Das Schicksal der Ost-Vereine #7

BSG Stahl Brandenburg

Die BSG Stahl schaffte kurz nach der Wende gerade noch den Sprung in den Profi-Fußball, doch die 2. Liga war ein Hürde zu hoch für das Team von begabten, aber blutjungen Talenten um Christian Beeck und Roy Präger. Das Schicksal der Ost-Vereine #7
Heft#96 11/2009
Heft: #
96
BSG Stahl / BSV Brandenburg
Platz 8 / 27:25 Punkte / 34:31 Tore

Vor dem letzten Spieltag der Schicksalssaison 1990/91 war nur wenig entschieden. Der Meister aus Rostock, sowie der Vize aus Dresden hatten ihre Bundesligaqualifikationen in der Tasche, Rot-Weiß Erfurt war die Teilnahme an der 2. Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Auch die Absteiger, Energie Cottbus und Viktoria Frankfurt, standen fest, was aber nicht mal mehr am Rande interessierte. Alle anderen spielten um die 2. Liga. Drei direkte Plätze waren noch zu vergeben, für den Rest blieb die Relegation.

[ad]

Nie zuvor war der sechste Platz begehrter, er ersparte die Relegation, bedeutete die 2. Liga, den Profifußball, das vermeintliche Paradies. Vor dem letzten Spieltag belegte Stahl Brandenburg diesen magischen Rang. Nur noch das Auswärtsspiel in Erfurt trennte den Klub vom ersehnten Aufstieg. Die Partie begann wie erhofft, mit Timo Langes sattem Schuss ins Eck ging Stahl in Front. Die Tür zur 2. Liga stand offen. Doch Erfurt ließ sich nicht hängen, für die Thüringer ging es immerhin noch um den UEFA-Cup. Sie drehten entsprechen auf, machten zwei Tore und stießen Brandenburg auf den achten Platz. Relegation. Dort landete Stahl in einer Gruppe mit dem 1. FC Magdeburg, dem FC Berlin und Zweitligist Union Berlin. Jeder gegen jeden, auswärts und daheim, ein sechs Spieltage dauernder Hoffnungslauf.

Ein sechs Spiele dauernder Hoffnungslauf

Mit dem besseren Ende für Brandenburg. Sie ergriffen den Strohhalm, der ihnen nach dem bitteren letzten Oberligaspieltag gereicht wurde. 2. Liga – Brandenburg war dabei. Profifußball an der Havel. Es blieb ein Intermezzo. Nach nur einem Jahr war der Spaß vorbei. Vorbei die kurze Blütezeit des Brandenburger Fußballs. Erst 1984 war Stahl erstmals in die Oberliga aufgestiegen, 1986 sogar in den UEFA-Cup eingezogen. Der finanzstarke Trägerbetrieb, das benachbarte Stahlwerk, sorgte für einen adäquaten Stadionausbau und eine elektronische Anzeigetafel.  Eine Betriebssportgemeinschaft sorgte für Aufsehen.  

Doch die 2. Liga war einfach eine Nummer zu groß, zu grün war der Kader, dessen größte Talente, Roy Präger und Christian Beeck, erst Jahre später reif genug für solche Aufgaben waren. Eine enorme Trainerfluktuation trug ihren Teil zum schlechten Abschneiden bei. Düwiger, Karkuth, Reinke, Kosmehl, erneut Düwiger. Die Säge lag stets in der Nähe des Trainerstuhls. Ab dem 18. Spieltag konnte Stahl die Abstiegsplätze nicht mehr verlassen und taumelte hilflos in die Oberliga Nordost. 1994 reichte es noch einmal für die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2.Liga, die allerdings der FSV Zwickau für sich entscheiden konnte. Mit dem Hauptsponsor hatte sich der Verein da längst überworfen. Ohne Geld ging es in der wiedereingeführten Regionalliga weiter. 

Dort wurde Stahl, inzwischen als BSV Brandenburg, umgehend in die Oberliga, ein Jahr später sogar in die Verbandsliga durchgereicht. Als sich die UEFA-Cup-Teilnahme zum zehnten Mal jährte, war der BSV nur noch fünftklassig. Dafür gab es endlich Flutlichtspiele im Stadion am Quenz. Im Dezember 1996 wurde die Anlage, deren Bau schon 1988 begann, eingeweiht. Mit einem 0:5 gegen Energie Cottbus. II. Ein stolzer Verein lag am Boden, das Stadion blieb leer und zu allem Übel wurde der Lokalrivale, der BSC Süd 05, zur sportlichen Nummer eins der Stadt. 1998 war der BSV pleite und ging in Konkurs. Der neugegründete FC Stahl Brandenburg  übernahm das Verbandsligastartrecht des BSV und nicht zuletzt auch dessen Geschichte. In der Verbandsliga vegetierte Stahl vor sich hin, bis die wenigen verbliebenen Fans von einer waghalsigen Idee schockiert wurden: eine Fusion mit dem BSC Süd stand vor der Tür, abgesegnet von den Vorständen der Vereine. Fanproteste auf beiden Seiten ließen die Fusion platzen. Unglück im Glück: Sponsoren sprangen ab, Leistungsträger gingen. Stahl bekam arge Probleme, in der Verbandsliga zu bleiben.

Endlich Flutlichtspiele im Stadion am Quenz

Nachdem sie dem Abstieg einige Male von der Schippe springen konnten, war es 2006 dann doch soweit – Stahl war nur noch Landesligist. Obendrein kramten Lokalpolitiker alte Fusionspläne wieder aus. In den Augen der Stahl-Fans nach wie vor keine gute Idee. Wieder galt es, den Verein zu erhalten. Ein Spendenkonto wurde eröffnet, eine Imagekampagne (»Feuer und Flamme für Brandenburg«) initiiert sowie ein Vorstand gewählt, dessen Aufgabe es per Mitgliederbeschluss ist, eine Fusion unter allen Umständen zu verhindern. Zu guter letzt schloss sich Stahl der pfiffigen Idee einer Werbeagentur an, die Fans zu Hauptsponsoren macht. Für ein paar Euro kann der eigene Name auf dem Trikot verewigt werden. Zwar ist der Schriftzug zu klein, als dass man ihn vor der Tribüne aus lesen könnte, identitätsstiftend wirkt er aber allemal.

Die im Raum stehende Insolvenz konnte Stahl so abwenden und auch sportlich gab es vor kurzem endlich mal wieder Grund zur Freude - 2009 gelang die Rückkehr in die Verbandsliga.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!