Das sind die Taktik-Trends der Vorrunde

Ist der Ballbesitzfußball tot?

Die WM-Vorrunde ist beendet und hat einige taktische Fragen aufgeworfen: Ist der Ballbesitzfußball tot? Gibt es ein Revival der Dreierkette? Und was hat eigentlich die Fantasy-Serie »Game of Thrones« mit der ganzen Sache zu tun?

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Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, in den vergangenen Tagen in sozialen Netzwerken wie Twitter unterwegs gewesen sein, dürften sie gemerkt haben, dass die Nerds dieser Welt aktuell nur zwei Themen kennen: die Fußball-WM und die amerikanische TV-Serie »Game of Thrones«. Beide Ereignisse weisen überraschend viele Gemeinsamkeiten auf: Beide Welten wimmeln nur von Kriegsmetaphern, hier und dort streben die verschiedenen Teams und Clans nach der Weltherrschaft und über Jahre lieb gewonnene Favoriten werden auf brutalste Weise abgeschlachtet.

Der spanische Ballbesitzfußball

Interessanterweise ist die Liste der Parallelen damit noch nicht abgearbeitet. In der passenden Bücherreihe zur TV-Serie gibt es einen religiösen Kult, dessen Leitspruch sich sehr gut auf die bisherigen taktischen Lehren der WM ausweiten lässt: »Was tot ist, kann niemals sterben, sondern erhebt sich von Neuem, härter und stärker.«

Am auffälligsten passt dieses Zitat zum angeblichen Tod des Ballbesitzfußballs. Die hilflos wirkende spanische Mannschaft hat eine Debatte über die Frage angestoßen, ob das spanische Aus gleichzeitig das Aus des Ballbesitzfußballs ist. Diese Aussage lässt sich insofern schwer generalisieren, als dass es immer Teams geben wird, die den Ball halten werden – sei es, weil sie das so wollen (siehe Peps Bayern), oder sei es schlicht, weil sie von einem passiven Gegner dazu gezwungen werden.

Vielmehr ließe sich sagen, der spanische tiki taka geht seinem Ende entgegen, wobei auch bei dieser Aussage die große Frage bleibt: Wie sehr verkörpert diese spanische Mannschaft noch das Ideal vom tiki taka? Von den charakteristischen Elementen des tiki takas war bei den Spaniern bei dieser WM wenig zu sehen, weder das Kurzpassspiel noch das dominante Pressing; nicht einmal den Ball hielten sie sonderlich lange in den eigenen Reihen. Die Spanier wirkten wie ein alterndes Team, das seine eigene Philosophie nicht mehr über 90 Minuten hinweg konstant spielen konnte.

Vielmehr scheint es so, als haben viele andere Teams sich die charakteristischen Eigenschaften des tiki taka einverleibt und mit mehr Leidenschaft und Flexibilität interpretiert. Die Chilenen sind hierfür das beste Beispiel: Auch sie spielen mit flachen Pässen, auch sie haben hohe Ballbesitzwerte, auch sie spielen ein wildes Pressing. Nur füllen sie das System bei dieser WM mit mehr Leidenschaft und taktischer Flexibilität, als die Spanier es vermochten. Ausgerechnet Deutschland lieferte zudem gegen die USA den besten Beweis, dass das langsame, im Zentrum dominante Ballbesitzspiel längst auch in anderen Fußballländern erfolgreich praktiziert wird.

Rhythmuswechsel sind das A und O

Ohnehin verschwimmen die Kategorien immer stärker. Bei dieser WM lässt sich beobachten, dass eine zu dogmatische Herangehensweise an das Thema »Ballbesitz oder Konter?« nicht zielführend ist. Die bislang erfolgreichsten Teams vermochten es, ein Ballbesitzspiel mit einem intensiven Angriffspressing mit Phasen abzuwechseln, in denen sie tiefer standen und auf Konter lauerten. Die Niederländer, Chilenen und die Franzosen machten dies vor, und auch das deutsche Team passt zu diesem Trend. Gegen Portugal waren sie mit schnellem Vertikalspiel erfolgreich, gegen die USA hingegen mit einem geduldigen Ballbesitzspiel.

Das Tempo verändern, auch mal verlangsamen und sich ausruhen - dies scheinen entscheidende Faktoren im tropischen Brasilien zu sein. Kaum ein Team konnte das Tempo über 90 Minuten halten, und wer klug zwischen hohem Pressing und tiefer Verteidigung umschaltete, hatte meist den Kraftvorteil in der Schlussviertelstunde. Einigen europäischen Teams gelang dies nicht. Die Engländer rieben sich mit ihrem auf schnelle Durchbrüche fokussierten Konterfußball auf, während die Italiener es nicht schafften, aus ihrem behäbigen Spiel auch mal einen Gang hoch zu schalten.

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