Das Stadion der Träume

Zündfunke von den Stehplätzen

11 FREUNDE ist unter die Bauherren gegangen und hat für die aktuellen Ausgabe »Das Stadion unserer Träume« errichten lassen. Eine Nachbesprechung mit Projektleiter Axel Bienhaus von vom Architektur- und Planungsbüro Albert Speer & Partner über reale Umsetzungsmöglichkeiten, die Wichtigkeit von Stehplätzen und lokaler Wurst.

HH Vision

Axel Bienhaus, Stehplätze auf beiden Längsseiten, Sitzplätze nur hinter dem Tor: Können Sie sich Investoren vorstellen, bei denen sie mit diesen Vorschlägen durchkommen?
In der Konsequenz würde es sicherlich schwer, aber ich fände es eine interessante Diskussion. Und wir haben Beispiele wie in Offenbach, wo die Fans nach dem Umbau des Stadions immer noch auf der Gegentribüne stehen und das der Clubführung von Beginn an sehr wichtig war. Wenn man sich zudem anschaut, dass in Leverkusen die ersten Logen hinter dem Tor waren, ist das so abwegig nicht.

Was würden Sie zu dem Vorwurf sagen: »Das ist doch populistisch, es wollen gar nicht mehr so viele Leute stehen, der Bedarf an Sitzplätzen ist mittlerweile höher«?
Wir haben den Stehplätzen enorm viel Raum gegeben, so etwas ist sicherlich stark standortabhängig. Es gibt allerdings durchaus Bundesligisten, die mehr Stehplätze vertragen könnten. Andererseits wird Fußball immer stärker auch zum Familienevent für Leute, die Komfort genießen und lieber sitzen wollen. Und warum sollte man die ausschließen? Generell ist sich die Branche aber einig, dass die Stimmung in den allermeisten Stadien von den Stehplätzen ausgeht. Der Zündfunke kommt von dort, daher muss man ihnen auch eine gewisse Wichtigkeit geben.

Ist das wirklich so?
Ja, natürlich.

Sagen sie das jetzt als Fußballfan oder als Planer von Stadionprojekten?
Auch als Planer. Man darf eins nicht vergessen: Wir arbeiten letztlich für Leute, die Fußballfans sind und in einem Stadion sein wollen, das eine gewisseeine optimale Atmosphäre bietet. Egal, ob man mit 11 FREUNDE oder mit Vereinen wie den Offenbacher  Kickers arbeitet, man hat es mit Leuten zu tun, die mit so viel Herzblut an solche Sachen gehen wie man selbst. Wir haben beispielsweise bei Vorbereitung des Verfahrens für der die Allianz Arena die Anordnung der Logen vor allem unter dem Gesichtspunkt diskutiert, wie wir die Logen so unterbringen können, dass die Stimmung auf den Rängen nicht durch die Logen unterbrochengestört wird. Darum ging es in 90 Prozents war bei unserer Diskussionen im Vorfeld das Kriterium mit der höchsten Priorität.

Das klingt jetzt fast schon romantisch.
Ist es aber nicht, denn ein Stadion muss heute viel stärker als vor 15 oder 20 Jahren etwas bieten, das ich zu Hause nicht haben kann.  Es muss die die atmosphärische Dichteunmittelbare Nähe zum Spielgeschehen, die es in der ganzen medialen Wiedergabe dank ungezählter Kamerapositionen gibt, ersetzen und etwas Besonderes bieten. Und das sind die Stimmung und, die Atmosphäre und das gemeinsame Mitfiebern..

Aber heißt es nicht immer, dass für den zahlungskräftigen Teil des Publikums vor allem die Treffen mit Geschäftspartner in der Loge besonders wichtig sind?
Das ist auch so, aber die Geschäftspartner Business-Gäste sind doch nicht nur wegen der Geschäfte da. Ich würde sogar behaupten, alle kommen in erster Linie wegen des Spiels. Einer der Kollegen hier im Büro meinte bei unseren internen BesprechungenDiskussionen über das »11Freunde-Stadion«: »Ich bin auch regelmäßig auf den Business Seats und möchte nicht weg von dieser perfekten Sitzposition.« Er ist da, weil er das Spiel dort besonders gut sehen kann.

Wären Stadien ohne Businessbereich heutzutage finanziell überhaupt noch kalkulierbar?
Das wäre sehr schwer, denn es wird richtig  viel Geld damit verdient. Sie ganz weg zu lassen ist nicht die Lösung. Ich sehe auch nicht ein, warum ein Stadion nicht unterschiedlichen Ansüprüchen genügen können sollte. Man muss natürlich nicht so weit gehen, wie wir gegangen sind, es muss nur gut ausbalanciert sein.

Wir haben fürs »11 FREUNDE Stadion« bewusst auf lokale Produkte beim Catering gesetzt. Warum ist das in den meisten Stadien nicht mehr der Fall?
Bei fast 40.000 Zuschauern ist eine enorme Logistik erforderlich, und wenn ein Klub viele kleine Partner hat, erhöht das den Aufwand und auch die Risiken für den Club beträchtlich. Da ist es eine Erleichterung für den Betrieb eines Stadions, das Catering in wenige, kompetente  Hände abzugeben. Und natürlich ist der Anspruch jedes Fans, dass man in den knapp bemessenen 15 Minuten Pause eine Wurst und ein Bier holen kann. Trotzdem bin ich sicher: Man könnte da mehr Abwechslung reinbringen.

Eine der Ideen fürs »11 FREUNDE Stadion« ist der Verkauf der Namensrechte eines Stadions an die Fans statt an Sponsoren. Muss man da nur noch auf die richtige Technologie warten?
Nicht unbedingt, es muss nur ein Klub diesen Schritt wagen. Ich halte das bei einem Verein mit einer gewachsenen, ausreichend großen Anhängerschaft für denkbar. Die Technologie muss nicht zwingend eine superschicke LED-Lösung sein, man könnte sich auch eine statischere Bannerlösung vorstellen. Wir haben damit schon Tests gemacht, das würde gehen. Es muss nur ein Klub sagen: »Ich habe eine Anhängerschaft, die auf so was begierig wartet.« Mir fällt da, auch wenn es ein bisschen klischeehaft ist, ein Verein wie der FC St. Pauli ein, der in dem Ruf steht, bei solchen Dingen voran zu gehen. Aber eigentlich könnte man sich das auch an mehreren Orten vorstellen.

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