgarter über die Außen, Linksverteidiger Molinaro leitete so mit einer Flanke das frühe 1:0 ein(6.). Die offensiven Außenverteidiger sorgten aber auch für Lücken hinten, so dass Rafinha kurze Zeit später mit seiner Flanke Gomez‘ Ausgleichstreffer auflegen konnte (13.).



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In der Folgephase taute das Spiel ab. Die Schwaben gingen nun sehr robust in die Zweikämpfe. Nach einer halben Stunde hatten sie bereits zehn Fouls auf dem Konto – in den vergangenen Spielen hatten sie durchschnittlich 15 Stück in 90 Minuten ausgeübt. Es war keine Überraschung, dass Schiedsrichter Gräfe zunehmend Karten verteilte. Leidtragender war Molinaro, der mit gelb-rot vom Platz musste (29.).

Stuttgart verteidigt diszipliniert

Die rote Karte warf die Stuttgartern nicht zurück, im Gegenteil: Sie waren nun gezwungen, taktisch disziplinierter zu stehen. Gebhart, der die Linksverteidigerposition übernahm, nahm seine Verteidigungsaufgaben ernst und machte mit 18 gewonnenen Zweikämpfen (nur Maza hatte mit 23 mehr) gegen Robben einen guten Job. Das Zurückfallen der defensiven Mittelfeldspieler funktionierte ebenfalls besser, die Zwischenräume wurden effektiver geschlossen. Diszipliniert hielten alle neun Feldspieler ihre Positionen, so dass die Münchener gegen zwei enge Viererketten anliefen.  So gab es bis zum Halbzeitpfiff keine Chancen mehr.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit musste man sich fragen, ob man nicht aus Versehen auf die Übertragung des Handballspitzenspieles THW Kiel gegen HSV Hamburg umgeschaltet hat. Die Stuttgarter standen nun wesentlich tiefer als in der ersten Halbzeit. Ihre zwei Viererketten verschoben sie geduldig. In dieser Phase hatte der FC Bayern fast 80% Ballbesitz.

Bayern machen die Führung und lassen dann nach

Die Gäste bissen sich an der gegnerischen Verteidigung fest. In diesen Momenten sah man, dass der Geist von van Gaal in den geduldigen Spielverlagerungen noch spürbar ist, aber von Heynckes weiterentwickelt wurde: Ribery, Müller und Robben tauschten ständig die Positionen, auch Kroos ging öfters nach vorne und wurde auf der Sechs von Müller vertreten. Dass die Stuttgarter gut gegenhielten, hatte mit ihrer starren Ordnung zu tun. Hier machte sich die Trainingsarbeit Labbadias bezahlt –er übt das Verschieben in zwei Viererketten oft und lange, gerne auch ohne Ball. Doch die Bayern kombinierten mit all ihrer Kreativität dagegen an, und so vollendete Gomez einen schönen Pass von Lahm zum 2:1 (57.).

Die restlichen 30 Minuten fallen unter die Kategorie »unnötiges Aufbauen des Gegners«: Die Bayern begannen zu schwimmen. Labbadia hatte offensiv gewechselt und Pogrebnyak und Cacau gebracht, allerdings hatten die Schwaben noch immer kein überzeugendes Kreativspiel anzubieten. Über 90 Minuten spielten sie gerade einmal 157 Pässe (75% Passgenauigkeit), genau 450 weniger als ihre Gegner. Trotzdem kamen sie am Ende vermehrt gefährlich vor das Tor, weil die Münchener Viererkette sie mit haarsträubenden Fehlpässen einluden. Am Ende fehlte den Stuttgartern aber der sprichwörtliche »Bayern-Dusel«, und so kamen die Münchener nach 60 überdurchschnittlichen und 30 schwachen zum Sieg.

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