04.01.2014

Das spektakulärste Relegationsspiel des Jahres

»Oh mein Gott, wir fahren nach Wembley!«

In der aktuellen Ausgabe (11FREUNDE #146) erinnern sich Spieler und Trainer an ihren größten Moment im Jahr 2013. Exklusiv lest ihr heute auf 11freunde.de von Watfords Troy Deeneys Rückblick auf das spektakulärste Relegationsspiel des vergangenen Jahres.

Text:
Troy Deeney (Protokoll: Ron Ulrich)
Bild:
imago

96. Minute, Elfmeter für Leicester. Nun war alles vorbei. Kurz zuvor hatten wir mit dem FC Watford gegen Leeds den direkten Aufstieg in die Premier League schon verspielt. Uns war ein klarer Elfmeter versagt worden, dazu bekamen wir in der letzten Minute den Gegentreffer zum 1:2. Und nun zeigte der Schiedsrichter in diesem Play-off-Halbfinale gegen Leicester in der sechsten Minute der Nachspielzeit auf den Punkt – gegen uns. Ein Strafstoß, der nie im Leben einer war. Hatte sich alles gegen uns verschworen? Doch dann hielt unser Keeper Manu Almunia den Ball und der Wahnsinn nahm seinen Lauf.

Halbvolley, dachte ich mir

Ich hatte großes Vertrauen in Manu, unseren Kapitän, aber seien wir mal ehrlich: Neun von zehn Elfmetern gehen rein. Doch Manu holte sich nicht nur den Strafstoß, sondern auch den Nachschuss und leitete den Ball sofort weiter. Ich lief ohne nachzudenken nach vorne. Unterbewusst war bei uns allen der Gedanke: Eine Chance kriegen wir vielleicht noch. Plötzlich stand ich an der Strafraumkante, der Ball flog wunderschön rein auf den zweiten Pfosten. Ich spekulierte auf einen Abpraller, und da kam er wirklich. Ich zog nach vorne und sah den Ball auf mich zukommen. Halbvolley, dachte ich mir, genau die Dinger, die ich im Training geübt hatte.

Der Torwart war aus seinem Kasten, deswegen war klar: Wenn ich den Ball irgendwie aufs Tor bringe, ist er drin. Kein Annehmen, kein Passen, direkt drauf. Ich traf wie geplant, der Ball flog über die Linie – und das Stadion rastete aus. 20 000 Menschen auf dem Platz. So etwas hatte ich schon im Fernsehen gesehen, aber noch nie selbst erlebt. Ich kannte nach dem Tor nur einen Weg: zu meiner Familie. Sprang über die Bande direkt in die Arme meiner Liebsten.

»Oh mein Gott, wir fahren nach Wembley!«

Diejenigen, die mich durch die schwere Zeit gebracht hatten, ohne die ich nicht zurückgekommen wäre. Ein solches Tor ist für jeden wohl ein echtes Karrierehighlight, aber für mich hatte es eine besondere Bedeutung, denn eigentlich war ich down and out. Den Beginn der Saison hatte ich im Gefängnis verbracht. Dann dieses Tor, ich hätte heulen können.


Nach dem Spiel fuhren wir zum Haus meiner Großmutter, wie wir es nach jedem Spiel machen. Die ganze Familie trifft sich bei ihr dann zum Essen. An diesem Tag schmeckte es nicht unbedingt besser als sonst, aber sagen wir so: Es fiel mir einfacher, so zu tun, als sei es das fabelhafteste Essen dieses Planeten. Denn ich realisierte: »Oh mein Gott, wir fahren nach Wembley.« Leider verloren wir dort gegen Crystal Palace im entscheidenden Spiel und schafften es nicht in die Premier League.

In der folgenden Zeit merkte ich, wie viele Leute sich diese verrückten Momente gegen Leicester City auf Youtube angesehen hatten. Plötzlich erkannten mich immer mehr Leute auf der Straße und sprachen mich auf das Tor an. Das war schon verrückt. Bei alldem hatte ich aber auch Mitgefühl mit Anthony Knockaert, der Leicesters Elfer verschossen hat. Fußball kann so brutal sein – und so großartig.

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In 11FREUNDE #146 lest ihr Rückblicke von Julian Draxler, Niko Kovac oder Felipe Santana. Außerdem spricht Thomas Müller ausführlich über »sein verrücktes Fußballjahr«. Jetzt am Kiosk!

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