Das Sommerloch in Sommerloch

Wo nichts ist, kann nichts sein

Irgendwo um Nirgendwo gibt es einen Verein mit dem Namen SV Sommerloch. Und eigentlich möchte man dort hinfahren und allerlei Späße veranstalten. Einfach nur so. Man könnte, aber wir haben uns nicht getraut. Zum Glück. Das Sommerloch in Sommerloch Irgendwo da draußen zwischen Bad Kreuznach und Bingen am Rhein steht ein Schild. Ein Schild im Nirgendwo. Nicht weiter ungewöhnlich, in einem Land, in dem es immerhin über 20 Millionen Verkehrsschilder geben soll. Denkste, denn auf diesem gelben Schild mit schwarzem Rand steht: »Sommerloch«. Und da fängt das Dilemma an. 

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Das Örtchen Sommerloch ist im Grunde so außergewöhnlich wie ein Schweißausbruch bei 35 Grad. Knapp 450 Einwohnern, elf größere Straßen und eine Menge Felder auf  denen größtenteils Weinreben angebaut werden. Gähn.

Millionen oder Müllkippe?

Und doch, jeden Sommer, wenn es gar nichts mehr zu berichten gibt, weil sich selbst der letzte Sonderzeichen-Promi in den Urlaub verdünnisiert hat, fallen die »Kreativen« dieses Landes in Sommerloch ein. Im Gepäck:  jede Menge originelle Ideen. Da werden Stoffkrokodile versteckt, Problembären gesichtet und fluchende Spucknäpfe verortet. Ideen für Millionen. Oder für die Müllkippe.

Abstiegskampf am Zehnmorgen

Doch zum Glück hat die Ortsgemeinde Sommerloch noch seinen Ruhepol. Der örtliche Sportverein SV 1921 Sommerloch ist Treffpunkt für alles Sommerlochige zwischen null und 120. Hier ist zwischen Step-Aerobic und Wirbelsäulen-Gymnastik für jeden was dabei. Natürlich wird auch Fußball gespielt. Der Verein hat sein Zuhause auf einem Schlackeplatz mit dem malerischen Namen »Hinter den Zehnmorgen« und belegte im letzten Jahr mit 30 Punkten und 48:82 Toren Platz 13 der Bezirksklasse Staffel Ost des Südwestdeutschen Fußballverbandes. So entkamen die Sommerlöchler nur knapp dem Abstieg. Eine eigene Herren-Mannschaft kann Sommerloch derzeit nicht stellen, deswegen musst man vor ein paar Jahren mit dem Nachbarverein SV Braunweiler fusionieren. 

We are family


Dennoch liest sich die Kaderzusammenstellung des SVS durchaus romantisch: Insgesamt sieben Brüderpaare stehen hier hin und wieder zusammen auf dem Feld. Da bekommt das viel zitierte Familiengefühl, mit dem jüngst schon unsere Nationalmannschaft durch das WM-Turnier galoppierte, seine ganz originäre Bedeutung zurück.

Wenn man könnte, würde man dann?


Zugegeben, man gerät fast in die Versuchung, einmal vorbeizuschauen in Sommerloch. Nur um zu sehen, wie sie an jeder Ecke lauern, die Kollegen von Funk, Fernsehen und Print. Wie sie sich schwitzend belegte Brötchen in der örtlichen Bäckerei ordern, die sie schimpfend verlassen, weil es keine Latte macchiato aus dem Glas gibt. Und der Handyempfang ist auch noch scheiße.

Dann würde man zum Schlackeplatze rennen, ein kleines Spielzeugboot aufbauen, eine dunkelhaarige Barbiepuppe darauf legen, ein paar Fotos schießen, ein paar lustige Zeilen über Loddar verfassen und jubelnd nach Hause fahren. High Five mit der Medie-Posse inklusive. Das wäre ein toller Tag im Sommerloch in Sommerloch. Oder?

Lieber nicht

Derzeit bereitet sich die Mannschaft des SV Sommerloch übrigens auf die kommende Saison vor. Wald- und Wiesenläufe und Liegestütz stehen auf dem Programm. Schließlich warten Spiele gegen Türkgücü Ippesheim, TUS Monzingen und den SV Wintersbach und wahrscheinlich wieder der Abstiegskampf. Da will man dann doch nicht stören. Und wenn das Sommerloch noch so groß ist. 

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