Das Spätwerk ruft

Van Nistelrooys Flirt mit Real Madrid

Ruud van Nistelrooys Vertrag beim Hamburger SV läuft noch bis zum Ende der Saison – und trotzdem wird der Bundesliga-Klub dem Stürmer einen Wechsel zu Real Madrid kaum verwehren können. Das Spätwerk ruft

Große Stürmer, so heißt es, sollten am besten ihr Gehirn abschalten, wenn sie ihrem Job nachgehen. Nachdenken schadet nur. Das muss ein Legende sein, sonst wäre Ruud van Nistelrooy kein großer Stürmer. Als der Ball am Samstagabend in einer seltsam gebogenen Kurve an den zweiten Pfosten des Schalker Tores flog, ereilte van Nistelrooy eine klare Handlungsanweisung seines Gehirns: »Du musst da hinsprinten.« Die Beine folgten dem Befehl, und den Rest erledigte van Nistelrooy mit einer Mischung aus Reflex und Instinkt. Als der Ball im Tor lag, wusste der Stürmer selbst nicht mehr, wie genau er das jetzt wieder hinbekommen hatte. »Keine Ahnung«, sagte er später.

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Egal. Auf Ästhetik hat Ruud van Nistelrooy, der Vollstrecker aus den Niederlanden, selten Wert gelegt.
Das Tor, das er am 15. Januar 2011 um exakt 19.39 Uhr erzielte und das dem Hamburger SV zum Auftakt der Rückrunde einen 1:0 (0:0)-Sieg beim FC Schalke 04 einbrachte, könnte trotzdem ein historisches gewesen sein. Möglicherweise war es sein letztes in der Fußball-Bundesliga. Der Stürmer wird gerade von Real Madrid umworben. Eine geradezu unglaubliche, fast aberwitzige Geschichte. »Es ist verrückt, was passiert«, sagt van Nistelrooy selbst zum Interesse des spanischen Rekordmeisters. Verrückt, weil der Holländer im Juli 35 wird. Noch verrückter, weil Real ihn erst vor einem Jahr wegen mangelnden Bedarfs ablösefrei nach Hamburg hat gehen lassen.

Notstand bei Real Madrid

Es liegt weniger an van Nistelrooy als an den Umständen, dass Real seine Meinung jetzt offenbar geändert hat. Weil der Klub vermutlich bis zum Saisonende auf den Argentinier Gonzalo Higuaín verzichten muss, hat Trainer José Mourinho einen akuten Notstand im Sturm ausgemacht und van Nistelrooy als mögliche Abhilfe identifiziert. Der Holländer kennt den Klub, er hat dreieinhalb Jahre für Real gespielt, und er kommt seinem Auftrag, Tore zu schießen, immer noch verlässlich nach, wie er am Samstag in Gelsenkirchen bewies. Aber genau das ist Reals Problem.

Ruud van Nistelrooy, der in 34 Pflichtspielen für den HSV 16 Tore erzielt hat, ist im Moment der einzige verlässliche Stürmer im Kader der Hamburger. »Er ist so fit, wie er gar noch nie war«, sagt Trainer Armin Veh. »Im Prinzip können wir es uns nicht leisten, ihn abzugeben.« Die Wörter »im Prinzip« kann man dabei getrost streichen. Gerade zwei Wochen sind es noch, bis die Transferperiode endet. Es ist utopisch, dass sich in dieser Zeit gleichwertiger Ersatz für van Nistelrooy auftreiben ließe. »Wir können das nicht kompensieren«, sagt Veh, insofern werde man den Holländer »unter keinen Umständen« gehen lassen. »Unsere Entscheidung steht: Er wird bleiben«, sagt auch Sportchef Bastian Reinhardt. »Van Nistelrooy muss seinen Vertrag erfüllen.«

Vom Grau der Bundesliga direkt in die Champions League

Im Prinzip wäre die Angelegenheit damit erledigt. Van Nistelrooy steht beim HSV noch bis zum Saisonende unter Vertrag, der Verein ist nicht gewillt, ihn abzugeben, schon gar nicht ablösefrei, wie es den Spaniern offensichtlich vorschwebt. Aber in dieser ganzen Geschichte gibt es eben auch noch eine menschliche Komponente, für die selbst Veh Verständnis aufbringt: Kann man jemandem wie van Nistelrooy, der als Musterprofi gilt, der sich in Hamburg nicht das Geringste hat zuschulden kommen lassen und der auch in dieser Angelegenheit offensichtlich von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat, kann man dem dieses letzte Highlight seiner Karriere verbauen?

Denn genau als das, als finalen Höhepunkt, würde Ruud van Nistelrooy die unverhoffte Rückkehr zu Real begreifen: noch einmal auf der großen Bühne stehen, noch einmal Champions League spielen – wer kann da schon Nein sagen? »Dass solch ein Verein in dieser Phase meines Lebens noch vorbeikommt, das ist etwas, was man ernst nehmen muss«, sagt er. Öffentlich drückt er sich zwar noch um eine klare Festlegung, aus seinen Äußerungen aber ist deutlich abzulesen, welchem Klub van Nistelrooys Präferenz gilt. »Es ist nicht einfach für mich«, sagt er. »Aber es ist nicht irgendein Verein. Es ist Real. Das tut etwas mit mir.« Für den HSV hört sich das gar nicht gut an.

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