Das Schicksal der Ost-Vereine #4

FC Berlin

Der BFC Dynamo aus Berlin war Mielkes Liebling, DDR-Serienmeister – und fiel nach der Wende tief. Als die Stars gingen, kamen Geldsorgen und Gewalt. Ein Image, von dem sich der Verein bis heute nicht wirklich erholt hat. Das Schicksal der Ost-Vereine #4
Heft#96 11/2009
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FC Berlin / BFC Dynamo
Platz 11 / 22:30 Punkte / 25:39 Tore


Nicht wenige finden gerecht, was dem BFC Dynamo nach dem Mauerfall widerfahren ist. Er galt als Stasiklub, als »Schiebermeister«, als Erich Mielkes Lieblingsteam. Und fiel richtig tief.

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Ein Niedergang, der sich allerdings schon vor der Wende angedeutet hatte. Das Team, das zwischen 1979 und 1988 ununterbrochen Meister wurde, kam allmählich in die Jahre. 1989 gelang »nur« noch die Vizemeisterschaft, 1990 gar nur Platz vier. Erstmals seit langer Zeit reichte es nicht mehr für das internationale Geschäft. Das Team zerbröckelte. Andreas Thom zog es nach Leverkusen, Thomas Doll und Frank Rohde nach Hamburg, Rainer Ernst nach Kaiserslautern. 

Die Stars gingen, das Team zerbröckelte

Viel Geld spülten diese Transfers in die Kassen. In wessen Kassen allerdings, ist fragwürdig. Kurzum: Etliche Millionen versickerten und der BFC stand vor einem Scherbenhaufen. Vom eigenen Ruf diskreditiert, ging der Klub in die Offensive und nannte sich fortan FC Berlin. Ein Versuch, das miese Image als Stasigünstling zu kaschieren. Ebenso hilf- wie erfolglos. Die wenigen Sponsoren, die willens waren, in den Ostfußball zu investieren, machten einen großen Bogen um Hohenschönhausen und scherten sich nicht darum, ob der Verein nun BFC oder FCB hieß.

Zu präsent waren die Erinnerungen an fragwürdige Elfmeter und zu präsent war das Hooliganproblem. Rund um den FC Berlin etablierte sich eine der größten Gewaltszenen des (ost)deutschen Fußballs. Mit dem Tod Mike Polleys am 3.November 1990 fand diese Entwicklung ihren negativen Höhepunkt. Polley wurde von einem überforderten Polizisten bei extremen Krawallen anlässlich des FCB-Gastspiels bei Sachsen Leipzig erschossen. Von diesen Problemen gebeutelt lief der FC Berlin in der Schicksalssaison der Oberliga lediglich auf Platz elf ein und scheiterte in der Relegation knapp am BSV Brandenburg. Aus dem Rekordmeister wurde ein Drittligist. In der dritten Liga fanden sich die Berliner anfangs gut zurecht und konnten sich 1992 für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga qualifizieren. Diese entschied jedoch der VfL Wolfsburg für sich und beim FC Berlin kehrte Depression ein.

Der Verein verließ die Stätte all seiner Erfolge, den Jahn-Sportpark, und spielte fortan wieder in seiner eigentlichen Heimat, dem Sportforum in Hohenschönhausen. 1994 reichte es noch einmal für die Qualifikation zur Regionalliga, in der der FCB allerdings nur die Rolle einer grauen Maus spielte. In der sportlichen Bedeutungslosigkeit angekommen, erinnerten sich die Berliner wehmütig an die Vergangenheit und leisteten ihren Beitag zur aufkommenden Ostalgie-Welle.

Die BFC-Fans leisteten ihren Beitrag zur Ostalgie

Aus dem FC Berlin wurde 1999 wieder der BFC Dynamo, verbunden mit Querelen um die Vermarktungsrechte des einstigen Wappens. Diese hatte sich ein findiger Fanartikel-Händler zu Wendezeiten für lumpige 80 Mark gesichert und es Jahre, sowie etlichen Profit später an ein Hell's Angels-Mitglied verkauft. Doch auch mit altem Namen lief es beim BFC nicht besser. Als aus vier Regionalligen zwei wurden, scheiterte der Klub am Cut. Der BFC rutschte in die Oberliga. 2001 bot sich die Chance zum Aufstieg, doch der 1.FC Magdeburg zog nach zwei Relegationsspielen den längeren. Für beide Vereine, für den FCM wie den BFC, ging es bei diesen Ausscheidungsspielen um alles. Sie machten keinen Hehl daraus, dass das jeweilige wirtschaftliche Überleben an den Aufstieg geknüpft war. Ökonomisches Kamikaze.

Magdeburg hatte noch einmal Glück gehabt, der BFC aber musste in die Insolvenz und damit in die Berliner Verbandsliga zwangsabsteigen. Nun waren es  die Fans, die den Verein am Leben hielten. Ausgerechnet. Der BFC war zum Spagat gezwungen. Er brauchte einerseits das Geld der Fans, von denen viele kein Geheimnis aus ihrem Hang zum Rechtsextremismus machen und musste sich andererseits von ihnen distanzieren, um gesellschaftsfähig zu werden. In der Verbandsliga gelang dem BFC die Konsolidierung. 2004 stieg er wieder in die Oberliga auf sorgte schon beim ersten Auswärtsspiel für längst gewohnte Negativschlagzeilen, als BFC-Anhänger den Platz in Babelsberg stürmten als wollten sie zeigen: »Wir sind wieder da!« 

Ökonomische Kamikaze

Infolge der Babelsberger Ausschreitungen stand auch ein gewisser Peter Meyer vor Gericht. Heute ist jener Meyer Vorsitzender des BFC-Wirtschaftsrates und als Besitzer einer Telekommunikationsfirma Dynamos Hauptsponsor. Für den Verein kein geeigneter Weg, das Krawall-Image loszuwerden. Stattdessen hat sich ein Sündenstolz etabliert, die BFC-Fans kultivieren ihren Ruf als Bösewichter, die große Bühne aber bleibt ihnen seit der Wende versagt. Jahr für Jahr nimmt sich der BFC mit großem finanziellen Aufwand fest den Aufstieg vor, scheitert aber beständig und fristet ein Schicksal in der – inzwischen fünftklassigen - Oberliga.

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