Das Schicksal der Ost-Vereine #3

FC Sachsen Leipzig

Insolvenzen, »kleine Schweinchen« und Jimmy Hartwig. Der FC Sachsen Leipzig hat in der vergangenen 20 Jahren viel erlebt. Der einstige DDR-Oberligist geriet zwischen die Mühlsteine der Fußball-Geschichte. Das Schicksal der Ost-Vereine #3
Heft#96 11/2009
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FC Sachsen Leipzig / Fusion aus FC Grün-Weiß Leipzig (davor BSG Chemie Leipzig) und BSG Chemie Böhlen  
Platz 12 / 22:30 Punkte / 23:28 Tore


Als schwere Geburt erwies sich die Gründung des FC Sachsen Leipzig, dessen einseitiger Bezug auf das legendäre Chemie Leipzig - in den Wendewirren in Grün-Weiß Leipzig umgetauft – eigentlich ein Etikettenschwindel ist. Denn das Startrecht für die Oberligasaison 1990/91 besaß der Aufsteiger aus Böhlen, einer Kleinstadt vor den Toren Leipzigs. Doch dort war das Geld knapp.

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So entschloß man sich zu einer Fusion mit dem Zweitligisten Grün-Weiß und erwählte den Namen Sachsen Leipzig. Als Torwart wurde kein Geringerer als Lok-Ikone Rene Müller verpflichtet, als Coach kam Jimmy Hartwig, der erste West-Trainer im Osten. Er blieb aber nicht lange, denn nachdem er den FIFA-Schiedsrichter Siegfried Kirschen als »kleines Schweinchen« bezeichnet hatte, musste Hartwig wieder gehen. Ein kurzzeitiger Höhenflug führte den FC Sachsen sogar auf Platz 2, doch es ging sehr eng zu und einige Wochen später war man Tabellenletzter. Am Ende sprang der zwölfte Platz heraus. Eine Punktlandung, die die Teilnahme an der Relegation um die letzten beiden verbliebenen Startplätze für die 2. Liga ermöglichte. Dort versagten die Grün-Weißen und wurden in ihrer Relegationsgruppe abgeschlagen Letzter. Die 2. Liga aber verlor man anschließend nicht aus den Augen, doch 1993 verweigerte der DFB die Lizenz und damit die Teilnahme an den Aufstiegsspielen, 1995 wurde Sachsen nur Vizemeister der inzwischen eingeführten Regionalliga Nordost.

Näher kam man dem Profifußball nie wieder

So nah kamen die Leipziger dem Profifußball nie wieder, auch wenn sie stets eine gute Rolle in der Regionalliga spielten. Immer wieder versuchte sich der Verein am Neuaufbau einer schlagkräftigen Truppe. Doch so etwas geht ins Geld und wenn es an der Rendite mangelt, landet man im Teufelskreis. 1999 konnte Kinowelt-Besitzer Michael Kölmer im Rahmen seiner Rettungsmission für gefallene Vereine Sachsens Insolvenz noch abwenden, 2001 jedoch nicht mehr. Per Zwangabstieg ging es in die Oberliga Nordost. Staffel Süd. Dort erholte sich der Verein ein wenig und stieg 2003 wieder in die Regionalliga auf, wo sich allerdings gleich vier Trainer die Klinke in die Hand gaben und so für den direkten Wiederabstieg sorgten. Immerhin geschah dies auf erstligareifer Bühne, denn der FC Sachsen zog ins neuerrichtete Zentralstadion ein. Der Umzug wurde zur Hypothek, denn perspektivisch sollte Sachsen dort Profifußball spielen. Eduard Geyer wurde Sportdirektor, später Trainer und Red Bull sollte die nötige Kohle liefern. Klappte alles nicht.

Trotz Geyer und Red Bull: Die Insolvenz klopft an

Erneut stand eine Insolvenz im Raum, die wiederum von Kölmel – inzwischen als größter Gläubiger des Vereins und Besitzer des Zentralstadions stärker als je zuvor am Schicksal des FC Sachsen interessiert - verhindert wurde. Mit viel Glück erreichte der Klub 2008 die Qualifikation für die inzwischen nur noch viertklassige Regionalliga. Die finanziellen Probleme erdrückten den Verein jeodch, so dass ein Insolvenzverfahren nicht mehr zu verhindern war. Seit 2009 heisst es fünfte Liga. Zudem ist der FC Sachsen inzwischen in die Mühlen der Geschichte geraten. Seit die neugegründete BSG Chemie Leipzig den Spielbetrieb aufgenommen hat, wird um historische Deutungshoheit gerungen. Beide Vereine nehmen für sich in Anspruch, legitimer Nachfolger der einstigen BSG Chemie zu sein, die als »Rest von Leipzig« 1964 völlig überraschend DDR-Meister wurde.

Ach ja; das Abfallprodukt der Fusion von 1990, der SV Chemie Böhlen, surft seitdem wild duch den unterklassigen Fußball, war zwischendurch auch einmal insolvent und spielt derzeit in der Bezirksklasse Leipzig.

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