Das Topspiel Bayern gegen Nürnberg in der Taktikanalyse

Willkommen in der Dominanz-Arena

Nach dem 4:0-Sieg überlegen die kommenden Bayern-Gegner, ob sie überhaupt antreten wollen, falls nicht würde das Spiel wenigstens nur mit 0:2 gewertet. Unser Taktikexperte Tobias Escher verdeutlicht anhand der vier Treffer, warum die Bayern aktuell nur schwer zu schlagen sind. Das Topspiel Bayern gegen Nürnberg in der TaktikanalyseImago / spielverlagerung.de

Bayern München ist derzeit klarer Tabellenführer der Liga, nicht nur nach Punkten. Kein Team hat mehr Ballbesitz (rund 65%), keines eine höhere Passgenauigkeit (knapp 90%), selbst in puncto gewonnene Luftzweikämpfen (zwei Drittel) sind sie klarer Spitzenreiter. Wenn man so will, können die Bayern den Ball 90 Minuten lang in den eigenen Reihen laufen lassen. Schmerzlich bekam das am Samstagnachmittag der 1. FC Nürnberg zu spüren. Am Ende hatten die Bayern 72% Ballbesitz – das aber auch nur, weil sie nach der 3:0-Pausenführung und 79% Ballbesitz etwas die Zügel schleifen ließen.

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Hecking wollte mit einem 4-1-4-1 und einer dichten Staffelung den Bayern den Zahn ziehen. Durch die reaktive Taktik konnten sich die Münchener Verteidiger den Ball in aller Seelenruhe untereinander zuspielen. Kein Wunder, dass Badstuber, Rafinha und van Buyten zusammengenommen mehr Ballkontakte hatten als die gesamte Nürnberger Mannschaft. Trotz einer relativ gut sortierten Nürnberger Abwehr, die immer zwei Gegenspieler gegen den Ballführenden aufbot, hatten die Münchner genug Klasse, um vier Tore zu erzielen.

Die Tore eins bis drei

Anhand der Treffer lassen sich die Stärken der Bayern sehr gut erläutern. Beim 1:0 Führungstor waren die zahlreichen Rochaden im Mittelfeld deutlich zu erkennen: Anders als im starren System von van Gaal dürfen die Akteure unter Heynckes miteinander die Positionen tauschen. Auf diese Weise können die Bayern-Akteure ihre individuellen Stärken auf dem ganzen Feld zur Geltung bringen. Zudem reißen sie Löcher in tief stehende Defensivreihen. Vor dem 1:0 tauchte Kroos auf der Sechs, Müller auf der Zehn und Schweinsteiger im rechten Mittelfeld auf. Letzterer flankte auf den Kopf des torgierigen Gomez, der sich nicht zweimal bitten ließ (2.).



Das 2:0 zeigte weitere Vorteile dieser flexiblen Grundordnung: Bei einem Einwurf von der linken Seite waren Ribery, Kroos und Müller allesamt auf dieser Seite zu finden, die andere Seite wurde freigelassen. Die Münchner hatten eine Überzahl in Ballnähe geschaffen. Zusammen mit Lahm kombinierten sie sich vor das Tor, wo Gomez den Ball auf Schweinsteiger ablegte. Dessen Stärke bei Fernschüssen machte sich bezahlt, er netzte zum 2:0 ein (19.). Endgültig entschieden war das Spiel nach dem 3:0. Hier zeigte sich die große Klasse von Ribery, der unter Heynckes zur Topform gefunden hat. Sein Zusammenspiel mit Lahm ist ein wichtiges Puzzlestück. Nürnberg ließ ihm nur wenige Meter Platz, die er gnadenlos ausnutzte (39.).

Variabler Spielaufbau führt zu Treffer vier

In der zweiten Halbzeit konnten die Bayern es ruhiger angehen lassen, dennoch spielten sie sich viele Chancen heraus. Dankbar nahmen sie an, dass die Nürnberger nur auf Schadensbegrenzung aus waren und keinerlei Pressing ausübten. Dank des fehlenden Drucks konnten die Innenverteidiger im Spielaufbau glänzen. Mal spielten sie den Ball gemächlich durch die eigenen Reihen, mal wagte van Buyten lange Bälle auf Außenbahn. Vor dem 4:0 war es Badstuber, der mit einer tollen, flachen Spieleröffnung Kroos hinter der aufgerückten Nürnberger Abwehr anspielte. Dessen flache Flanke verwertete Gomez (68.).

Große Flexibilität im Mittelfeld, starke Individualisten, variabler Spielaufbau – die Stärken der Bayern sind vielfältig. Da sie auch defensiv gut stehen und die Bälle zurückerobern, wirkt so manch ein Gegner eher wie ein Sparringspartner. Heckings Nürnberger gehörten an diesem Samstag eindeutig zu dieser Kategorie.

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Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.

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