Das Schicksal der Ost-Vereine #1

FC Vorwärts Frankfurt

2+6. Ein simpler Term. Eigentlich. Im Fußball der ausgehenden DDR wurde er jedoch zur darwinistischen Zauberformel. Was wurde aus den Teams der letzten Oberliga-Saison? Den Anfang macht der FC Vorwärts Frankfurt. Das Schicksal der Ost-Vereine #1
Heft#96 11/2009
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Zwei Teams durften in die gesamtdeutsche Bundesliga, sechs weitere in die 2. Liga, die restlichen sechs Klubs sollten sich in der Drittklassigkeit wiederfinden. Entsprechend hart ging es zur Sache. Die letzte Oberligasaison wurde zu brutalsten. Nie zuvor kam es zu einer solchen Kartenflut.

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Schlecht gefüllt waren die Stadien zudem, viele Besucher hatten besseres zu tun, wollten oder konnten die explodierenden Eintrittspreise nicht bezahlen. Die Hooliganwelle tat ihr übriges. Die Ohnmacht der ostdeutschen Polizei machte die Oberliga zu einem Schlägerparadies und vergraulte viele derjenigen, die sich nicht boxen wollten. Völlig neue Rahmenbedingungen kamen auf die Vereine zu. Spieler wurden nicht mehr delegiert, sondern ge- und verkauft. Die so genannten Trägerbetriebe, verantwortlich für die Finanzierung der Vereine, verabschiedeten sich, so dass sich die Klubs neue Geldquellen erschließen mussten. Doch sie waren im Marketing ungeübt und hatten entsprechend große Probleme, mit der neuen Situation umzugehen – und landeten unvorbereitet in einer Ellenbogengesellschaft.

Die Stars, die Sammers, Kirstens, Dolls und Thoms, waren da längst weg. Der Aderlass an Topspielern würfelte die Liga völlig neu zusammen. Kaum ein Verein wusste, wo er stand. Doch einig waren sich alle Klubs in ihrer Zielsetzung: Profi-Fußball!

Ein Hauen und Stechen um acht Plätze, gekrönt mit einer Relegation, in der die letzten zwei Schlüssel zur Tür des vermeintlichen Schlaraffenlands ausgespielt wurden. Wir blicken zurück auf die Teilnehmer der letzten Oberligasaison und was aus ihnen geworden ist. Und zwar wie es sich gehört von unten nach oben. Den Anfang macht dementsprechend der FC Vorwärts Frankfurt 91

FC Vorwärts Frankfurt
Platz 14 / 13:39 Punkte / 29:54 Tore


Der einstige Armeesportklub ging als Aufsteiger in die Saison, hatte aber nichts zu melden. Sang- und klanglos stieg man ab. Der eigentliche Niedergang des Vereins begann aber schon 1971, als der damalige Rekordmeister Vorwärts Berlin nach Frankfurt/Oder delegiert wurde. Dort wurde aus dem DDR-Team der Sechziger ein Fahrstuhlklub, der an der Oder eine nur kurze Blütephase mit mehreren UEFA-Cup-Qualifikationen erlebte.

Als im Laufe der Wiedervereinigung die NVA in die Bundeswehr eingegliedert wurde, brach dem Verein die Basis weg. Ein Schock, von dem er sich nie erholen konnte. Seit 1991 pendelt der FFC Viktoria zwischen Ober- und Verbandsliga, die nach etlichen Ligareformen nur noch die fünft- respektive sechsthöchsten Spielklassen darstellen. Ambitionen nach oben hat der chronisch klamme Verein nicht und muss sich stattdessen damit begnügen, inzwischen nur noch auf einem Nebenplatz des Stadions des Freundschaft zu spielen.

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